Dienstag, 20. Oktober 2009

Klassenfahrt

Ein weiteres grosses Ereignis ist vorueber: die Klassenfahrt. An der Oberschule findet die Klassenfahrt immer im zweiten Jahrgang statt und alle Klassen fahren zu den gleichen Staedten, an meiner Schule: Tokyo und Kyoto, je nach belieben nach kann man noch nach Osaka! Wenn ich mir so andere Klassenfahrtsziele anhoeren durfte, wie Hawaii oder Tokyo Disneyland, wurde ich schon ein wenig neidisch, ging aber trotzdem voller Vorfreude mit meinen Klassenkameraden Richtung Tokyo! Der Preis der Klassenfahrt, der meiner Schule ist so ziemlich im Durchschnitt, belaeuft sich auf umgerechnet 900 Euro, was besonders fuer die Fluege und die superteuren Hotels draufgeht. Ausserdem gibt es an den meisten Schulen eine Begrenzung fuer das Taschengeld, welches man mitnehmen darf. Meine Begrenzung belief sich auf 400 Euro. Trotzdem gab es Leute, die mehr mitgenommen haben und an anderen Schulen ist die Grenze noch hoeher gesetzt. In Japan ist es anscheinend Tradition, jemandem Taschengeld mitzugeben, wenn er auf eine Reise geht, unter anderem auch, weil man natuerlich etwas mitgebracht haben moechte. So habe ich von Okaasan und Otousan, der AFS-Chefin von Obihiro, meinem LP und sogar einer Freundin Okaasans sehr, sehr, seeeeehr viel Taschengeld bekommen. Doch komme ich erstmal zu dem Aufenthalt in Tokyo.

Am Abreisetag haben wir, das heisst meine und vier andere Klassen, den ersten Flieger von Obihiro nach Tokyo an diesem Tag genommen, um moeglichst viel Zeit fuer den Aufenthalt in Tokyo zu haben. Dort angekommen ging es auch gleich los und meine Gruppe (Keisuke, Fujisaki, Fuseya) und ich stuerzten uns gleich in die ersten, mit Menschen ueberfuellten Gebiete. Der erste Tag war eigentlich eine einzige Shopping-Tour, auch wenn ich nicht wirklich etwas gekauft habe, weil der Preis mir dann doch manchmal nicht sehr geheuer war. Auf Sightseeing war unser Ausflug nicht wirklich ausgelegt, immerhin sind das ja Oberschueler und da steht erstmal Einkaufen im Vordergrund, war etwas schade, aber trotzdem lustig. Trotzdem konnte ich doch noch einige interessante Dinge erspaehen, zum Beispiel habe ich mit eigenen Augen gesehen, dass es eine zweite Freiheitsstatue gibt! Ausserdem waren wir noch im Hard Rock Cafe und sind in einer riesigen Achterbahn, die mitten in Tokyo steht, gefahren. Anschliessend waren wir in einem Restaurant essen, in das wir eigentlich nur meinetwegen gegangen sind. Warum? Ganz einfach - es heisst jonathan's.
Wir warteten eine Weile auf unser Essen, hatten aber nicht wirklich viel Zeit und nach dem zwanzig Minuten verstrichen waren und wir nur noch zehn hatten, um zu unserem Hotel zu kommen, sind wir aus dem Restaurant gefluechtet, ohne dass Keisuke sein Essen bekommen hatte (Ja, wir haben noch bezahlt). Nach vergeblicher Suche und Ueberschreitung des Zeitlimits haben wir dann ein Taxi genommen und kamen zehn Minuten zu spaet an, was uns einen riesigen Aerger beschert hat. Noch dazu wurde uns unsere einstuendige Freizeit fuer den naechsten Tag geraubt, was nicht sonderlich schlimm war, denn schliesslich hatte Fujisaki sich eine Playstation 3 gekauft und es gab somit keine Zeit fuer Langeweile! Der zweite Tag war eher weniger Interessant, ich bin zu "Kellog's" mit ein paar anderen Leuten gegangen und habe dort viel Cerealien bekommen, die ich mit nach Hause nehmen durfte. Danach ging es noch in eine weniger interessante Universitaet und das war auch schon der zweite Tag. Das tollste an der Klassenfahrt, war der dritte Tag.
