Freitag, 25. Dezember 2009

Merii Kurisumasu

Um es einfach mal auf Japanisch zu sagen. Oft wurde ich schon gefragt "Wie wird Weihnachten in Japan gefeiert?", oder "Feiert man Weihnachten ueberhaupt in Japan?". Das sind durchaus berechtigte Fragen, denn schliesslich ist Weihnachten ein christliches Fest, was nicht heisst, dass es in Japan nicht viele Christen gibt. Um eine spontane Antwort darauf zu geben: Ja! Es wird auch in Japan gefeiert. Das ganze unterscheidet sich natuerlich von Familie zu Familie und ich werde dir jetzt einfach mein Weihnachtserlebnis darlegen.

Bereits Anfang November konnten hier die ersten Weihnachtsdekorationen gekauft werden und die Mehrheit der Baeume war mit Lichterketten beschmueckt. Ein bisschen frueh, dachte ich mir. Ab Dezember ging der Weihnachtsrummel dann richtig los, wenn auch ein bisschen gelassener, als in Deutschland. Weihnachten wird hier besonders bei Familien mit kleinen Kindern gefeiert, ich bezweifle, dass es einen Weihnachtsbaum gibt, aber zumindest der Teil mit den Geschenken ist definitv vorhanden. Ausserdem legen gut die Haelfte aller "Weihnachtsfeiernden" die Bescherung auf den 23. Dezember, denn das ist der Geburtstag des amtierenden Kaisers und somit nationaler Feiertag. Der 24. ist naemlich ein normaler Tag wie jeder andere. Aber nicht nur bei Familien mit kleinen Kindern, sondern auch bei Familien mit Jugendlichen, gibt es oft das traditionelle, japanische "Weihnachtsessen". Hierbei handelt es sich naemlich um Huehnchen und das eigentlich interessante an japanischem Weihnachten: eine Weihnachtstorte!
Vermutlich seit hier Weihnachten eingefuehrt wurde, ist es von praktisch allen groesseren Suesswarenherstellern Brauch (oft auch kleinere Laeden), mindestens eine Weihnachtstorte in das Verkaufssortiment aufzunehmen. Die Mehrheit der Torten besteht groesstenteils aus Sahne und das Thema Erdbeere spielt auch eine wichtige Rolle. Die Dekorationen sind einfach sagenhaft, genau wie der Preis. Fuer eine Torte mit 18cm Durchmesser, kommt man in Laeden in Tokyo nicht unter 30 Euro weg und einen Euro fuer eine unreife Erdbeere, das ist ein Luxus, den man sich schonmal leisten sollte. Da Lob ich mir Obihiro, welches bekannt fuer seine billigen Suessigkeiten ist, die obendrauf geschmacklich mindestens genau so hochwertig sind, wie die in Tokyo!
Rokkatei (mein Lieblingsladen) hat natuerlich auch, wie jedes Jahr, seine eigene Tortenkollektion rausgebracht. Mit grossen Augen konnte ich meine Gasteltern dazu ueberreden, eine fuer Weihnachten zu bestellen. Denn eigentlich feiern meine Gasteltern gar keine Weihnachten, genauer genommen haben sie es noch nie gemacht. Dieses Jahr machten sie eine Ausnahme, z.T. weil ich drum gebeten habe. Wir entschieden uns nicht fuer eine der Sahnetorten, sondern nahmen eine schoene Schokotorte mit 15 cm Durchmesser, sind ja schliesslich nur drei Leute. Voila, 15 Euro, echt schoen und natuerlich suuuper lecker! Vor diesem Dessert sind wir auswaerts Abendessen gegangen.
Das Restaurant war ein kleines, neues Gebaeude inmitten der Stadt. Ich habe es vorher noch nie gesehen und Okaasan und Otousan kannten es auch nur vom Hoerensagen. Wir hatten offenbar eine Reservierung, setzten uns, bestellten Getraenke und das wars. Ploetzlich kam die erste Vorspeise, anscheinend wurde sogar schon unser Menue bestellt. Kaum waren wir fertig, kam auch schon die naechste Vorspeise. Danach die dritte. Anschliessend die vierte. Die zwei Hauptspeisen wurden von einfach perfekten Desserts abgeschlossen! Waehrend des Essens konnte ich herausfinden, dass Otousan das ganze gar nicht reserviert hatte. Genauer genommen, hatte das ein Freund von ihm reserviert, der vor wenigen Jahren noch als reichster Mann von Hokkaido galt und hier wohl des oefteren essen gehe. Dieses Mal musste er aber ploetzlich nach Sapporo und hat Otousan die Reservierung ueberlassen, die Rechnung ging aber auf seine Kosten. Das Menue, das wir assen, stand nicht mal auf der Speisekarte. Von Entenleber bis Trueffelcreme-Sosse ueber Blattgold, unglaublich leckere Speisen, von Anfang bis Ende! Anschliessend stellte sich heraus, dass unser Menue pro Person 45 Euro kostete, was bei den Zutaten letztendlich nicht besonders verwunderlich war. Dieses Jahr gab es ein Weihnachtsessen der etwas anderen Art.

Okaasan machte schon einige Tage vorher Andeutungen, dass ich mir diverse Suessigkeiten von Rokkatei nicht kaufen sollte, weil ich die eventuell vom Weihnachtsmann bekommen koennte. Da es echt doof gewaesen waere, ihnen nichts zu Weihnachten zu schenken, waehrend sie hier schon so viel fuer mich getan haben, habe ich ein Weilchen nachgedacht, was ich den beiden ueberhaupt schenken koennte. Dieses Jahr hatten sie sich zum ersten Mal einen Adventskalender gekauft, der uebrigens bis zum 25. geht, und da sie so viel Spass daran hatte, dachte ich: "Dann bastel ich einfach einen fuer naechstes Jahr!" Heute Morgen hing ploetzlich eine grosse Weihnachtssocke an meiner Tuerklinke, gefuellt mit, wer haette es geahnt, Suessigkeiten von Rokkatei! Bevor ich mein Geschenk oeffnete, habe ich den beiden noch das Geschenk "vom deutschen Weihnachtsmann" uebergeben. Die vier Stunden Arbeit, die mich der Kalendar gekostet hat, haben sich wirklich gelohnt, denn damit konnte ich den beiden eine grosse Freude machen, womit mein Ziel auch schon erreicht war. Der Kalendar wird bis zum uebernaechsten Jahr das Wohnzimmer schmuecken.

Fazit: Japaner feiern Weihnachten, wenn auch meiner Meinung nach der christliche Hintergrund eine unbedeutende Rolle spielt. Ich hatte meine ersten Weihnachten ohne Familie, was zwar auch ganz schoen war, aber zu Hause ist es eben doch am besten!
Vor wenigen Wochen hatte ich endlich den grossen Japanisch-Test, fuer den ich soviel gelernt habe. Verglichen mit dem Test vom letzten Jahr kam er mir um einiges schwerer vor und ehrlich gesagt, zweifle ich dadran, ihn bestanden zu haben. Aber, es ist nicht unmoeglich! Das Ergebnis wird mir Mitte Februar mitgeteilt, bis dahin heisst es abwarten und gruenen Tee trinken.
Die Winterferien haben angefangen und der Schnee liegt nun auch schon seit einigen Wochen rum, was sich bis zu meiner Abreise vermutlich nicht aendern wird. Trotz Ferien habe ich natuerlich Volleyballtraining und gehe wie gewohnt bei bis zu -20 Grad 70 Minuten zu Fuss zur Schule. Mittlerweile habe ich mich an die Kaelte gewoehnt und empfinde -10 Grad alles andere als kalt?! Zurueck nehme ich immer den Bus, weil es sonst zu spaet werden wuerde.
Vor wenigen Tagen kam mein Homeroom-Teacher zu mir und meinte, dass meine Schule zwei Abschiedsfeiern fuer mich machen wird! Eine wird vermutlich vor der ganzen Schule sein, wo ich natuerlich auch eine Rede halten soll (Wie soll ich das nur bis zum 13. Januar schaffen?!). Die zweite wird klassenintern, genaueres dazu weiss ich aber noch nicht. Ausserdem darf ich mir etwas wuenschen, es sollte bloss nicht zu teuer sein. Ich wuerde mir ja gerne die Schuluniform wuenschen, aber 300 Euro ist wohl eher ein bisschen zu viel. Ich bin gespannt!
Zu guter letzt: Ich mache noch eine Reise mit meinen Gasteltern! Damit haben sie mir einen (weiteren) grossen Wunsch erfuellt. Unser Reiseziel ist Kyushu, eine der vier Hauptinseln. Wo genau wir dort im Januar herumreisen werden, ist noch nicht geplant.
Bald ist Neujahr, Zeit, neue Traditionen Japans kennenzulernen. Bis zum naechsten Eintrag wuensche ich dir erstmal Frohe Weihnachten und gleich noch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2010!
Dein Jonathan

Freitag, 27. November 2009

Treffen sich ein gruenes Brot und ein Tiger...

