Freitag, 29. Mai 2009

Volleyballmania

Seit gestern findet die dreitaegige 高体連 (Kotairen) statt und da diese immer frueher endet als meine normale Schulzeit, habe ich auch Zeit einen weiteren Eintrag zu schreiben.

Bei der 高体連 treffen sich alle Clubs der jeweiligen Schulen Obihiros und haben ein Turnier. Alle Klubs der Sanjo haben ihre Turniere im nahegelegenen Wald, ausser der Volleyballclub, welcher seinen Austragungsort in Ikeda, ca. 35km entfernt, hat. Anlaesslich der 高体連 habe ich von meinem Volleyballtrainer zwei offizielle Volleyballshirts meiner Schule geschenkt bekommen. Sie sind von sehr guter Qualitaet und haben noch dazu den Schulnamen auf der Rueckseite aufgedruckt. Ich habe mich natuerlich sehr ueber dieses Geschenk gefreut und gleich zwei mal bei ihm bedankt. Ausserdem habe ich fuer die 高体連 noch den Trainingsanzug eines Ex-Mitgliedes geliehen bekommen, damit das ganze Volleyballteam einheitlich erscheinen kann.
Am ersten Spieltag hatten wir unser erstes Spiel gleich gegen die Hakuyo, die Schule, gegen die frueher diese grosse Rivalitaet geherrscht hat. Mit relativ grossem Abstand konnte die Sanjo das Spiel fuer sich entscheiden und hatte nach einer einstuendigen Mittagspause das naechste und fuer diesen Tag letzte Spiel, gegen die Kogyo-Schule. Der erste Satz ging an die Sanjo, der zweite an die Kogyo. Folglich also der dritte und entscheidenen Satz. Mit einem knappen 25:21 konnte die Kogyo das Spiel fuer sich entscheiden, was bei drei Spielern der Sanjo zu Traenen fuehrte (warum auch immer). Am zweiten Spieltag, heute, mussten wir einmal gegen die Noryo- und die Shirakaba-Schule, welche Meister von Hokkaido ist, spielen. Das Spiel gegen die Noryo wurde mit grossem Abstand gewonnen, gegen die Shirakaba-Schule war es natuerlich schwerer. Den ersten Satz haben wir mit 25:15 verloren, was ehrlich gesagt noch ein relativ gutes Ergebnis ist, wenn man bedenkt, dass die Shirakaba-Schule schon diverse mal an den japanischen Meisterschaften teilgenommen hat. Beim zweiten Satz tat sich die Sanjo dann schwerer, sowohl Angriffe und Aufgaben haben nicht geklappt, daher nur schwach 25:10 verloren. Diesmal kein Traenenvergiessen, weil jeder wusste, dass die Shirakaba gewinnen wuerde. Wie erwartet haben sie auch alle anderen Mannschaften bisher haushoch besiegt. Morgen ist der letzte Spieltag und wir haben nur ein Spiel, gegen die Memuro-Schule, gegen die wir bei Trainingsspielen immer ca. 25:03 gewonnen haben.
Ich meinerseits bin Anfeuerer, da ich keine japanischen Sprueche kann, bediene ich meine Mannschaft mit deutschen, wofuer ich von manchen Zuschauern komische Blicke ernte (sehr amuesant).
Was mir hier besonders auffaellt ist, dass sich alle Mannschaften Obihiros untereinander gut verstehen, was ganz einfach daran liegt, dass viele Spieler auf die selbe Schule mit den Spielern anderer Mannschaften gegangen sind, wahrscheinlich sogar im selben Klub waren. Heute kam einer von der Hakuyo-Schule und hat der ganzen Sanjo-Mannschaft Kekse geschenkt. Wenn das mal in Deutschland so waere!