Am dritten Tag sind wir im fruehen Morgen mit dem ICE Japans, dem Shinkansen, nach Kyoto gefahren. Kyoto ist ziemlich bekannt als die japanischste Stadt Japans und tatsaechlich, als ich die ersten Minuten in der Stadt war, fuehlte ich mich ins Altjapan versetzt. Wir machten mit dem Bus eine Tour und haben auf dem Weg zu diversen Sehenswuerdigkeiten natuerlich einiges von der Stadt gesehen, unter anderem auch ein McDonalds in japanischem Stil. Unser erstes Ziel war ein Schloss und ich war, und bin es immernoch, unglaublich begeistert von der japanischen Architektur, die sich einfach so unterscheidet von z.B. Schloessern die ich bisher gesehen habe. Im inneren des Schlosses herrschte leider strenges Fotoverbot, dabei haette ich dir so gerne dieses fabelhafte Schloss gezeigt. Deswegen beschraenkt sich mein Fotorepertoire nur auf das Aeussere, was dem Inneren aber nur wenig nachsteht!
Anschliessend fuhren wir zur beruehmtesten Sehenswuerdigkeit Kyotos, dem Kinkakuji (Kinkaku-Tempel). Als ich den Tempel sah, ist mir im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weggeblieben. Auf einmal steht da diese perfekte Fusion aus Gold und Tempel vor mir und ich konnte gar nicht genug Fotos machen! Leider darf man den Tempel nicht betreten, sondern ihn nur von aussen betrachten. Aus allen Winkeln und Ecken, aus denen ich Fotos geschossen habe, hier das meiner Meinung nach Beste:Danach fuhren wir noch zu diversen anderen Tempeln und Schreinen, die allesamt wirklich unglaublich schoen sind. Schon nach diesen ersten Stunden in Kyoto, und ich habe bei weitem noch nicht alles gesehen, kann ich sagen, dass es von allen Staedten, die ich bisher auf der Welt gesehen habe, die schoenste ist. Ich kann es kaum erwarten dort wieder hinzugehen und eine ausgiebige Sehenswuerdigkeiten-Tour zu machen, angeblich braucht man dafuer mindestens fuenf Tage, wenn man alles sehen moechte.
Der dritte Tag war wieder ein Freizeit-Tag. Da Kyoto wirklich auf Sehenswuerdigkeiten, bzw. dieses Altjapan spezialisiert ist, junge Japaner aber eher Interesse an lustigen Sachen haben, sind wir nach zwei drei besuchten Tempeln so schnell wie moeglich nach Osaka gefahren. Per Zug dauert das gute 40 Minuten, denn Osaka ist praktisch gleich nebenan. Hauptsaechlich ging es in Osaka ums Essen, denn Osaka ist beruehmt fuer z.B. Takoyaki (Tintenfisch in einer Teighaut zu Baellen geformt) oder Okonomiyaki, hat nichts mit Oekonomie zu tun und laesst sich auch etwas schwerer erklaeren. Ehrlich gesagt war ich froh, als wir wieder in unserem Hotel in Kyoto waren, Osaka ist irgendwie kein Ort, an dem ich mich wohlfuehlen koennte.
Der naechste und somit letzte Tag begann mit einer Bustour nach Osaka, diesmal aber etwas interessanter gestaltet, weil wir wieder per Klassenverbund gefahren sind. Das erste Ziel war das Schloss von Osaka, wunderschoen, doch wurde es meiner Meinung nach durch etliche Verglasungen und die ganze moderne Einrichtung im Innern, z.B. einem Fahrstuhl, ein wenig entstellt. Leider hatten wir nicht viel Zeit, aber natuerlich auch hier wieder ein Foto:Danach ging es noch in ein riesiges Aquarium, fand ich persoenlich eher weniger interessant, und anschliessend traten wir den schweren Weg zur Rueckreise an.