Wie in Berlin finden auch hier in Obihiro wieder Klausuren statt und da ich wieder nur die Klausuren schreiben muss, die ich schreiben will, habe ich heute einfach mal frei. Gestern habe ich den Englisch-Test geschrieben, am Montag kommt japanische Lyrik und am Dienstag wieder Englisch, Englisch und japanische Lyrik ist der einzige Unterricht, in dem ich aufpasse, denn meistens lerne ich selbststaendig Japanisch!

Vor wenigen Wochen hatte ich mich mit Nathalie bei der AFS-Bezirksleiterin (Fr. Baba) getroffen, um Brot zu backen. Zopf, um genauer zu sein. Als Rezept haben wir das naechstbeste aus dem Internet genommen und Zutaten, die es hier nicht gibt, durch irgendwas anderes ergaenzt. Da sie anscheinend genau so wenig Brot backen kann wie ich, war das Brot zwar ziemlich lecker, aber von Zopf keine Spur. Trotzdem ist es bei allen gut angekommen. Auf Grund grosser Nachfrage von Klassenkameraden meiner Schule und derer Nathalies, entschieden wir uns, letzte Woche einfach nochmal zu backen, diesmal nicht nur Brot, sondern auch Kekse! Dan und Ohana wollten ebenfalls mitbacken und wir mieteten uns eine grosse Kueche, liessen uns die Zutaten kaufen und dann ging es letzten Sonntag auch schon los.
Da wir ein Zeitlimit hatten, entschieden wir uns, alles separat zu backen, ich war fuer den Zopf und Nathalie fuer das Gebaeck zustaendig, die anderen beiden haben immer hier und da ausgeholfen. Alles in allem verwendete ich die selben Zutaten wie vom letzten "Zopf", nur dass ich diesmal noch etwas Maccha hinzufuegte. Maccha ist eigentlich ein saftig gruener Tee, der recht bitter schmeckt und auch nicht gerade wenig kostet. Zum einen gibt es Maccha als Tee, zum anderen auch als Pulver, welches man z.B. in Lebensmittel macht, um sie mit diesem wunderbaren Gruen zu faerben oder ihnen tatsaechlich den Maccha-Geschmack zu verleihen. Maccha in Lebensmitteln (meist in Suessigkeiten) schmeckt nochmal ganz anders, als der Tee und im Gegensatz zu Anko, der roten Bohnenpaste, moegen die meisten Japaner Maccha.
Mit dem Maccha habe ich nicht gespart (uebrigens kosten 40 Gramm von diesem Pulver gut sieben Euro, wenns eine sehr billige Variante ist), denn schliesslich wollte ich das Brot nicht nur faerben, sondern auch nach Maccha schmecken lassen. Mit der Hilfe Ohanas, die anscheinend schon des oefteren Brot gebacken hat, hatte ich dann auch einen wunderbaren Teig, der sich gut weiterverarbeiten liess. Nathalie kam auch sehr gut vorran und wir hatten generell viel Spass und viel gute Musik!








Unter leichtem Zeitdruck konnte ich dann endlich meinen Zopf, nunja, eigentlich waren es nur noch Broetchen, die ich aus dem Zopfteig geformt habe, in den Ofen schieben. Die sind dann auch schoen gross geworden und nach einigen Minuten backens, nahm ich natuerlich eine Kostprobe. Hm. Schmeckt wie ein normales Broetchen. Ich glaube, ich hatte einfach zu viel Mehl reingemacht. Nathalie meinte, es schmeckt nach Maccha, ebenso die anderen (spaeter meinten das Okaasan und Otousan auch, anscheinend waren meine Geschmacksnerven an dem Tag stimuliert). Lecker waren sie allemal und nachdem ich den anderen drei je noch vier von den 16 Broetchen geschenkt hatte, mussten Nathalie und Dan auch schon weg. Vorher haben wir noch Nathalies Kekse ein bisschen genascht, wirklich sehr leckere Exemplare. Ohana und ich blieben noch eine Weile, denn sie musste mich fuer die Neujahrskarten schminken!

Bei den Neujahrskarten handelt es sich um die sogenannten Nengajo, eine alte japanische Tradition, die wie die meisten anderen japanischen Traditionen, einfach das Geld aus der Geldboerse verschwinden laesst. Die Karten schickt man als Kind/Jugendlicher an Familie, Verwandte, Freunde, etc., oder als Erwachsener ebenfalls an Familie, aber auch an Arbeitskollegen bzw. einfach Personen, mit denen man nicht unbedingt befreundet ist, aber des oefteren etwas zu tun hat. Wenn jedoch in diesem Jahr jemand gestorben ist (Okaasans Vater und Otousans Vater sind beide dieses Jahr gestorben), dann schickt man normalerweise bereits im November eine, ich nenn es mal "Trauerkarte", an all die, denen man auch eine Neujahrskarte schicken wuerde, um ihnen mitzuteilen, dass ein Familienmitglied gestorben ist und man deshalb keine Neujahrskarte geschickt bekommen will/kann, wie auch immer. Ja, sehr kompliziert. Das Porto belaeuft sich auf 50 Yen, gut 30 Cent. Klingt wenig, aber wenn man wie Otousan ein wenig bekannter ist, muss man dann einfach mal 200 Karten abschicken, was zwangslaeufig zu Ebbe in dem Portmonnaie fuehrt! Okaasan schickte stolze 78 "Trauerkarten" ab. Meine Neujahrskarten, denn soweit ich weiss ist aus meiner Familie keiner gestorben, werde ich wie gewoehnlich erst im Dezember zur Post bringen, 25 an der Zahl, damit sie genau am Neujahrstag ankommen. Doch nun zurueck zu dem Schminken.
Das naechste Jahr ist das Jahr des Tigers, also werden die meisten Neujahrskarten mit Tigern dekoriert sein, bzw, oft werden bereits mit dem jeweiligen Jahressymbol bedruckte Karten gekauft. Da ich "nur" 25 zu schreiben habe und es mir zu teuer ist, bedruckte zu kaufen, dachte ich mir: "Dann mach ichs einfach selbst!" Also liess ich mich von Ohana als Tiger schminken, schoss noch ganz viele Fotos und habe anschliessend das beste rausgesucht. Nachdem der grosse Japanisch-Test (Japanese Language Proficiency Test = JLPT) naechste Woch vorbei ist, werde ich mich um die Karten kuemmern und sie sogar entgegen dem Trend, denn der liegt neuerdings bei der faulen Variante alias Drucker, mit Pinsel und Tinte kalligrafisch per Hand beschreiben, ob das schoen aussieht, ist natuerlich wieder eine andere Sache. Das Tigerbild kommt dann mitten auf die Karte und dann hoffe ich einfach, meinen Freunden eine kleine Freunde gemacht zu haben. Sobald ich die Karten fertig habe, probiere ich natuerlich hier ein schoenes Modell hochzuladen, doch bis dahin dauert es noch ein wenig.
Naechste Woche steht wie bereits erwaehnt der JLPT an, der Test, fuer den ich seit Anfang meines Austauschs jeden Tag lerne. Ehrlich gesagt bin ich nicht sehr zuversichtlich, den Nikyu (Zweiter Level) zu schaffen, aber ein Versuch ist es immerhin wert!
Nun noch etwas lustiges zur Japanischen Sprache. In Japan hoert man des oefteren das Wort "Uso". Wenn du das einfach mal aussprichst, dann klingt das wie ein gewoehnlicher Ausdruck, der Erstaunen ausdrueckt. Das dachte ich zumindest, als ich das Wort anfangs immer gehoert habe. Meistens sagen die Japaner naemlich nicht einfach "Uso." sondern eher "Uso!!!!!!!!!". Vor einigen Monaten habe ich herausgefunden, dass man dieses Wort sogar uebersetzen kann: Luege. Wenn man einem Japaner, den man nicht gerade zum ersten Mal trifft, irgendwas erzaehlt, was auf dem ersten Blick unrealistisch scheint, dann sagt er erstmal "Luege!". Da gibt es natuerlich auch Varianten, wie "Das ist gelogen, oder?" oder einfach nur ein banales "Du Luegner.". Lustigerweise kommt das ganze aber auch in hoeflichen Konversationen vor, zb. zwischen Schueler und Lehrer: "Haben sie gelogen?" - so in der Art. Gestern Abend, Otousan war von der Arbeit sehr erschoepft und wir schauten ein wenig Fernsehen, meinte er: "Die Show geht heute bis um 11." Worauf ich erwiderte: "Kein Problem, ich hab morgen frei." Und Voila, Otousans Antwort, mit einem einmaligen Blick: "Luege." Vermutlich sehen es die Japaner nicht als das Wort "Luege" in dem Sinne, aber fuer einen Nicht-Japaner ist es doch sehr interessant, das ganze mal in die eigene Sprache zu uebersetzen, oder?
Das wars schon wieder, diesmal mit einem kleinen Einblick in die japanische Sprachkultur!
Dein Jonathan