Was kann ich sonst noch so zum Training sagen? Ich habe festgestellt, dass mich meine Mitspieler waehrend des Trainings nicht moegen (mutmasslich weil ich im Vergleich zu ihnen relativ schlecht bin), aber vor und nach dem Training wieder alles Banane ist. Ist sehr eigenartig, aber ich denke mal, wenn ich mich merkbar verbessert haben sollte, duerfte das auch waehrend der Trainingszeit hinhauen. Im Puncto verbessern gibt es aber schon die ersten Fortschritte. Der Trainer hat mir gesagt was ich beim Pritschen falsch mache und voila, schon klappts super. Beim SCE wurde mir das 1 1/2 Jahre nicht gesagt. Mit den Angriffen klappts ab und zu, man koennte sagen, ich habe meine Tage (haha), an denen es klappt und auch welche, an denen es nicht klappt. Zweiteres trifft aber im Moment ehrlich gesagt noch oefter zu.

Also mal ein Eintrag fuer die Sportbegeisterten unter uns, Tschuess, Adios und Sayonara.

Dein Jonathan

Montag, 25. Mai 2009

Handy

Nun ist es also doch mal wieder soweit: ein Blogeintrag! Nach doch verhaeltnismaessig langer Abwesenheit, auf Grunde massiven Zeitmangels, komme ich endich wieder dazu, zu schreiben. Ich will dich nicht anluegen und muss daher gleich mit einer schlechten Nachricht beginnen. Mein einziger Tag, an dem ich den Blog schreiben kann, ist ja bekanntlich Montag. Doch auch da wird es jetzt knapp, da ich mich natuerlich mehr und mehr in die japanische Kultur integriere und z.B. Keisuke auch Montags keinen Bukatsu hat. Demnach verbringe ich Montags ab und zu Zeit mit Keisuke, was bedeutet, dass ich meine Blogeintraege auf Tage, an denen ich frueh Schluss habe, minimieren werden. Ein grosses "Sorry!" an alle Blogfans, aber irgendwann musste dieser Zeitpunkt ja kommen. Ich werde nebenbei natuerlich noch fleissig E-Mails schreiben, natuerlich nur, wenn Mutter Zeit mir das erlaubt. Sorry, Sorry! Doch nun zum Blog.

Eigentlich gibt es nicht sonderlich viel neues zu berichten. Wie oben bereits erwaehnt, integriere ich mich stetig und werde auch dementsprechend von meinen Mitschuelern behandelt (im positiven Sinne). Am Samstag habe ich mir das nette Geraet gekauft, was heute in der Schule in meiner Klasse fuer Gespraechsstoff gesorgt hat: ein Handy! Sofort wollte jeder meine Adresse haben, aber ich hab sie eigentlich nur denen gegeben, von denen ich denke, bei denen ist sie gut aufgehoben. Am Wochenende habe ich schon die ersten Mails mit Freunden ausgetauscht und in den zwei Tagen insgesamt 121 Mails bekommen und 143 geschrieben. Zum Glueck ist das alles im Preis drin, welcher sich auf gut 15 Euro monatlich belaueft. Mit dem Handy bin ich wirklich vollzeitbeschaeftigt, denn sobald die Bukatsus zu Ende sind, bekomme ich fast jede Minute eine Mail. Okaasan und Otousan finden es auch sehr amuesant, weil mein Handy dementsprechend oft vibriert. Das Handy hat natuerlich auch seine Vorteile, einerseits kann ich viele Kanji benutzen und viele neue kennenlernen (Meine Freunde sparen nicht mit den Kanji, ich armer Austauschschueler!), andererseits kann ich nun auch ausserhalb der Schule Treffpunkte mit Freunden ausmachen, wonach ich mich wirklich gesehnt habe. Ab und zu schreibe ich auch mit Klassenkameraden, auch wenn wir in einem Raum sind, denn wie heisst es so schoen: zwei Meter Luftlinie sind kein Grund auf SMS (eigentlich MSN) zu verzichten!

