Donnerstag, 30. Juli 2009

Sommerferien

Tadaaaa, auch hier haben schon seit letzter Woche Freitag die Sommerferien begonnen. Begeistert bin ich davon aber nicht sonderlich, denn Sommerferien sind fuer die meisten Schueler ein Anlass, nochmehr zu lernen, undzwar in der Schule, teils den ganzen Tag. Ausserdem verwandeln die Sportclubs die urspruengliche Freizeit in Trainingszeit, wen wunderts: der Baseballclub hat jeden Tag den ganzen Tag Training, was bedeutet, dass ich Keisuke in den Sommerferien praktisch nie treffen werde! Der einzige Tag, an dem ich ihn wahrscheinlich sehen werde, ist sein Geburtstag, und selbst da nur relativ kurz. Da meine meisten Freunde aber in Sportclubs sind, muss ich mich also mit den Austauschschuelern abfinden, obwohl mir natuerlich fuer meinen Aufenthalt hier die japanische Gesellschaft lieber waer. Nathalie ist gerade in Tokyo bei ihrer Oma, kommt aber naechste Woche zurueck, was hoffentlich bedeutet, dass Dan, Nathalie und ich uns oefter treffen werden.
Einen Vorteil hat es jedoch mit dem langen Training, denn der Volleyballclub hat natuerlich auch jeden Tag Training, im Durchschnitt aber "nur" 3 1/2 Stunden. Wenn wir nur 2 1/2 Stunden Training haben, bricht fuer mich die Welt zusammen! Wie auch immer, da du nun weisst, wie die meisten Japaner ihre Sommerferien verbringen (Sport + Lernen = Schulleben), interessiert dich vielleicht, wie ich meine Sommerferien hier verbringe. Neben dem bereits erwaehnten Volleyballclub, nutze ich die freie Zeit zum Joggen, um z.B. fuer den Sapporo-Halbmarathon im August und einen anderen Halbmarathon mit einer Hoehendifferenz von 200 Metern zu trainieren. Meine Haare habe ich vor kurzem kurz schneiden lassen, lernen tu ich natuerlich immernoch jeden Tag, der Laptop wird zu einem guten Freund und mein Handy ist in Dauerbenutzung. Bis gerade eben hatte ich noch eine andere Beschaeftigung: den Code meines iPods.
Vor einigen Wochen waehrend des Schulfestivals hoerte ich mal gerade wieder Musik, um dann, geistesanwesend wie ich doch bin, das Schloss fuer den iPod zu aktivieren. Locker flockig gebe ich eine Pin-Nummer ein. Falsch. Ups? Aehhhhhh. Hm. Vielleicht die hier? Auch nicht. Verdammt?! Ah, die isses. Nein? Nein?! Ahhhhhhhh! Ich hatte mich schnell mit meinem Schicksal abgefunden und musste muehsam die Codes von 0000-9999 eingeben (10.000 Varianten), bis ich die richtige Zahl finden wuerde. Gut zwei Wochen hat es gedauert, bis ich den Code herausfand! Pech fuer mich: Nummer 8442. Wenigstens kann ich jetzt wieder den ganzen Tag gute Musik hoeren und muss nicht dauernd per YouTube Videos schauen.
Am Freitag treffe ich mich mit einem sehr guten Freund aus dem hoeheren Jahrgang und werde mit ihm und eventuell noch jemand anderem gemeinsam ins Karaoke gehen. Da er in keinem Club ist, sondern selbststaendiger Radsportler (sehr erfolgreich), hat er etwas mehr Zeit als die meisten, auch wenn er einer der Schueler ist, die den ganzen Tag in der Schule lernen.