Auf dem Rueckflug wurde mir dann erst so richtig bewusst, dass ja schon Herbst ist! Aus dem Flugzeug habe ich dann noch dieses tolle Foto eines Waldes in der Naehe von Sapporo geschossen, hat irgendwie etwas von einem Schokoladen-Muesli, finde ich. In gut zwei Wochen geht es nach Okinawa und dann ist das Thema Reisen leider, leider, leider (ich kann es garnicht oft genug sagen) erledigt! Ich wuerde echt gerne nochmal nach Kyoto fahren oder andere Staedte wie Nagasaki oder Hiroshima sehen. Aber was kann ich mich beschweren, ich habe schon mehr Staedte gesehen, als so mancher Japaner und habe natuerlich noch in Zukunft Zeit, Japan zu bereisen! Bis zum naechsten Eintrag,
Dein Jonathan

Montag, 12. Oktober 2009

Zeichentrick goes reality

Knapp eine Woche ist es nunmehr her, da beendete ich erfolgreich den vierten und wahrscheinlich letzten Marathon in diesem Jahr hier. Der Marathon fand diesmal in Sapporo statt, der Hauptstadt Hokkaidos, dementsprechend waren auch sehr viele Leute anwesend. In diesem Jahr haben sich allein fuer den Halbmarathon ueber 6000 Leute angemeldet! Zu dem Marathon gibt es nicht viel zu sagen, er verlief wie jeder andere auch. Was mir weniger an dem Marathon gefallen hat: durch die extreme Menschenmenge konnte ich erst nach 7km meine eigentliche Geschwindigkeit laufen und habe somit natuerlich eine langsamere Laufzeit, als ich sie eigentlich haette. Durchschnittlich wird das wohl mein bester Marathon gewesen sein, wenn eben nicht das Hindernis mit den anderen Laeufern anfangs gewesen waere. Meine Zeit belaeuft sich auf ca. 1:47h, das genaue Ergebnis werde ich in ein paar Wochen per Post bekommen!
Waehrend ich mit Otousan und Okaasan in Sapporo war, gab es fuer mich einen Laden, zu dem wir einfach hin mussten: das Pokemon-Center! Pokemon weckt ja bei mir gleich Erinnerungen an die Kindheit, Grund genug, einfach mal in dem Center vorbeizuschauen. War ehrlich gesagt nicht so toll wie erwartet, denn das Center nimmt zwar ein ganzes Stockwerk ein, besteht aber hauptsaechlich aus Spielautomaten. Ausserdem gibt es einen kleinen Laden, der, wenn man bedenkt, wie viele Jahre es Pokemon schon in Japan gibt und wie beliebt das hier ist, leider auch nur ziemlich wenig verkauft hat. Nachdem wir in diversen Laeden noch ein paar Mitbringsel gekauft hatten, wars das auch schon mit unserem Sapporo-Aufenthalt gewesen.

Genau drei Tage spaeter bin ich aber wieder nach Sapporo, zwecks Debattier-Contest. Am ersten Tag wurde nur die Reihenfolge der Sprecher bestimmt und um ein wenig in Stimmung zu kommen, gab es dann noch ein Quiz. Ich konnte meinem Team kaum helfen, aber wir haben uns trotzdem sehr gut geschlagen, am Ende hatten wir nur eine Frage falsch. Bei der Auswertung sind wir dann doch nicht erster geworden, obwohl die erstplatzierten auch nur eine Frage falsch hatten. Da es trotzdem noch einen Preis gab, wurde an alle Teams eine Bonusfrage gestellt: Welches Team hat in der Fussball-WM 1996 gewonnen? A: Deutschland B: Frankreich. Sofort kam mir das Sportsfreunde Stiller-Lied in den Kopf und da dort 1996 nicht erwaehnt ist, sagte ich meinem Team, sie sollen fuer Frankreich stimmen. Gesagt, getan, die Aufloesung: Deutschland! Ich dachte mir: "Nee, das kann gar nicht sein." Wenig spaeter ist mir dann noch eingefallen, dass es 1996 nicht mal eine WM gab! Soviel also zu dem Quiz.

Am naechsten Tag war ich mit meiner Rede dran, als letzter von 21 Teilnehmern. Meine Rede lief super, es wurde ueberraschend viel gelacht und ich hatte ein echt gutes Gefuehl, zumal mich nach der Rede die meisten der anderen Teilnehmer noch beglueckwuenschten, eben weil sie so gut gelaufen ist. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Otousan und meiner Schwester und fiel abends ziemlich erschoepft, aber gluecklich, ins Bett. Am letzten Tag folgten noch die anderen 22 Beitraege und letztendlich auch die Siegerehrung. Siegessicher hoerte ich mir die Verkuendigung der Gewinner an. Kein Preis fuer mich! Wirklich schade, mir ist aber ziemlich schnell klargeworden, dass ich von vornerein keine Chance hatte. Wie es auch sein muss bei so einem Contest, wurde ich fair nach japanischen Massstaeben bewertet und da meine Aussprache natuerlich bei weitem nicht die eines Japaners ist, habe ich meine Rede praktisch wie ein Japaner mit schlechtem Japanisch gehalten. Trotzdem hat der Contest echt Spass gemacht und ich wuerde auch immer wieder mitmachen. Ich freue mich fuer die Gewinner, denn die waren wirklich, wie sagt man so schoen, erste Sahne, hehe. Waehrend einer Shopping-Tour in Sapporo habe ich dann noch folgendes Foto geschossen:Wenn das nichtmal eine habenswerte Tasche ist!
Was gibt es sonst so? In wenigen Tagen habe ich endlich die Klassenfahrt! Meine hat so ziemlich den Durchschnittspreis und kostet schlappe 1000 Euro! Noch dazu kommt das Taschengeld, denn Staedte wie Tokyo und Kyoto sind nur allzu beruehmt fuer ihre Wucherpreise. Trotzdem hoffe ich, das die Klassenfahrt ein sehr schoenes Erlebnis wird.
Gestern haben Okaasan und Otousan die Tickets fuer Okinawa gekauft, heisst es also nur noch gute zwei Wochen warten und voila, ich bin in Okinawa. Im Oktober kann ich mich, was das Reisen angeht, wirklich nicht beklagen.
Zu guter letzt: in den obihiroischen Bergen ist vor einigen Tagen der erste Schnee gefallen! Wahrscheinlich dauert es nur noch einige Woche und ich darf durch die ersten dicken Schneeschichten waten. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit und Sonne zum Geniessen des Wetters gibt es genug.
Dein Jonathan