Wieder ein Stueck Kultur mehr gegessen. Diesmal handelte es sich aber nicht um japanische, sondern um chinesische! Pitang, das sind Eier von der Ente, welche mehrere Monate gegoren sind. Wahrscheinlich wirst du gerade dein Gesicht verziehen und denken: "Boah wie eklig!", aber wer nunmal ins Ausland geht, sollte alles mal probieren. Das Eiweiss ist dann braun und sieht etwas glasig aus, hat aber noch die selbe Konsistenz, wie das normale Eiweiss. Die Konsistenz vom Eigelb veraendert sich auch nicht, die Farbe veraendert sich von gelb zu einem hellen braun. Da ich das Zeug schon immer mal probieren wollte, es aber unglaublich teuer ist, war ich natuerlich sehr gespannt. Geschmacklich war es ehrlich gesagt nicht so der Bringer, es war zwar ertraeglich, aber oft essen wuerde ich es nicht. Trotzdem bin ich froh, ein weiteres Ziel erreicht zu haben!

Ansonsten geht es mir sehr gut. Seit letzter Woche fahre ich jeden Morgen mit Nathalie zur Schule. Wir unterhalten uns zwar noch auf Deutsch, aber wenn ich Japanisch reden will, ist das natuerlich kein Problem. Sie kanns ja schliesslich perfekt.
Ausserdem hatte ich meinen ersten Friseurbesuch in Japan! Okaasan und Otousan haben da so ihren Stammladen, welcher natuerlich sauteuer ist. Normalerweise kostet es ab 20 Euro aufwaerts, und ich lass mir eigentlich nur die Haare kuerzen. Nach doppelter Haarwaesche und professionellem schneiden, nebenbei noch diverse Ueberhaeufungen mit Lob, weil mein Japanisch doch so gut ist, das uebliche halt, trat ich den schmerzhaften Weg zur Kasse an. Doch siehe da, was hat man doch nicht alles fuer Vorteile, wenn man blond ist und Japanisch kann. Statt 20 Euro musste ich nur 12 bezahlen und meine Haare waren fuer den Moment wahrscheinlich die weichesten der Welt. Ich denke, ich werde dorft noch oefter hingehen.

Das wars soweit erstmal aus Japan. Du siehst also, mir geht es hier immernoch gut und ich geniese alles in vollen Zuegen. Des weiteren probieren ich natuerlich aus allem "maximale Erfolge" zu erzielen!