Donnerstag, 5. November 2009

Okinawa

Am Dienstag kam ich von meiner wahrscheinlich letzten Reise mit Okaasan und Otousan zurueck. Das Ziel war diesmal etwas aussergewoehnlicher: Okinawa.

Okinawa ist die suedlichste Praefektur Japans, gehoerte anfangs zu Japan, galt aber immer als ein selbststaendiges Koenigreich. Durch seine Unabhaengigkeit besitzt es auch eine andere Sprache, auch wenn junge Leute immer mehr zu Japanisch neigen und jeder Einwohner Japanisch sprechen kann. Trotzdem fand ich an allen Ecken und Enden Woerter, die definitv nicht aus dem japanischen Wortschatz stammen. Zu Kriegszeiten wurde es von den Amerikanern besetzt, die es, obwohl es seit geraumer Zeit schonwieder Japan angehoert, immernoch als militaerische Basis nutzen. Okinawa ist prinzipiell sehr warm, wenn nicht sogar heiss, fuer mich hiess es also: von der kaeltesten, in die waermste Praefektur! Zuerst einmal der Grund fuer diese aussergewoehnliche Reise.
Meine Gasteltern fragten mich, wo ich denn gerne in Japan hinfliegen wuerde, denn offensichtlich schenken sie jedem Austauschschueler eine (oder zwei?) Reise. Da ich durch die Klassenfahrt schon in vielen wichtigen Staedten Honshus war, war die Hauptinsel fuer mich eher weniger interessant, auch wenn ich sehr gerne nochmal nach Kyoto fahren wuerde. Als ich dann Okinawa als mein Wunschziel nannte, waren sie sehr ueberrascht. Okaasan und Otousan waren selbst noch nicht da und es scheint generell kein gewoehnliches Reiseziel, zumindest fuer junge Leute, zu sein, vermutlich weil es relativ weit entfernt ist. Nach kleinen Komplikationen bei der Ticketbuchung, wir sind zur Klassenfahrt-Saison gefahren, haben wir mit viel Glueck dann doch noch ein paar Tickets erwischt. Auf der Hinreise machten wir einen Zwischenstop auf dem Flughafen von Nagoya, der fast eine eigene Stadt fuer sich ist! Dort hiess es natuerlich viel essen und fuer mich, weiterhin viel Geschenke kaufen.

In Okinawa begruessten uns am Flughafen erstmal unzaehlige Orchideen, die scheinen bei dem Klima dort prima zu wachsen. Beim ersten Schritt ins Freie sind wir buchstaeblich gegen eine 27 Grad heisse Wand aus unglaublich schwueler Luft gelaufen. Spater stellte sich heraus, dass es selbst fuer Einwohner Okinawas sehr schwuel gewesen war. Am ersten Tag, wir hatten nicht allzu viel Zeit, fuhren wir mit einem Mietwagen zu einem grossen Fischmarkt, auf dem unter anderem Fische mit glaenzender, azurblauer Haut angeboten wurdem, ob sie schmecken, ist natuerlich wieder eine andere Frage. Da Okinawa keine oeffentlichen Verkehrsmittel ausser dem Bus besitzt, kommt man als Tourist eigentlich kaum drum rum, sich ein Auto zu leihen.

Der zweite Tag, ein Sonntag, begann mit einer fruehen Reise zum Shuri-Schloss, mitten in der Hauptstadt Okinawas, Naha. In der Architektur befinden sich fast zu gleich vielen Teilen die Einfluesse Japans, aber auch Chinas. Leider wurde es gerade restauriert, als wir da waren, wir konnten somit nur die Haelfte des eigentlichen Schlosses sehen.
Okinawa ist natuerlich auch fuer diverse Eigenheiten beruehmt. Da waeren zum einen: der Shisa. Ein Shisa ist ein hundsaehnliches Wesen, was vor vielen vielen Jahren aus Afrika ueberliefert wurde. Genauer genommen, waren es die Chinesen, die den Loewen als Figur uebernommen haben und der sich bis zu seiner Ankunft in Okinawa durch die vielen kulturellen Einfluesse nicht nur in Form, sondern auch in Bedeutung veraendert hat. Traditionell werden immer zwei Shisas, Maennchen und Weibchen, auf dem Dach angebracht, um unter anderem das Haus vor boesen Geistern zu schuetzen und je nachdem, in welche Himmelsrichtung sie geneigt sind, das Haus vor Feuer oder Stuermen zu bewahren. Shisa-Figuren konnte ich wirklich an jeder Ecke kaufen, was den Preis leider nicht mindert. Das angefuegte Bild zeigt eine der modernsten Varianten des Shisas: Eine weitere Beruehmtheit ist ein etwas aussergewoehnlicheres Gemuese: die Kartoffel. Doch das ist nicht irgendeine Kartoffel, nein, diese Kartoffel, ist lila. Du koennstest vermuten, dass dort irgendwelche Farbstoffe reingemischt wurden, aber da muss ich dich enttaeuschen. Diese Kartoffel hat von Natur aus ein so saftiges Lila, da wuerde ich glatt denken, die sei vergiftet. Natuerlich ist sowohl Farbe als auch Geschmack, ist echt verdammt lecker, eine gute Voraussetzung, sie in diversen Suessigkeiten zu vermarkten. Wie so eine Suessigkeit aussieht, will ich dir natuerlich nicht vorenthalten (einfach raufklicken):






Auf dem linken Bild kannst du ein sehr beruehmtes Mitbringsel sehen und auf dem rechten ein paar andere, verboten leckere Suessigkeiten. Das dunkle Lila ist die natuerliche Farbe der Kartoffel.

Waehrend unserem Aufenthalt trank ich unentwegt ein sehr populaeres Getraenk, was geschmacklich an Capirinha erinnert, bloss ohne Alkohol. Das Zeug nennt sich Shiikuwasha und wird aus Mini-Mandarinen gemacht. Oft konnte ich Getraenkeautomaten sehen, in denen Shiikuwasha ganze Reihen gefuellt hat.
Sonntag bis zu unserem letzten Tag, Dienstag, verbrachten wir in einem anderen Hotel, einem Resort, genauer gesagt. Das Wetter wurde zunehmends schlechter, es war extrem windig und "nur" noch 22 Grad. Den Spass liessen wir uns dadurch nicht verderben und machten bei hohen Wellen noch eine huebsche Bootsfahrt. Den Abend schlossen wir meistens durch ein Bad in einem der vielen Pools oder der heissen Quelle des Resorts ab.Lustigerweise, war eigentlich gar nicht so lustig, ist bei einem Pool-Gang Wasser in meinem Ohr, aehm, stecken geblieben?! Jedenfalls konnte ich am naechsten Tag nur noch die Haelfte hoeren und wir mussten beim Ohrenarzt erstmal eine Ohrenreinigung machen lassen.
Am Montag fuhren wir in das okinawische Aquarium, dessen Hauptattraktion ein riesiger Tank ist, der u.a. drei gigantische Walhaie beinhaltet. Anschliessend fuhren wir noch zu einer leckeren Ananasfarm und hatten somit die meisten Sehenswuerdigkeiten abgeklappert. Okinawa ist zwar ziemlich gross, aber fast der gesamte noerdliche Teil wird als amerikanische Militaerbasis genutzt, nichts, was man sich anschauen muesste. Die Reise war sehr schoen und diesmal durfte ich eine komplett andere Seite Japans kennenlernen!

