In aller Fruehe machten wir uns von Obihiro aus per Auto auf den Weg Richtung Chitose, wo am naechsten Tage der Marathon stattfinden wurde. Ich genoss die ca. dreistuendige Autofahrt mit der vollen Droehnung Musik und schaute mir nebenbei die doch recht sehenswerte Landschaft Hokkaidos an. Groesstenteils scheint hier alles von Mischwaeldern durchwuchert zu sein, trotzdem sah ich auch viele Taeler mit kleinen Fluessen oder Seen. Nachdem wir durch Sonne, Regen und Nebel gefahren sind, erreichten wir unsere erste Station in Chitose: eine grosse Verkaufshalle fuer Sachen aller Art. Wir hatten nur einen Laden als Ziel, natuerlich den Asics Laden. Die Auswahl war nicht sonderlich gross, dafuer aber alles reduziert. Nach einer guten halben Stunde habe ich mit einer neuen Sporthose, einem Sportshirt und einem Marathonshirt den netten Laden wieder verlassen.
Anschliessend fuhren wir zu unserem Hotel. Wir teilten uns zu dritt ein Zimmer, aber da das eh nur fuer eine Nacht war, war das insofern OK. Kaum hatten wir unser Gepaeck abgestellt, fuhren wir auch schon wieder weiter, diesmal mit der Bahn. 20 Minuten hat es gedauert, bis wir Sapporo erreichten. In Sapporo war unser erstes Ziel die Hokudai, also die oertliche Universitaet, welche als die beste Universitaet Hokkaidos gilt. An diesem Tag fand dort ein internationales Essensfestival statt, was aber ehrlich gesagt nicht sehr interessant war. Nach einer Stunde verliessen wir den Campus und schauten uns noch einige wenige Sehenswuerdigkeiten an, denn unsere Zeit war begrenzt. Anschliessend gingen wir noch chinesisch essen, in einem Restaurant, was einer bekannten von Otousan und Okaasan gehoert. Der kleine Trip in Sapporo war relativ schnell vorbei und ich habe nicht besonders viel von der Stadt an sich gesehen.
In unserem Hotel fielen alle in einen tiefen Schlaf.....bis auf mir. Warum? Ganz einfach, Otousan hat die ganze Nacht ueber geschnarcht! Alles in allem habe ich in der Nacht vielleicht fuenf Stunden geschlafen, was sich aber nicht auf den Marathon ausgewirkt hat.
Das Fruehstueck nahmen wir relativ frueh ein und ich beschloss, ein bisschen weniger zu essen. Nach einer zweistuendigen Wartezeit, in der bis zum Rande gefuellten Anmeldehalle, hiess es endlich, den Start aufzusuchen. Natuerlich standen bereits ca. 2000 Menschen vor mir am Start, aber ich hab mich dreisterweise einfach vorgedraengelt, bis nurnoch 1500 Leute vor mir standen. Dann ertoente auch schon der Startschuss und mein Schicksal war besiegelt. Ich zog das Schwert aus dem Stein und....nein, falscher Film. Genauer genommen rannte ich auch los, ueberholte nochmal ca. 500 Leute und konnte dann irgendwann ein konstantes Tempo annehmen. Hier meine Gedanken waehrend des Marathons:
1km: "Wow, schon ein Kilometer. Wenn das weiter so geht, bin ich echt schnell fertig."
2km: "Was? Jetzt erst der zweite Kilometer? Verdammt!"
3km: "Seitenstechen, nicht gut. Trotzdem weiterrennen, anhalten macht alles nur noch schlimmer."
9km: "Huch was ist nun? Ich fuehle mich, als ob ich fliege. Ich bin auf einmal so schnell!"
10km: "Ach Mist, ich bin einen Berg runtergelaufen, deshalb so schnell."
11km: "Schon ueber die Haelfte geschafft, laeuft ja noch ganz gut."
18km: "Kopf an Beine, Kopf an Beine. Lebt ihr noch? Ich spuere euch nicht mehr. Mein Tempo hat sich drastisch verringert. Und wieder rennt jemand an mir vorbei."
19km: "Moment, ist das vor mir Mann oder Frau? Den Haaren zu urteilen eine Frau, den Beinmuskeln her.... ein klarer Mann. Hat sie da ueberhaupt noch Fett? Das sieht ja regelrecht gruselig aus."
21km: "Juhu, noch 195 Meter!"
Ziel: "Hungeeeeeeeeeer!"
Nun, das ist ziemlich genau, was in meinem Kopf waehrend des Marathons vorg
Sonst sind hier gerade alle Klausuren, was der Grund ist, warum ich keinen Volleyballklub habe, was mich dem (psychischem) Tod sehr nahe bringt. Die Klausuren muss ich natuerlich mitschreiben. Normalerweise schreibe ich nichts und lese ein Buch oder lerne Kanji. Wenn es Ankreuzfragen gibt, kreuze ich natuerlich wie wild an. Den Englischtest duerfte ich vielleicht mit mehr als 90 Prozent bestanden haben. Morgen sind endlich die letzten Klausuren und am Freitag wieder Volleyball!
Dein hungriger Jonathan