Dein Jonathan

Montag, 11. Mai 2009

Sakura, Sakura

Letzte Woche war es dann auch endlich in Obihiro so weit: die japanische Kirschbluete, Sakura, hat sich in voller Pracht gezeigt. Was ich bis dahin nicht wusste: die Blueten sind nur fuer eine knappe Woche da, danach sehen die Sakura-Baeume nur noch wie normale Baeume aus. Trotz dieser kurzen Periode findet sich in Japan alle zwei Meter eine Sakura, die man gut an der teilweise geringelten Rinde erkennen kann. Ich habe natuerlich auch viele Fotos geschossen. Gestern sind wir dann zu dritt zu Hanami gegangen, was uebersetzt soviel wie Bluetenschau bedeutet. Die Blueten waren zwar schon fast alle wieder weg, aber das hat der Stimmung auch keinen Abbruch getan. Fuer schlappe umgerechnete 16 Euro pro Person haben Okaasan, Otousan und ich zwei Getraenke und viel Lammfleisch fuer Genghis-Khan bekommen. Zusammen mit Arbeitskollegen von Otousan war das Ganze dann also eine grosse Grillparty (anwesend waren geschaetzt 2000 Leute). Im Endeffekt haben Otousans Mitarbeiter gegrillt und ich natuerlich gegessen. So wie es sein muss.
Im Anschluss hatte ich wieder ein AFS-Meeting. Jeder Austauschschueler sollte entweder auf Englisch oder Japanisch ueber sein Schulleben und sein Leben bei der Gastfamilie erzaehlen. Nathalie und ich haben den Spass auf Japanisch gemacht (ich war ehrlich gesagt sehr uebrrascht, wie gut ich das hinbekommen habe, habe auch anschliessend dementsprechend viel Lob geerntet). Mein einziges Problem im Moment ist, dass ich kein Handy habe, was ich auch so geschildert habe. Das habe ich natuerlich fieserweise geplant und vorausschauend gemacht, weil Okaasan die hiesige AFS-Vorsitzende kurz darauf gefragt hat, ob ich ein Handy haben darf. Normalerweise darf man bis Juli keins haben, weil man sich an das japanische Leben gewoehnen soll. Das trifft eigentlich nur auf die zu, die kein Japanisch koennen, aber da mein Japanisch fuer die ersten Monate schon auf einem ziemlich hohem Level ist, geht das in Ordnung. Ausserdem haben sich sowohl Dan, als auch Nathalie und Sean einfach ein Handy gekauft. Dan war da wohl etwas unvorsichtig, denn er hat jetzt eine Handyrechnung von ueber 25.000 Yen (ca. 200 Euro), wird das aber fuer sich behalten und bezahlen, weil es sonst nur unnoetig Stress geben wuerde.
Nach der Orientation hatten wir dann wieder ein bisschen Zeit fuer uns und entschliessen uns dann endlich mal ins Karaoke zu gehen. Wir gingen in einen gut besuchten Laden, fuer Schueler 4 Euro, inklusive unbegrenzter Zeit, unbegrenztem Softeis und unbegrenztem Getraenken! In unserem Karaokezimmer erlebte ich schnell die erste Ueberraschung: waehrend Dan schon das erste Lied sang, schmoeckerte ich in der Liedauswahl und fand doch tatsaechlich System of a Down! Und als ob das nicht genug waere, sogar mein Lieblingslied!! Ohne zu zoegern habe ich es ausgewaehlt und musste wieder einmal feststellen, wie schwer System doch zu singen ist. Meine folgenden Lieder waren von Slipknot, Megadeth und den Cranberries. Die Zeit verging sehr schnell und ich musste nach gut 2 1/2 Stunden wieder nach Hause, wir hatten aber einen Riesenspass und es steht ausser Frage, dass wir dort nochmal hingehen werden.

Des weiteren war gestern Muttertag. Otousan hat mir indirekt vorgeschlagen, Okaasan doch etwas zu schenken. Wir gingen zusammen einkaufen und kauften Schokolade von meinem Lieblingsladen und eine Karte. Otousan und ich einigten uns darauf, dass er Schokolade und Karte bezahlt und ich die Blumen kaufe. Wahrend Otousan und Okaasan joggen waren, bin ich Blumen kaufen gegangen, welche hier nochmal doppelt so teuer als in Deutschland sind. Das Geld was ich investiert habe, war es aber wirklich wert, denn Okaasan hat sich sehr gefreut.

Das war zur Abwechslung mal wieder ein etwas kuerzerer Eintrag, ehrlich gesagt, weil ich zu faul war, auf meinen Notizzettel aufzuschreiben, was ich immer gemacht/erlebt habe. Vielleicht wirds ja beim naechsten Mal wieder mehr!

Dein Jonathan

Montag, 4. Mai 2009

Golden Week

Am Sonntag hat die Golden Week begonnen, welche genauer genommen vier aufeinanderfolgende Feiertage sind, in denen sich auch mal Japaner frei nehmen koennen, weil ein Erwachsener sonst praktisch keine Ferien hat. Otousan und Okaasan sind bis Dienstag in Taiwan und seit Freitag wohne ich bei Freunden von Otousan, Familie Umezawa.