Was gibt es sonst so? Vor ca. zwei Wochen hat der Chor meiner Schule, als erster Chor von allen Oberschulen Hokkaidos, den All-Japan-Contest gewonnen! Damit schafften sie es sogar aufs Titelblatt der groessten lokalen Zeitung, ueber den Bericht vom Baseball! Das stimmt auch mich natuerlich unglaublich gluecklich, weil sie es echt verdient haben. Ausserdem haben vor wenigen Tagen Schueler des hoeheren Jahrgangs, den All-Hokkaido-Contest in einer Kategorie gewonnen, die ich schonwieder vergessen habe, gehen aber mit guten Chancen zu dem All-Japan-Contest. Das war es mal wieder aus dem kalten, kalten Hokkaido,
Dein Jonathan

Dienstag, 20. Oktober 2009

Klassenfahrt

Ein weiteres grosses Ereignis ist vorueber: die Klassenfahrt. An der Oberschule findet die Klassenfahrt immer im zweiten Jahrgang statt und alle Klassen fahren zu den gleichen Staedten, an meiner Schule: Tokyo und Kyoto, je nach belieben nach kann man noch nach Osaka! Wenn ich mir so andere Klassenfahrtsziele anhoeren durfte, wie Hawaii oder Tokyo Disneyland, wurde ich schon ein wenig neidisch, ging aber trotzdem voller Vorfreude mit meinen Klassenkameraden Richtung Tokyo! Der Preis der Klassenfahrt, der meiner Schule ist so ziemlich im Durchschnitt, belaeuft sich auf umgerechnet 900 Euro, was besonders fuer die Fluege und die superteuren Hotels draufgeht. Ausserdem gibt es an den meisten Schulen eine Begrenzung fuer das Taschengeld, welches man mitnehmen darf. Meine Begrenzung belief sich auf 400 Euro. Trotzdem gab es Leute, die mehr mitgenommen haben und an anderen Schulen ist die Grenze noch hoeher gesetzt. In Japan ist es anscheinend Tradition, jemandem Taschengeld mitzugeben, wenn er auf eine Reise geht, unter anderem auch, weil man natuerlich etwas mitgebracht haben moechte. So habe ich von Okaasan und Otousan, der AFS-Chefin von Obihiro, meinem LP und sogar einer Freundin Okaasans sehr, sehr, seeeeehr viel Taschengeld bekommen. Doch komme ich erstmal zu dem Aufenthalt in Tokyo.

Am Abreisetag haben wir, das heisst meine und vier andere Klassen, den ersten Flieger von Obihiro nach Tokyo an diesem Tag genommen, um moeglichst viel Zeit fuer den Aufenthalt in Tokyo zu haben. Dort angekommen ging es auch gleich los und meine Gruppe (Keisuke, Fujisaki, Fuseya) und ich stuerzten uns gleich in die ersten, mit Menschen ueberfuellten Gebiete. Der erste Tag war eigentlich eine einzige Shopping-Tour, auch wenn ich nicht wirklich etwas gekauft habe, weil der Preis mir dann doch manchmal nicht sehr geheuer war. Auf Sightseeing war unser Ausflug nicht wirklich ausgelegt, immerhin sind das ja Oberschueler und da steht erstmal Einkaufen im Vordergrund, war etwas schade, aber trotzdem lustig. Trotzdem konnte ich doch noch einige interessante Dinge erspaehen, zum Beispiel habe ich mit eigenen Augen gesehen, dass es eine zweite Freiheitsstatue gibt! Ausserdem waren wir noch im Hard Rock Cafe und sind in einer riesigen Achterbahn, die mitten in Tokyo steht, gefahren. Anschliessend waren wir in einem Restaurant essen, in das wir eigentlich nur meinetwegen gegangen sind. Warum? Ganz einfach - es heisst jonathan's.
Wir warteten eine Weile auf unser Essen, hatten aber nicht wirklich viel Zeit und nach dem zwanzig Minuten verstrichen waren und wir nur noch zehn hatten, um zu unserem Hotel zu kommen, sind wir aus dem Restaurant gefluechtet, ohne dass Keisuke sein Essen bekommen hatte (Ja, wir haben noch bezahlt). Nach vergeblicher Suche und Ueberschreitung des Zeitlimits haben wir dann ein Taxi genommen und kamen zehn Minuten zu spaet an, was uns einen riesigen Aerger beschert hat. Noch dazu wurde uns unsere einstuendige Freizeit fuer den naechsten Tag geraubt, was nicht sonderlich schlimm war, denn schliesslich hatte Fujisaki sich eine Playstation 3 gekauft und es gab somit keine Zeit fuer Langeweile! Der zweite Tag war eher weniger Interessant, ich bin zu "Kellog's" mit ein paar anderen Leuten gegangen und habe dort viel Cerealien bekommen, die ich mit nach Hause nehmen durfte. Danach ging es noch in eine weniger interessante Universitaet und das war auch schon der zweite Tag. Das tollste an der Klassenfahrt, war der dritte Tag.
Am dritten Tag sind wir im fruehen Morgen mit dem ICE Japans, dem Shinkansen, nach Kyoto gefahren. Kyoto ist ziemlich bekannt als die japanischste Stadt Japans und tatsaechlich, als ich die ersten Minuten in der Stadt war, fuehlte ich mich ins Altjapan versetzt. Wir machten mit dem Bus eine Tour und haben auf dem Weg zu diversen Sehenswuerdigkeiten natuerlich einiges von der Stadt gesehen, unter anderem auch ein McDonalds in japanischem Stil. Unser erstes Ziel war ein Schloss und ich war, und bin es immernoch, unglaublich begeistert von der japanischen Architektur, die sich einfach so unterscheidet von z.B. Schloessern die ich bisher gesehen habe. Im inneren des Schlosses herrschte leider strenges Fotoverbot, dabei haette ich dir so gerne dieses fabelhafte Schloss gezeigt. Deswegen beschraenkt sich mein Fotorepertoire nur auf das Aeussere, was dem Inneren aber nur wenig nachsteht!
Anschliessend fuhren wir zur beruehmtesten Sehenswuerdigkeit Kyotos, dem Kinkakuji (Kinkaku-Tempel). Als ich den Tempel sah, ist mir im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weggeblieben. Auf einmal steht da diese perfekte Fusion aus Gold und Tempel vor mir und ich konnte gar nicht genug Fotos machen! Leider darf man den Tempel nicht betreten, sondern ihn nur von aussen betrachten. Aus allen Winkeln und Ecken, aus denen ich Fotos geschossen habe, hier das meiner Meinung nach Beste:Danach fuhren wir noch zu diversen anderen Tempeln und Schreinen, die allesamt wirklich unglaublich schoen sind. Schon nach diesen ersten Stunden in Kyoto, und ich habe bei weitem noch nicht alles gesehen, kann ich sagen, dass es von allen Staedten, die ich bisher auf der Welt gesehen habe, die schoenste ist. Ich kann es kaum erwarten dort wieder hinzugehen und eine ausgiebige Sehenswuerdigkeiten-Tour zu machen, angeblich braucht man dafuer mindestens fuenf Tage, wenn man alles sehen moechte.
Der dritte Tag war wieder ein Freizeit-Tag. Da Kyoto wirklich auf Sehenswuerdigkeiten, bzw. dieses Altjapan spezialisiert ist, junge Japaner aber eher Interesse an lustigen Sachen haben, sind wir nach zwei drei besuchten Tempeln so schnell wie moeglich nach Osaka gefahren. Per Zug dauert das gute 40 Minuten, denn Osaka ist praktisch gleich nebenan. Hauptsaechlich ging es in Osaka ums Essen, denn Osaka ist beruehmt fuer z.B. Takoyaki (Tintenfisch in einer Teighaut zu Baellen geformt) oder Okonomiyaki, hat nichts mit Oekonomie zu tun und laesst sich auch etwas schwerer erklaeren. Ehrlich gesagt war ich froh, als wir wieder in unserem Hotel in Kyoto waren, Osaka ist irgendwie kein Ort, an dem ich mich wohlfuehlen koennte.
Der naechste und somit letzte Tag begann mit einer Bustour nach Osaka, diesmal aber etwas interessanter gestaltet, weil wir wieder per Klassenverbund gefahren sind. Das erste Ziel war das Schloss von Osaka, wunderschoen, doch wurde es meiner Meinung nach durch etliche Verglasungen und die ganze moderne Einrichtung im Innern, z.B. einem Fahrstuhl, ein wenig entstellt. Leider hatten wir nicht viel Zeit, aber natuerlich auch hier wieder ein Foto:Danach ging es noch in ein riesiges Aquarium, fand ich persoenlich eher weniger interessant, und anschliessend traten wir den schweren Weg zur Rueckreise an.