Was steht sonst noch so an? Naechste Woche haben alle Austauschschueler von Hokkaido ein Camp in Asahikawa, die Stadt mit dem besten Zoo Japans (den wir nicht sehen werden - wie ironisch). In der Woche darauf ist das Trainingslager vom Volleyballclub, das Problem: ich gehe nicht hin. Ich will unbedingt, aber da zu der Zeit auch ein Feiertag hier in Obihiro ist und meine Gasteltern schon ein besonderes Ticket gekauft haben, darf ich nicht. Ist sehr schade, aber der Feiertag wird sicher auch echt toll, weil dann hier ein riesiges Feuerwerk stattfindet, das zweitbeste von ganz Japan um genau zu sein. Jedes Jahr kommen ueber 200.000 Menschen nach Obihiro, nur um das Feuerwerk zu sehen! Eine ganze Stunde geht das, wuhuuuu! Das wars erstmal soweit von den Sachen die bisher anstehen, glaube ich zumindest. Wie du siehst, gibt es also nichts neues, interessantes zu berichten, was dich natuerlich nicht dazu verleiten soll, den Blog nicht weiterzulesen!

Dein Jonathan

Donnerstag, 16. Juli 2009

Der gluecklichste Mensch - die Zweite

Wie sich herausstellte, war der Tag an dem ich so gluecklich war, gerade mal der Zweitbeste meines bisherigen Japansaufenthalt. Die Spitze des Eisbergs war naemlich das Sportfest und die anschliessende Siegerehrung, denn das Sportfest gehoert auch noch zum Schulfest.

Das Sportfest hatte viele Disziplinen, meine waren Hindernislauf, Seilspringen mit ca. 15 anderen Leuten aus dem Team und 150-Meter-Lauf, klassenintern. Als erstes musste ich beim Hindernislauf antreten. Waehrend die Hindernisse der Maedchen vorwiegend zum Rueberspringen waren, waren die der Jungs bedeutend schwerer! Nach einem kurzen Sprint musste ich durch ein Netz durch, was noch ziemlich einfach war. Danach musste man sich einen an beiden Enden offenen Kartoffelsack, der extrem eng war, an- und ausziehen. Anschliessend der grausamste Teil: einen in Mehl versteckten Bonbon mit dem Mund rausfischen! Ich fuehlte mich, als ob ich ersticken wuerde! Letztendlich habe ich es doch geschafft, war aber mit meiner Leistung nicht sehr zufrieden.
Kurz danach musste ich zum 150-Meter-Sprint antreten. Die Jungs meiner Klasse machten eine gute Figur, inklusive mir, aber die Maedchen waren wirklich extrem langsam, weswegen wir mit weitem Abstand achter und somit letzter Platz wurden! Die Erst- und Drittklaessler des Teams glichen das jedoch wieder mit dem dritten und zweiten Platz aus.
Letztendlich noch fuer mich Seilspringen. Den ersten Wettkampf haben wir locker mit 36 Spruengen zu 24 gewonnen. Den zweiten haben wir dann aber auch schon verloren. Insgesamt waren wir nicht schlecht, aber fuer eine gute Platzierung hat es nicht gereicht. Doch nun zum wichtigsten Teil des Schulfestes: die Auswertung.