Die Umezawas haben drei Kinder, die aber alle schon Erwachsen sind und studieren. Das Haus ist nur 400 Meter von dem meiner Gasteltern entfernt, von daher kann ich auch mal schnell nach Hause gehen und Sachen holen, falls etwas fehlen sollte. Frau Umezawa hat ein eigenes Genghis Khan Restaurant (uebrigens doch ein japanisches Gericht) und Herr Umezawa arbeitet mit Otousan zusammen. Am Freitag kam mich Hr. Umezawa abends abholen und wir sind zusammen zu seinem Haus gegangen. Dort begruesste mich auch schon Hana, ein 11-jaehriger Golden Retriever, der aber noch topfit aussieht. Nach dem Abendbrot, welches hauptsaechlich aus Fleisch bestand, wie jede Mahlzeit hier, war ich dann auch echt geschafft, weil das der Tag des Sportfestes war und bin dann relativ frueh schlafen gegangen. Zumindest habe ich probiert zu schlafen. Mein Bett war noch akzeptabel, aber das Kissen ist so hart, dass ein Stein vermutlich zersplittern wuerde, wenn ich ihn dagegen werfen wuerde. Ich hatte keine ruhige Nacht, weil dieses Kissen einfach unertraeglich ist. Da ich sowieso immer nur in Schlafanzughose schlafe, nahm ich das Schlafanzug-Shirt als provisorisches Kissen.
Nach einer anstrengenden Nacht gab es zum Fruehstueck erstmal Reis, Fleisch und Suppe in Massen. Schon nach der Haelfte war ich satt, hab mir aber aus Hoeflichkeit noch den Rest reingestopft. Danach ueberlegten wir, was wir heute machen koennten. Was koennte es schoeneres geben, als ein Museum ueber Archaeologie? Also fuhren wir eine gute Stunde um uns ein Museum anzuschauen, dass einen mittelgrossen Raum voller Knochen besass, um dann anschliessend wieder nach Hause zu fahren. Auf dem Rueckweg waren wir auf einer offensichtlich beliebten Farm Softeis essen. Softeis gibt es eigentlich immer nur in der Milchgeschmacksvariante, schmeckt aber wirklich unglaublich gut. Unser Mittagessen nahmen wir in einem italienischen Restaurant zu uns, auch hier wie im franzoesischen Restaurant: kleines Essen, grosser Preis. Vom Restaurant aus sah ich ein Riesenrad, anscheinend wollte Hr. Umezawa mit mir da sowieso hin. Es war ein kleines Riesenrad und stand merkwuerdigerweise mitten in der Pampa, der Preis fuer eine Fahrt war auch hier unerwartet hoch. Nach unserer Riesenradfahrt gingen wir dann in einer Weinfabrik Softeis essen, jedoch schmeckte das von der Farm ein bisschen besser.
Das Abendessen gestaltete sich von der Zusammenstellung gleich, wieder war ich schon nach der Haelfte geschafft und hab mir trotzdem noch den Rest reingestopft. Meine Nacht war ein bisschen ruhiger, das Kissen hat mir trotzdem ab und zu den Schlaf geraubt. Wieder warmes Fruehstueck. Ich stellte fest, dass ich es hier nicht laenger als ein paar Tage aushalten wuerde. Wir gingen zum Minigolf, was trotz der Hitze sehr Spass gemacht hat. Anschliessend fuhren wir zu einer Farm, assen erst Apfelkuchen und dann zur Abwechslung mal Softeis. Nachdem wir eine halbe Stunde Auto gefahren sind, gab es dann als Dessert zu unseren suessen Vorspeisen wieder einmal Softeis! Ich war pappesatt und als wir dann noch Mittagessen gehen wollten, ist mir fast alles wieder hochgekommen. Ich konnte ihm klarmachen, dass ich absolut satt bin und wirklich nichts mehr essen kann. Dachte ich zumindest. 10 Minuten spaeter sassen wir in einem Resturant und assen fettiges Mittagessen. Ich traute mich, auf meinen Bauch zuschauen und stellte fest, dass ich mindestens zwei Kilo zugenommen haben musste. Nach unserem Restaurantaufenthalt gingen wir Suessigkeiten kaufen und er drehte mir dann auch gleich welche an, welche wahrscheinlich meinen Magen endgueltig schlossen. Gleich als wir wieder bei Umezawas Haus angekommen waren, bin ich erstmal Joggen gegangen. Hr. Umezawa ist mit mir losgejoggt, unsere Wege trennten sich aber nach gut zehn Minuten, weil er weiss, dass ich eigentlich ein anderes Tempo laufe. Zum Abendbrot gab es dann Genghis Khan, ja, Fleisch.
Heute treffe ich mich Nana und zwei japanischen Freunden von ihr und wir werden ins Gamecenter gehen. Ich glaube, heute werde ich mir zum Mittagessen einen kleinen Salat und ein Wasser goennen.