Auf dem Rueckflug wurde mir dann erst so richtig bewusst, dass ja schon Herbst ist! Aus dem Flugzeug habe ich dann noch dieses tolle Foto eines Waldes in der Naehe von Sapporo geschossen, hat irgendwie etwas von einem Schokoladen-Muesli, finde ich. In gut zwei Wochen geht es nach Okinawa und dann ist das Thema Reisen leider, leider, leider (ich kann es garnicht oft genug sagen) erledigt! Ich wuerde echt gerne nochmal nach Kyoto fahren oder andere Staedte wie Nagasaki oder Hiroshima sehen. Aber was kann ich mich beschweren, ich habe schon mehr Staedte gesehen, als so mancher Japaner und habe natuerlich noch in Zukunft Zeit, Japan zu bereisen! Bis zum naechsten Eintrag,
Dein Jonathan

Montag, 12. Oktober 2009

Zeichentrick goes reality

Knapp eine Woche ist es nunmehr her, da beendete ich erfolgreich den vierten und wahrscheinlich letzten Marathon in diesem Jahr hier. Der Marathon fand diesmal in Sapporo statt, der Hauptstadt Hokkaidos, dementsprechend waren auch sehr viele Leute anwesend. In diesem Jahr haben sich allein fuer den Halbmarathon ueber 6000 Leute angemeldet! Zu dem Marathon gibt es nicht viel zu sagen, er verlief wie jeder andere auch. Was mir weniger an dem Marathon gefallen hat: durch die extreme Menschenmenge konnte ich erst nach 7km meine eigentliche Geschwindigkeit laufen und habe somit natuerlich eine langsamere Laufzeit, als ich sie eigentlich haette. Durchschnittlich wird das wohl mein bester Marathon gewesen sein, wenn eben nicht das Hindernis mit den anderen Laeufern anfangs gewesen waere. Meine Zeit belaeuft sich auf ca. 1:47h, das genaue Ergebnis werde ich in ein paar Wochen per Post bekommen!
Waehrend ich mit Otousan und Okaasan in Sapporo war, gab es fuer mich einen Laden, zu dem wir einfach hin mussten: das Pokemon-Center! Pokemon weckt ja bei mir gleich Erinnerungen an die Kindheit, Grund genug, einfach mal in dem Center vorbeizuschauen. War ehrlich gesagt nicht so toll wie erwartet, denn das Center nimmt zwar ein ganzes Stockwerk ein, besteht aber hauptsaechlich aus Spielautomaten. Ausserdem gibt es einen kleinen Laden, der, wenn man bedenkt, wie viele Jahre es Pokemon schon in Japan gibt und wie beliebt das hier ist, leider auch nur ziemlich wenig verkauft hat. Nachdem wir in diversen Laeden noch ein paar Mitbringsel gekauft hatten, wars das auch schon mit unserem Sapporo-Aufenthalt gewesen.

Genau drei Tage spaeter bin ich aber wieder nach Sapporo, zwecks Debattier-Contest. Am ersten Tag wurde nur die Reihenfolge der Sprecher bestimmt und um ein wenig in Stimmung zu kommen, gab es dann noch ein Quiz. Ich konnte meinem Team kaum helfen, aber wir haben uns trotzdem sehr gut geschlagen, am Ende hatten wir nur eine Frage falsch. Bei der Auswertung sind wir dann doch nicht erster geworden, obwohl die erstplatzierten auch nur eine Frage falsch hatten. Da es trotzdem noch einen Preis gab, wurde an alle Teams eine Bonusfrage gestellt: Welches Team hat in der Fussball-WM 1996 gewonnen? A: Deutschland B: Frankreich. Sofort kam mir das Sportsfreunde Stiller-Lied in den Kopf und da dort 1996 nicht erwaehnt ist, sagte ich meinem Team, sie sollen fuer Frankreich stimmen. Gesagt, getan, die Aufloesung: Deutschland! Ich dachte mir: "Nee, das kann gar nicht sein." Wenig spaeter ist mir dann noch eingefallen, dass es 1996 nicht mal eine WM gab! Soviel also zu dem Quiz.

Am naechsten Tag war ich mit meiner Rede dran, als letzter von 21 Teilnehmern. Meine Rede lief super, es wurde ueberraschend viel gelacht und ich hatte ein echt gutes Gefuehl, zumal mich nach der Rede die meisten der anderen Teilnehmer noch beglueckwuenschten, eben weil sie so gut gelaufen ist. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Otousan und meiner Schwester und fiel abends ziemlich erschoepft, aber gluecklich, ins Bett. Am letzten Tag folgten noch die anderen 22 Beitraege und letztendlich auch die Siegerehrung. Siegessicher hoerte ich mir die Verkuendigung der Gewinner an. Kein Preis fuer mich! Wirklich schade, mir ist aber ziemlich schnell klargeworden, dass ich von vornerein keine Chance hatte. Wie es auch sein muss bei so einem Contest, wurde ich fair nach japanischen Massstaeben bewertet und da meine Aussprache natuerlich bei weitem nicht die eines Japaners ist, habe ich meine Rede praktisch wie ein Japaner mit schlechtem Japanisch gehalten. Trotzdem hat der Contest echt Spass gemacht und ich wuerde auch immer wieder mitmachen. Ich freue mich fuer die Gewinner, denn die waren wirklich, wie sagt man so schoen, erste Sahne, hehe. Waehrend einer Shopping-Tour in Sapporo habe ich dann noch folgendes Foto geschossen:Wenn das nichtmal eine habenswerte Tasche ist!
Was gibt es sonst so? In wenigen Tagen habe ich endlich die Klassenfahrt! Meine hat so ziemlich den Durchschnittspreis und kostet schlappe 1000 Euro! Noch dazu kommt das Taschengeld, denn Staedte wie Tokyo und Kyoto sind nur allzu beruehmt fuer ihre Wucherpreise. Trotzdem hoffe ich, das die Klassenfahrt ein sehr schoenes Erlebnis wird.
Gestern haben Okaasan und Otousan die Tickets fuer Okinawa gekauft, heisst es also nur noch gute zwei Wochen warten und voila, ich bin in Okinawa. Im Oktober kann ich mich, was das Reisen angeht, wirklich nicht beklagen.
Zu guter letzt: in den obihiroischen Bergen ist vor einigen Tagen der erste Schnee gefallen! Wahrscheinlich dauert es nur noch einige Woche und ich darf durch die ersten dicken Schneeschichten waten. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit und Sonne zum Geniessen des Wetters gibt es genug.
Dein Jonathan

Sonntag, 27. September 2009

Hakodate

Diese Woche war von Montag bis Mittwoch die Silver Week, demzufolge hatten die Japaner endlich mal wieder einen Feiertag, bzw. gleich mehrere! Da meine Gasteltern relativ selten frei haben, seltener als der durchschnittliche Japaner (und das will was heissen), haben wir die Tage natuerlich fuer eine kleine Reise genutzt.