Nach dem Sportfest versammelten sich alle Schueler, nach ihren Teams geordnet, in der Turnhalle, das Licht wurde geloescht und die Auswertungs-Powerpoint-Praesentation gestartet. Das E-Team, also meines, raeumte sich von Anfang an relativ gute Chancen ein. Als erstes die Platzierung der Anfeuerer. Vierter Platz, weniger gut. Zuerst habe ich mich erschrocken, weil ich dachte, wir sind insgesamt nur Vierter geworden, aber das hat sich schnell von einem Klassenkameraden klarstellen lassen. Anschliessend die Platzierung der Zeitung, von jedem Team selbstgeschrieben und extrem aufwendig. Auch nur vierter Platz, sieht wohl nicht nach Sieg aus. Dann kam ein Thema, was ich nicht verstanden habe und siehe da: erster Platz! Es hiess Aufatmen beim E-Team! Als naechstes folgte die Dekorationsgruppe, also meine. Auch hier sah es fuer uns gut aus. Zweiter Platz! Der Jubel war riesengross. Uebrigens, wenn ein Team Dritter, Zweiter oder Erster geworden ist, ist es aufgesprungen und hat wirklich einen riesen Jubel gemacht. Ausserdem flossen bei den Maedchen, und manchmal auch bei den Jungen, Freudentraenen! Ich muss gestehen, auch mir sind welche an den Wangen runtergeflossen, auch wenn man sie wahrscheinlich nicht vom Schweiss unterscheiden konnte. Anschliessend hat der Leiter des Bereichs eines Teams eine Urkunde und je nachdem, wenn er Erster geworden ist, einen kleinen Wanderpokal bekommen. Anschliesend der Arch, also das grosse Bild. Unser Loewe, der zum Teil aus dem Bild rauskam, war von Anfang an Favorit, weil er sich wirklich von den anderen Bildern abhob. Wieder erster Platz! Riesenfreude beim E-Team. Meine Stimme begann vor Geschrei und Gebruell bereits zu sterben. Dann das Sportfest. Da man die Punkte schon waehrend des Sportfestes sehen konnte, wusste jeder wie es ausgeht und wir auch: vierter Platz. Halb so wild! Dann einer der Hoehepunkte, der Joso-Contest! Der Wettkampf, bei dem ich mich als Frau verkleidet habe. Nicht Dritter und auch nicht Zweiter, das E-Team stand bereits in den Startloechern um fuer den Sieg aufzuspringen. Tatsaechlich erster Platz! Die Jungs aus meiner Klasse springten mich an und umarmten mich, das E-Team jubelte permanent "Yoni, Yoni, Yoni,...." Leider duerfen nur die Drittklaessler den Pokal entgegennehmen. Der Drittklaessler hat mir anschliessend sowohl Pokal als auch Urkunde ueberreicht, die ich natuerlich nicht mit nach Hause nehmen darf, sondern in das Klassenzimmer der Drittklaessler meines Teams geben musste.

Doch dann die endgueltige Entscheidung. Wer wird das diesjaehrige Schulfest gewinnen? Ist es das B-Team, welches bei fast jeder Platzierung mindestens Dritter geworden ist? Oder vielleicht doch das E-Team, dass sich als sehr starke Mannschaft praesentierte? Dritter Platz: B-Team! Ein wenig Verwunderung, aber grosser Jubel beim B-Team. Zweiter Platz: H-Team! Auch hier grosser Jubel. Doch dann der erste Platz. Beim E-Team stand man bereits auf halbgebeugten Knien, es gab schon die ersten Jubelrufe. Dann die Aufloesung des ersten Platzes. Es wurde still in der Turnhalle, jeder hielt den Atem an, mein Herz pochte wie nie zuvor...