So habe ich bisher die Golden Week verbracht, morgen kommen Otousan und Okaasan wieder, also ist wieder Sport und eine akzeptablere Ernaehrung angesagt. Hr.Umezawa meint es zwar nett, aber das ist wirklich, wirklich zu viel des Guten.

Dein (gemaessteter) Jonathan

Freitag, 1. Mai 2009

Sportfest

Huch, ein Blogeintrag aus dem 23 Grad warmen Obihiro am Freitag? Tja, das liegt daran, dass heute Sportfest war und ich schon um 12 Uhr gehen konnte. Dem Sportfest werde ich mich nach diversen kleinen Informationen widmen.

Fast eine Woche ist es nun schon her, da hatte der Volleyballklub die Fruehlings-Liga. Die Spiele fanden in der Shirakaba Oberschule, einer Sportschule, statt. Schnell bemerkte ich, dass das wohl eine Sportschule der etwas anderen Art ist. Mir wurde gesagt, dass die Schule schon Schueler zu den Olympischen Spielen geschickt hat und ich bemerkte auch, dass es fuer jede Sportart, sogar Martial Arts, eine eigene Halle oder einen eigenen Raum gibt. Das schuleigene Fitnesscenter befindet sich auch gleich nahe dem Eingang. Die Spiele haben puenktlich begonnen und unerwarteterweise schnitt meine Schule relativ schlecht ab und gewann nur eines von drei Spielen. Ab und zu schaute ich der Shirakaba Schule zu und mir blieb im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg. Ich habe probiert ein Video zu machen, aber die spielen einfach so schnell, dass die Kamera den Ball nicht filmen kann. Das diese Mannschaft Hokkaido-Meister ist, hat mich dann auch nicht mehr gewundert. Es war ein interessanter Tag und es macht wirklich immer wieder Spass, beim Volleyball auch einfach mal Zuschauer zu sein.

Als Dessert gab es am Dienstag Abend ein Erdbeben, diesmal nicht so kurz wie beim letzten Mal, sondern ca. eine Minute lang, was doch recht eindrucksvoll war. Obihiro hatte nur Staerke 3, aber es gab auch Staedte in denen das Erdbeben die Staerke 4 hatte, was schon zu runterfallenden Gegenstaenden fuehren kann.