Unser Ziel war Hakodate, die suedlichste Grossstadt auf Hokkaido. Da es sich mit Auto nur sehr schwer hinkommen laesst, sind wir gute 5 1/2 Stunden mit dem Zug gefahren. Hakodate ist besonders beruehmt fuer drei Sachen: den Nachtblick, welcher nach Rio de Janeiros- und Hongkongs-Nachtblick wohl der drittschoenste der Welt sein soll (wozu ich spaeter nochmal komme), Hamburger und Tintenfisch. Um den Tintenfisch habe ich natuerlich bei unseren Mahlzeiten einen grossen Bogen gemacht.
Am ersten Tag, klarer Sonnenhimmel bei 25 Grad, entschieden wir uns, am Abend gleich auf den Berg zu gehen, auf dem sich die Aussichtsplattform fuer den Nachtblick von Hakodate befindet. Relativ frueh stellten wir uns an die Bushaltestelle, hatten aber trotzdem schon ca. 100 Leute vor uns. Nach einer 30-minuetigen Busfahrt waren wir bei bereits fortgeschrittener Abenddaemmerung auf dem Berg, mit ca. 1500 anderen Leuten, und konnten uns dem vollen Ausmass der hakodatischen Lichterpracht hingeben! Wer das mit eigenen Augen sieht, zweifelt nicht dadran, dass dies einer der schoensten Nachtblicke der Welt ist! Wolkenfreier Himmel, einfach eine perfekte Sicht gehabt, auch wenn es ein grosses Gedraenge war, denn immerhin wollte jeder ein gutes Foto schiessen. Von meinen gut 20 geschossenen Fotos, habe ich einfach mal probiert, das beste rauszusuchen:
Nach unserem Besuch auf der Plattform, haben wir in der Stadt dann doch noch ein Restaurant gefunden (nach ca. 40 Minuten suchen), was nicht ueberfuellt war, in einem haetten wir drei Stunden warten muessen. Danach fielen wir alle relativ muede ins Bett, gluecklicherweise ich in meinem eigenem Zimmer. Warum gluecklicherweise? Nun, Otousan hat die nette Eigenschaft, sehr laut zu schnarchen, wenn er besonders geschafft war an dem Tag. Das hat mir in den anderen Hotels schon so einige Male den Schlaf geraubt!
Am zweiten Tag fuhren wir per Mietauto in eine nah Hakodate gelegenen Stadt namens Matsumae. Matsumae ist ziemlich klein und sehr alt, beruehmt fuer eine genauso kleine Burg. Da Okaasans Uropa ein echter Samurai war und ihre Familie urspruenglich in Matsumae gewohnt hatte, befinden sich da noch einige Graeber, denen wir einen Besuch abstatteten. Auf dem Friedhof habe ich auch gleich ein Foto geschossen, von dem schoensten Insekt, was ich bisher live sehen konnte - Okaasan jedoch war froh, als die Raupe sich nicht mehr in ihrer Naehe befand.
Danach gingen wir in einen Samurai-Themenpark, der ausser ein paar alten Haeusern nichts aufregendes an sich hatte. Trotzdem hat sich dort einer meiner groessten Wuensche hier fuer meinen Japan-Aufenthalt erfuellt: ich konnte eine echte Samurai-Ruestung anlegen! Fuer nur schlappe sechs Euro konnte ich mir die komplette Ruestung plus (stumpfen) Schwertern anlegen lassen, war ich vielleicht gluecklich! Ich war ja schon immer begeistert von diesen Ruestungen und wollte seit Anfang meines Aufenthalts hier an mich damit kostuemieren. Ein weiterer, grosser Wunsch ist mir also in Erfuellung gegangen und natuerlich gibt es auch davon Bilder:
Um den ganzen Spass genuegend zu feiern, gingen wir in eines der beruehmten Hamburger-Restaurants. Was ich dort essen wollte, war Otousan, Okaasan und mir schon vor unserer Hinreise klar: den Hakodate-Yama! Uebersetzt heisst das soviel wie "Hakodate-Berg". Was passiert also, wenn man das Wort "Hamburger" mit dem Wort "Berg" kreuzt? Richtig! Ein Hamburger-Berg passiert dann! Waehrend "Papa" und "Mama" sich einen Burger im Normalformat goennten, genehmigte ich mir die volle Wucht an Kalorien! Dieser Burger besteht aus drei Burgern: das Erdgeschoss ist ein Rindfleisch-Burger mit Omelette, die erste Etage wird durch einen Schweinefleisch-Burger ergaenzt und die zweite Etage wird durch einen Gefluegel-Buerger perfektioniert! Fur ca. acht Euro (Verhaeltnismaessig relativ billig, oder?) einen 1a Geschmack, mit Garantie fuer ueberhoehte Fettpolsterbildung am Bauch. Ja, ich habe ihn alleine gegessen, Okaasan und Otousan schuettelten nur stumm den Kopf, als ich ihnen etwas angeboten habe. Bei dem Erdgeschoss musste ich auch echt kaempfen, denn intelligenterweise hatte ich vorher noch ein Softeis und ein Eisparfe gegessen. Wenn du denkst, ich komme als runde Kugel zurueck, dann muss ich dich leider enttaeuschen, denn durch taeglichen Sport bleibe ich gut in Form! Du wirst dich wahrscheinlich fragen "Wie hat der Spinner das Teil gegessen?!" - leider musste ich es auf die einzig moegliche Variante machen, naemlich Stueck fuer Stueck. Sogern ich davon 'nen Riesenbissen genommen haette, so gross ist meine "Klappe" dann doch wieder nicht.

Soweit erstmal, um dich wie immer auf dem laufenden zu halten: Zum Abschluss noch ein Bild von Hakodate bei Tag, geschossen von der selben Aussichtsplattform.
Dein Jonathan

Mittwoch, 16. September 2009

Da bin ich wieder

Um ein Woertchen ueber die kurzzeitige Sperrung des Blogs zu verlieren: Vielleicht habe ich manche Sachen etwas zu krass formuliert, Tatsache ist, dass ich Dinge, die ich schreibe, mir nicht einfach aus den Fingern sauge, sondern sie auf Fakten beruhen. Entschuldigung an die, die es nicht betrifft und trotzdem keinen Zugang zum Blog hatten. Doch komme ich nun zu den etwas interessanteren Dingen!

Viel hat sich waehrend der letzten Zeit nicht getan, waere da nicht diese grosse Kleinigkeit vom letzten Samstag. Wie bereits berichtet (glaube ich), war es endlich Zeit fuer den Debattier-Contest, der nicht wirklich etwas mit debattieren, sondern eher etwas mit Vortrag halten zu tun hatte. Ich war, wie vermutlich jeder andere von den insgesamt 13 anwesenden Schuelern auch, sehr aufgeregt, aber fest entschlossen, wenigstens einen kleinen Preis zu gewinnen! Sechs Trophaeen gab es, drei grosse, drei etwas kleinere. Nach einer knappen Stunde Wartezeit wurde mit dem Contest begonnen, meine Startnummer war die Nummer drei.
Der erste, der in meiner Kategorie (ueber das eigene Leben) debattierte, ist im Debattier-Contest der Schule, die auch den Austragungsort des Contests darstellte. Der war schon echt gut, nur leider habe ich nichts verstanden, wie bei allen anderen Vortraegen auch. Nach dem zweiten Teilnehmer war ich dann dran, ging vorschriftsmaessig auf die Buehne, Verbeugung, alles gut soweit. Meinen Vortrag hatte ich mit nur einem klitzlekleinen Versprecher gemeistert, was mich ehrlich gesagt sehr ueberrascht hat. Normalerweise, wenn ich den Vortrag vor anderen Leuten geprobt hatte, gab es immer irgendeine Stelle, an der ich einfach den Faden verloren hatte. Zufrieden setzte ich mich wieder auf meinen Stuhl und durfte mir noch die ganzen anderen Teilnehmer anhoeren, was sicher interessant gewesen waere, haette ich etwas verstanden.
In der anderen Kategorie (selbst ausgewaehltes Thema) glaenzte besonders ein Maedchen aus dem selbigen Debattier-Club durch ihre Vortragsweise. Sie war, soweit ich weiss, auch schon vor dem Contest eine der Favoritinnen. Nachdem die zweite Kategorie beendet war, zog sich die Jury zurueck und kam nach einer etwas verspaeteten Besprechung wieder zurueck, um die Platzierungen zu verkuenden. Vierter Platz!!!!!! Somit gehe ich auch zu dem Halbfinale in Sapporo, wo sich alle weitergekommenen Schueler ganz Hokkaidos versammeln!! Als vierter habe ich eine Trophaee und eine ziemlich grosse Urkunde bekommen, die mein Lehrer erstmal mit in die Schule genommen hat, um sie dort fuer zwei Tage auszustellen. Mit mir sind noch zwei andere meiner Schule weitergekommen, eine davon hat den zweiten Platz bekommen. Der erste Platz ging wie erwartet an die Dame aus dem Debattier-Club, sie hatte ihn aber auch wirklich verdient.
Nach dem Contest wurde ich von einem Journalisten interviewt und siehe da, drei Tage spaeter bin ich auch schon mit einem wirklich ueberraschend grossen Artikel in der meistgelesensten Zeitung Obihiros! Am Tag der Herausgabe des Artikels, habe ich schon die ersten Nachrichten und Glueckwuensche von Freunden auf mein Handy geschickt bekommen. Am Montag wurde ich bereits von zwei Lehrern beglueckwuenscht, die meine Trophaee neben denen der anderen zwei Schuelern gesehen haben. Okaasan und Otousan waren genau so gluecklich wie ich und es macht mich natuerlich noch froehlicher, den beiden eine Freude zu machen, denn wer haette es mehr verdient als die beiden?

Heute werde ich mit meinem LP einen Tag verbringen, auch sie war sehr von dem Zeitungsartikel begeistert. Ab morgen startet endlich wieder Schule und ganz besonders: mein Club! Naechste Woche bin ich fuer drei Tage in einer ziemlich weit entfernten Stadt namens Hakodate mit Okaasan und Otousan, beruehmt fuer ihren Tintenfisch (nicht sehr lecker), aber ich wollte dahin, weil Hakodate fuer seinen Nachtblick auf die Stadt sehr beruehmt ist. Laesst sich nur auf gutes Wetter hoffen!
Was sich als letztes noch zum Contest sagen laesst: das Halbfinale findet vom 7. bis 9. Oktober in Sapporo statt, genau drei Tage nach meinem Aufenthalt in Sapporo fuer den Marathon! Dann kommt eine Woche spaeter noch die Klassenfahrt, der Oktober wird also der Monat des Reisens, was mich natuerlich nur allzu positiv stimmt. Eine kleine Erlaeuterung zu dem Bild: Links die Trophaee, rechts der Zeitungsausschnitt. Die linke Haelfte ist der Teil, der ueber mich geschrieben ist. Vermutlich ist er so gross, weil ich der erste Auslaender bin, der an dem Contest teilgenommen hat. Sowohl Zeitung als auch Trophaee liegen auf der Urkunde!
Schoene Gruesse aus dem gerade sonnigen Obihiro,

Dein Jonathan

Montag, 7. September 2009

Zur Abwechslung mal 'nen Marathon

Wie bereits vorher erwaehnt, hatte ich gestern meinen dritten von wahrscheinlich insgesamt vier Marathons hier. 10km - kein Problem, waere da nicht diese etwas speziellere Route.
Meinen ersten 10km-Lauf hier hatte ich ja, falls du dich erinnerst, in gut 47 Minuten abgeschlossen. Der gestrige Marathon aber sollte sich als bedeutend schwieriger gestalten, denn die Strecke hatte eine Hoehendifferenz von 200 Metern! Klingt erstmal gar nicht so viel, aber wer einmal einen 100 Meter hohen und sehr steilen Berg hochgerannt ist, versteht, was ich meine. Die 10km-Strecke bestand insgesamt aus zwei Bergen, schon nach den ersten zwei Kilometern waren wirklich alle am schnaufen. Die ersten 2,5km ging es nur bergauf, zwei mal musste man sogar Treppen steigen. Du denkst vielleicht, bergab sei ja ziemlich leicht, da kann man einfach losrennen, aber nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der Koerper neigt naemlich beim bergab Laufen sehr schnell dazu, Seitenstechen zu bekommen. Als ich den ersten Berg bewaeltigt hatte, war ich schon recht erschoepft. Nach ein paar hundert Metern betrat ich dann ein offenes Feld, wo sich mir ein grausamer Anblick bot: der zweite Berg. Einen ganzen Kilometer einen supersteilen Berg hochzulaufen ist so unglaublich anstrengend, ich waer beinahe vor Erschoepfung zusammengebrochen. Letztendlich war ich schneller, wenn ich den Berg hochlief als ihn hochzurennen! Oben angekommen habe ich dann meine letzte Kraft mobilisiert und bin weitergerannt, immerhin nur noch 5km. Obwohl es natuerlich hauptsaechlich bergab ging, gab es doch zwischendurch diverse Erhebungen, die mir das Rennen nur schwerer machten. Mein Durchschnittstempo hatte ich trotz der extremen Seitenstechen erhoeht, was hauptsaechlich daran lieg, dass ich bergab gerannt bin, und auf dem letzten Kilometer nochmal jemanden ueberholt. Den letzten Kilometer rannte mir die ganze Zeit jemand hinterher, offensichtlich, weil er mich noch ueberholen wollte. Bei den letzten 100 Metern ueberholt er mich dann auf einmal, aber ich dachte "Nicht mit mir!" und bin losgesprintet. Gluecklicherweise konnte ich verhindern, dass er mir meinen hartverdienten Platz wegnimmt. Ca. vier Meter vorm Ziel habe ich sogar, eher unbewusst, noch jemanden ueberholt! Nach meinem Sprint durchs Ziel kam erstmal die Moderatorin an und wollte sich mit mir unterhalten. Nach ein paar kurzen Saetzen von mir, mehr konnte ich nicht rausbringen, ich war einfach zu erschoepft, entliess sie mich gluecklicherweise und ich konnte mich nach dem haertesten Marathon, den ich bisher gerannt bin, ein wenig ausruhen. Schnell holte ich mir noch meine Urkunde: 52 Minuten 23 Sekunden und somit 12. von 56 Plaetzen der Altersklasse 39 Jahre und weniger!!!! Ein ziemlich guter Schnitt und ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Fuer eine Medaille hats dann aber leider doch nicht gereicht. Meistens gewinnen Leute von ca. 28 Jahren den ersten Platz, habe ich also noch ein wenig Zeit zu trainieren. Das war es mal wieder fuers Erste.
Dein Jonathan