Vorgestern war ein Feiertag und Otousan und Okaasan mussten nicht zur Arbeit. Diese Zeit nutzten wir natuerlich fuer einen kleinen Ausflug. Unser Ziel war "Bear Mountain" und tatasaechlich handelt es sich um einen Park an einem Berg, in dem es von Braunbaeren wimmelt. Als Besucher wandert man ueber ein Brueckensystem und kann sich die Grizzlys von oben anschauen. Ich habe ziemlich schnell einen entdeckt, er lag faul auf dem Weg, den die Parkarbeiter nutzen, rum. Von einer Aussichtsplattform schoss ich noch weitere Fotos, praktisch hautnah an den niedlichen Grizzlys dran. Da der Park unerwartete klein war, war unsere Grizzly-Tour schon nach einer guten Stunde beendet und wir machten uns auf den Weg zu unserem naechsten Ziel. Wir hielten in einem kleinen Park mit einen kleinen See. Dort angekommen schnappten wir uns ein Boot, genauer genommen ein Tretboot, und schifften davon. Waehrend Okaasan und ich gestrampelt haben, hat sich Otousan ausgeruht. Ab und zu haben wir uns aber einfach treiben lassen und die Sonne genossen. Als kroenenden Abschluss des Tages sind wir Sushi essen gegangen. Ein netter und gut besuchter Laden, wir setzten und aber nicht in einen traditionellen Raum, sondern an den Tresen. Mit dem Sushikoch kamen wir schnell ins Gespraech, er schien mich sehr zu moegen, weshalb der Service, den wir bekommen haben, auch doppelt so gut war. Er hat uns Sushi gegeben, was nichtmal auf der Speisekarte stand, teils sogar sehr teuer ist, aber weil ich es probieren sollte, hat er es mir geschenkt. Ich habe also viel neues Sushi probiert, eins darunter hat mir nicht geschmeckt: Sepia. Es hat original wie eine glibbrige Masse mit steinharten Klumpen drin geschmeckt, die wahrscheinlich zu 90 Prozent aus Salz bestand. Ausserdem gab es noch Kaviar von Garnelen, welcher interessanterweise meine Lieblingsfarbe hat, und rohes Rindfleisch. Das hat wie Butter geschmeckt, war also nicht schlimm, sowohl Okaasan, als auch Otousan, den Sushikoch und seinem schaetzungsweise 40-jahre alten Sohn, welcher auch Sushikoch ist, hat das sehr erstaunt, was wiederum mich erstaunt hat. Kurz bevor wir gingen gab mir der Meister sein Tuch, welches sich viele Sushikoeche traditionell um den Kopf binden. Ich habe also das Tuch eines echten und erfahrenen Meisters!

Doch nun der Grund, warum ich heute also einen neuen Eintrag schreiben kann. Heute war Sportfest oder besser gesagt, das jaehrliche Kraftemessen zwischen der Sanjo Oberschule und der Hakuyo Oberschule. Zwischen beiden Schulen bestand frueher eine grosse Rivalitaet, die mittlerweile aber nicht mehr so stark ausgepraegt zu sein scheint. Nach einem kurzen Homeroom versammelten sich alle Schueler beider Schulen auf dem Sportplatz, lauschten der Rede des Direktors meiner Schule und sangen die Hymne der jeweiligen Schule. Stimmung herrschte eindeutig mehr auf Seiten der Sanjo! Danach versammelten sich alle Schueler um die Rennstrecke. Der erste Wettkampf war Tauziehen, die Runden wurden nach Altersklasse eingeteilt. Die meisten Runden gewann die Sanjo, genau wie bei dem naechsten Wettkampf. Den Namen weiss ich nicht, die Spieler werfen irgendwelche zusammengerollten Stoffteile in einen Korb, welcher ca. vier Meter hoch steht. War ehrlich gesgat nicht sonderlich interessant, die Haelfte habe ich eh verpasst, weil ich mich fuer meinen Wettkampf bereit machen musste. Dann war es also soweit, ich zog meine Sportuniform aus (hatte natuerlich noch meine Sportsachen drunter) und band mir mein Sushituch um. Anschliessend ging ich mit Fujisaki und Keisuke zum Eingang der Rennbahn. Der dritte und letzte Wettkampf ist Staffellauf. Ich haette nicht teilnehmen muessen, aber Kagawa-Sensei hat es mir empfohlen. Im Sprint war ich noch nie gut, akzeptierte dann aber. Es traten jeweils drei Teams der Sanjo und drei der Hakujo an, alle sechs Teams rennen gleichzeitig. Der Staffelstab meines Teams, der C-Gruppe, trug die Farbe des Sieges, Rosa. Als wir uns auf der Bahn versammelten begannen Schueler der Sanjo meinen Namen zu rufen und mir zuzurufen und dann hoerte ich auch schon den Startschuss. Als erstes rennt ein Maedchen, dann ein Junge, dann wieder ein Maedchen und so weiter. Ich war der erste der Jungs und nachdem ich realisiert habe, dass ich jetzt auf die Startbahn muss, war das Maedchen meines Teams nur noch gute 50 Meter entfernt. Sie kam als erste an und hatte einen winzigen Vorsprung zur zweiten, welche von der Hakuyo war. Kaum hat sie mir den Stab in die Hand gedrueckt, bin ich natuerlich losgerast und ploetzlich wurden auch Rufe und Schreie lauter. Knapp hinter mir befand sich ein Schueler der Hakuyo und rannte netterweise in meinem Windschatten. Unerwarteterweise habe ich es doch tatsaechlich geschafft, als erstes den Staffelstab weiterzureichen!! Halbtot lag ich auf der Wiese, als schon der Direktor persoenlich ankam um mich zu beglueckwuenschen. Danach verfolgte ich gespannt das Rennen. Der Vorsprung zum Zweiten blieb konstant, doch als das vorletzte Maedchen losgerannt ist, wurden wir ueberholt. Der Junge der Sanjo konnte diesen Rueckstand nur wenig verringern und es lag also wieder an den Maedchen. Das letzte Maedchen meines Teams sitzt in Mathe neben mir und war unerwartet schnell. Sie konnte den Rueckstand deutlich mindern und mein Team war mit dem der Hakujo fast gleichauf. Die letzten beiden Jungs sind gerannt und es war wirklich ein Kopf an Kopf rennen. 50 Meter vom Ziel entfernt ueberholte der Junge meines Teams den der Hakuyo und kam ca. eine Sekunde vor ihm ins Ziel. Mein Team ist erster von sechs! Durchschnittlich gewann die Hakuyo beim Staffellauf oefter, aber solange ich gut abgeschnitten habe und mein bestes gegeben habe, ist das relativ egal. Meine Kehle war trockener als eine Wueste und ich ging zieltrebig Richtung Klassenraum zu meiner Wasserflasche, durfte mir auf dem Hinweg natuerlich noch diverse Schmeicheleien von den Maedchen anhoeren. Meine Pflicht war also getan und ich haette nach Hause fahren koennen, schaute mir dann aber noch das Volleyballspiel zwischen den beiden Schulen an. Bei der Fruehlings-Liga haben wir beide Spiele gegen die Hakuyo verloren, heute haben wir beide gewonnen. Neben dem Volleyballfeld fanden die Badmintonspiele statt. Ich habe noch