Freitag, 4. September 2009

Keisuke-Jonathan-Tag

Wie du als fleissiger Leser ja weisst, hatte ich von letzter Woche Mittwoch bis einschliesslich Montag dieser Woche frei, Dienstag dann also endlich wieder Schule. Am Mittwoch bin ich wie gewohnt mit Nathalie zur Schule gefahren, als mich auf dem Hinweg mein Homeroom-Lehrer angerufen hat. "Yoni, du musst heute nicht zur Schule kommen. Deine Klasse hat bis zum einschliesslich 8. frei." - Neiiiiiiiiiiinnnnnnnnn!!!!!!!!!!! Eine weitere Woche Ausgangsverbot! Und was noch schlimmer ist: dadurch, dass wir soviel frei haben, werden wahrscheinlich unsere Winterferien gekuerzt! Jedoch habe ich herausgefunden, dass nur meine und noch eine andere Klasse keine Schule haben, bleibt also die Frage, wie nur fuer zwei Klassen die Ferien gekuerzt werden sollen. Nicht nur ich, sondern auch der Rest meiner Klasse ist von den zweiten "Ferien" natuerlich alles andere als begeistert.
Ich habe erstmal direkt Keisuke eine SMS geschrieben, ob ich bei ihm vorbeikommen kann. Wie ich erwartet hatte, ging es nicht, weil er nach Shimizu, seinem eigentlichen Wohnsitz (ca. 30 Minuten per Auto entfernt), zu dem Haus seiner Familie faehrt und dafuer packen musste. Wenn er weder Schule noch Club hat, dann faehrt er immer nach Shimizu, wie auch jedes Wochenende am Samstag, nach dem der Baseballclub zu Ende ist. Ich fragte ihn daraufhin, ob ich nicht nach Shimizu kommen koennte, was wir sowieso schon fuer die Winterferien geplant haben, in denen ich bei ihm uebernachten werde. Ueberraschenderweise bejahte er, jedoch muss das ganze natuerlich "top secret" geschehen, weil wenn meine Schule irgendwie Wind davon bekommt, sind wir beide sehr aufgeschmissen. Mit Einverstaendnis von Okaasan, die nach unzaehligen Fragen, wie "Weisst du auch auf welchem Gleis dein Zug faehrt?" "Und vergiss nicht jemanden zu Fragen, ob der Zug in Shimizu haelt!" auch kein Problem mehr damit hatte, mich dort alleine hinfahren zu lassen, war ich dann auch schon am Donnerstag bei schoenem Wetter in der kleinen Stadt.
In seinem, fuer japanische Verhaeltnisse, ziemlich grossen Haus haben wir uns erstmal Kindheitsfotos von ihm angeguckt - einmalig! Anschliessend wollten wir Tretboot fahren gehen, lustigerweise an dem Ort, an dem ich schon mit Okaasan und Otousan Tretboot fahren war. Leider hatte der Laden noch geschlossen. Nagut, dann halt Park-Golf. Verdammt, jeden Donnerstag wird der Rasen gemaeht. Shimizu bietet nicht wirklich eine breite Palette an Vergnuegungsmoeglichkeiten, also hat er mich ein bisschen in der Stadt rumgefuehrt. Danach haben wir bei ihm zu Hause Mittag gegessen und dann lernte ich auch seinen Vater kennen, was sich etwas schwieriger gestaltete, weil es keinen Zeitpunkt gab, an dem ich mich haette ihm vorstellen koennen. Der Vater ist nach dem Mittagessen auch schon wieder zur Arbeit, leider nur eine kurze Begegnung. Dann entschied Keisuke, etwas zu machen, was ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht habe: Angeln. Mit dem Fahrrad sind wir dann zu einem gut 10 Minuten entfernten Fluss gefahren und haben geangelt, aber leider nichts gefangen - meiner Meinung nach, weil nichtmal Fische da waren. Kaum waren wir zurueck, war auch schon meine Aufenthaltszeit vorueber, weil Okaasan nicht wollte, dass ich eine Bahn spaeter nehme, dann wuerde ich naemlich um 19.30 Uhr ankommen und das waere ja echt spaet.
Ungluecklicherweise musste ich genau die Bahn nehmen, in der auch die ganzen Leue von meiner Schule zugestiegen sind, unter anderem auch Leute aus meinem Jahrgang!! Sehr, sehr gefaehrlich. Einer aus dem hoeheren Jahrgang fragte mich, ob ich heute nicht mit Fahrrad zur Schule gekommen bin (ich habe nichtmal meine Schuluniform getragen?!). "Nein, heute mal nicht mit Fahrrad." - hust, aehem, ja. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht irgendein Lehrer zu hoeren bekommt, dass ich trotz der Ausgangssperre draussen war, wenn doch, muss ich mir schon eine Ausrede zurecht legen.
Trotz dieses unangenehmen Vorfalls in der Bahn hatte ich endlich einen Tag, an dem ich mit Keisuke ein wenig Zeit verbringen konnte, gibts nicht allzu viele von! Heute male ich ein Maskottchen fuer einen Contest, an dem nur wenige Leute teilnehmen, aber es gibt immerhin 240 Euro zu gewinnen. Mein Maskottchen: ein Eichhoernchen! Da ich ja in Deutschland fast jeden Tag eines gesehen habe, sollte das im Bereich des Moeglichen liegen. Meine Schwestern schreiben keine Blogeintraege, demzufolge vertreibe ich mir noch die Zeit mit dem Buch "Das Chagrinleder" von Honore de Balzac. Nun dann, ich werde mal wieder meine Rede fuer den Debattiercontest lernen! Au revoir,
Dein Jonathan

Freitag, 28. August 2009

Eindruecke, auch mal fuer dich

Durch die frisch entdeckte Foto- und Videofunktion habe ich einfach mal einige wenige Bilder und Videos hochgeladen.
Ein paar Infos: die drei japanischen Maedchen sind von links nach rechts: Marina, Remi, Narie. Remi und Narie sind meine besten Freundinnen hier. Der Kerl in dem Karton ist Fujisaki. Der supertolle Junge, der auf dem Bild das Victory-Zeichen macht, ist Keisuke!! Das Bild, auf dem ich vergraben bin, wurde waehrend des AFS-Camps geschossen. Ich wurde von anderen Austauschschuelern unter einer Masse Holzkugel begraben. Das letzte Bild ist Teil des Feuerwerks, leider habe ich das Foto etwas zu spaet geschossen, denn urspruenglich war die Explosion gruen und wie man noch gut erkennen kann, stellt sie einen Weihnachtsbaum dar.
Das erste Video ist der zweite Teil der Schulhymne. Normalerweise wird das ganze noch mit Instrumenten unterlegt, da dies aber nach der Bekanntgabe des Gewinners des Schulfestes aufgenommen wurde, ist das ganze einfach mal a cappella gesungen. Das zweite Video ist ein Teil eines der Eroeffnungslieder, die der Chor zum Beginn des Schulfestes gesungen hat. Meiner Meinung nach, ist die Chorversion besser als die Originalversion! Das letzte Video ist vom Orchester-Konzert meiner Schule. Es ist relativ lang, aber es reicht, wenn du nur zuhoerst und du kannst derweil irgendwas anderes machen, es sei denn, du begeisterst dich mit dem Anstarren von einem Orchester. Enjoy!







































Dein Jonathan

Donnerstag, 27. August 2009

Es lebe die Influenza... Ach nee, doch nicht.

Der Titel enthaelt auch gleich den Grund, warum ich dazu komme, an einem Donnerstag, an dem ich eigentlich normal bis 15.40 Uhr Schule und von 16-19 Uhr Volleyball haette, waere da nicht das boese Influenza-Virus. Schon vorgestern hatten bereits die ersten drei Klassen frei bekommen, weil durch die Grippe schon sehr viele Leute fehlten und die Ansteckungsgefahr sehr hoch ist. Gestern war es dann auch endlich fuer meine Klasse soweit, natuerlich habe ich mich erst riesig gefreut, immerhin erst am Dienstag wieder Schule. Erste schlechte Nachricht: Keisuke hat die Grippe, sprich, ich kann ihn nicht besuchen. Zweite schlechte Nachricht: bis Dienstag haben alle Schueler des ersten und zweiten Jahrgangs meiner Schule (die des dritten Jahrgangs muessen trotzdem noch zur Schule) Hausarrest! Ist das zu fassen? Ich bin kerngesund, darf aber bis Dienstag nicht das Haus verlassen! Das hindert mich natuerlich nicht dadran, mir einen Pullover ueberzuziehen, meine blonden Haare zu tarnen und zu meinem lebenswichtigen Suessigkeiten-Laden zu gehen.

Womit verbringe ich nun meine Zeit? Zum einen fehlt es mir Dank meiner externen Festplatte nie an Musik. Ausserdem bastele ich nebenbei an meinem Blog rum, auch wenn das vielleicht etwas zu spaet geschehen ist. Das Kanji-Lernen wird natuerlich nicht vernachlaessigt und noch dazu probiere ich meine Rede fuer den Debattier-Kontest auswendig zu lernen. Gut zwei Wochen habe ich noch dafuer Zeit, aber es ist einfach verdammt schwer, eine ganze Rede auswendig auf Japanisch zu halten! Meinen Hausarrest... nun jaaaaaa, den werde ich vielleicht nicht ganz so beachten. Heute werde ich mich wahrscheinlich mit Dan und Nathalie treffen und am Montag, sobald es Keisuke besser geht, werde ich wahrscheinlich zu seinem Haus fahren. Ausserdem habe ich mir erlaubt fuer einige vorige Blogeintraege Fotos hinzuzufuegen, also einfach mal reinschauen, denn es ist unter anderem auch eines vom Joso-Contest dabei! Zu guter letzt werde ich mit diversen Programmen, die ich mitgeschleppt habe, ein paar Fotos bearbeiten, von denen du auch sicher welche zu sehen bekommen wirst! Zum Schluss noch ein paar Fotos des zweitbesten Feuerwerks ganz Japans:










Dein Jonathan