nie erfahrene Leute Badminton spielen sehen, umso eindrucksvoller war es fuer mich zuzuschauen. So wie ich Badminton kenne, haette ich nie gedacht, dass dieser Sport anstrengend ist, aber nachdem was ich heute gesehen habe, zweifle ich nicht daran, dass Badminton auf hohem Niveau anstrengender ist als Volleyball auf hohem Niveau. Nach Badminton und Volleyball musste die Halle fuer die Handballer geraeumt werden, da meine Begeisterung fuer Handball eher bescheiden ist, bin ich dann nach Hause gefahren. Auf dem Rueckweg traf ich einen aus dem B-Team vom Staffellauf. Er hat nie aufgehoert zu reden und immer irgendwas vor sich hingequasselt. Irgendwann sagte er, dass er jetzt gerne Cola trinken wuerde, ich erwiderte, dass ich gerne Calpis trinken wuerde. Bei einem der vielen Getraenke-Automaten kaufte er sich dann etwas saftaehnliches und brachte mir ein Calpis mit. Oft kann man hier Calpis in der Dose kaufen (250ml) fuer umgerechnet einen Euro, in jedem Supermarkt gibt es aber eine 1,5l-Flasche fuer umgerechnete 1,50 Euro. Ich bevorzuge dann doch eher die Supermarkt-Variante.

Das war, was ich an neuem zu berichten hatte. Die Golden Week beginnt am Sonntag und deswegen sind Otousan und Okaasan nach Taiwan geflogen. Bis sie am Dienstag wiederkommen, werde ich bei Freunden von Otousan naechtigen. Die Golden Week sind mehrere aufeinander folgende Feiertage, an denen man normalerweise Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Am 5.5. ist hier immer Kindertag, ich bin gespannt, wie dieser in Japan aussieht.

Dein Jonathan

P.S.: Neuer Monat - neue Fotos.