E-TEAM!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Meine Stimme verlor nun endgueltig ihren Klang, mit schweissgebadetem T-Shirt umarmte ich Keisuke, alle des E-Teams schrien den Namen des Team-Leiters. Auf der Buehne hielt er eine kurze Rede und unterdrueckte stark die Traenen. Dann nahm er den grossen Wanderpokal entgegen und gesellte sich zum E-Team und somit auch zum ersten Austauschschueler an der Sanjo, der das Schulfest gewonnen hat. Den Jubel mussten wir dann kurz unterbrechen, weil anschliessend noch ein kurzes Video geguckt und die Schulhymne gesungen wurde. Das Video zeigte kurze, lustige Szenen, unter anderem auch einen bis dato nicht veroeffentlichten Catwalk von mir in meiner sexy Frauenaufmachung. Als diese Szene kam - Jubel von allen Schuelern. Das tollste an dem Video, entgegen allen japanischen Gefuehlsregeln, sass ich mit Keisuke, einer der mir wichtigsten Personen ueberhaupt, Arm um Arm da und genoss mit ihm die lustigen Blamagen der Drittklaessler. Ach wie war ich gluecklich, dass kann ich einfach nicht in Worten ausdruecken!! Doch auch die legendaere Schulhymne liess nicht zu wuenschen uebrig: Ein paar Schueler gingen auf die Buehne, ich in meinem Siegesrausch natuerlich auch. Die Schulhymne wurde waehrend meines Aufenthaltes noch nie so kraftvoll und emotional gesungen wie am Dienstag. Die Stimmung war unbeschreiblich phaenomenal. Nachdem auch die Schulhymne beendet war, gingen alle "Verlierer-Teams" aus der Halle und nur die drei Gewinner-Teams blieben zurueck.
Alle verfuegbaren Jungs, ausser mir, denn ich hielt meinen Pokal fest in der Hand, versammelten sich um unseren Team-Leiter und warfen ihn unter Jubel hoch (und fingen ihn sogar wieder auf). Einige Maedchen rannten auf mich zu und haben mich noch unter ihren Freudentraenen umarmt, jeder beglueckwuenschte mich. Fujisaki hat mich dann dazu aufgefordert, von mir und dem riesigen Siegerpokal ein Foto schiessen zu lassen. Es ist sehr toll geworden, weil ich waehrend es geschossen wurde, einfach das Gefuehl hatte "Sanjo" (mit sehr, sehr langem "o") schreien zu muessen. Gluecklich wie wir alle waren, verliessen wir die Turnhalle, den kleinen Pokal fuer den Joso-Contest fest in meiner Hand. Vor dem Verlassen der Turnhalle wurde aber noch das schoenste Foto und die beste Erinnerung an das Schulfest geschossen. Zusammen mit dem Team-Leiter stand ich Arm um Schulter, er mit dem Siegerpokal und ich mit der Siegerurkunde in den Haenden. Die Stimmung in meiner Klasse war unglaublich, doch nach abschliessendem Homeroom sind schon einige wieder nach Hause gegangen. Ich bin mit Keisuke und Fujisaki zusammen nach Hause gefahren, doch zuvor noch zu dem Klassenzimmer der Drittklaessler gegangen, um sowohl Pokal, als auch Urkunde abzugeben. Sofort als mich einer aus der Klasse im Gang stehen sah: " Yoni! Yoni, komm rein!" Wieder kamen Schueler auf mich zu und beglueckwuenschten mich. Nach kurzer Plauderei verabschiedete ich mich mit einem gebruellten "Auf Wiedersehen!" (auf Japanisch), was von allen Schuelern erwidert wurde, anschliessend klatschten sogar nochmal alle fuer mich!
Gluecklicher als der gluecklichste Mensch der Welt, fuhr ich nach Hause und beendete durch fruehes Schlafengehen den, ich wage es zu sagen - schoensten Tag meines Lebens.
Gestern sah ich die ganze "Beute" des Schulfestes: sieben Urkunden, davon fuenf fuer den ersten und zwei fuer den zweiten Platz, und vier Pokale! Eine unglaublich gute Bilanz. Wenn immer mich ein Drittklaessler aus meinem Team sieht, begruesst er mich sehr ueberschwenglich und ich bin ein sehr gesehener Gast in deren Klassenzimmer! Ich habe sogar die Mailadresse einiger Drittklaessler und schreibe taeglich mit ihnen! Aus meiner Klasse waren mindestens vier Leute, inklusive mir, sehr heiser. Zwei konnten praktisch nicht mehr reden.

Leider habe ich viel zu wenig Fotos von dem Schulfest, weil ich oft selbst in die Beschaeftigungen verwickelt war und somit keine Fotos davon schiessen konnte. Wie sich herausstellte, verkauft auch die Video-AG keine Videos davon, bleibt nur zu hoffen, dass ich irgendwie von anderen Schuelern an die Fotos komme!
Das war der mit am meisten Glueck geschriebene Blogeintrag, den ich je schrieb und schreiben werde! Liebe Gruesse aus dem schoensten Land der Welt,

Dein Jonathan

Montag, 13. Juli 2009

Der gluecklichste Mensch der Welt...

...war gestern ich. Warum? Wir hatten unser Schulfest und dieser Tag hat sich auf ewig in mein Gedaechtnis eingebrannt!

Acht Teams gab es insgesamt, A bis H. Meine Klasse ist mit der 5. Klasse des dritten Jahrgangs und der 3. Klasse des ersten Jahrgangs zum E-Team fusioniert! Schon vor einigen Wochen wurde jedem Schueler seine besondere Aufgabe zugeteilt, ich bin mit u.a. Keisuke und Fujisaki in die Dekorations-Gruppe gegangen. Dort gestalteten wir den Raum fuer unser Team, denn zwischen allen Teams herrscht ein Wettbewerb. Unser Thema war Zirkus, nicht sehr interessant, aber wir haben etwas sehr gutes draus gemacht. Andere Themen waren z.B. Halloween, Green Peace, Happy Wedding, Castle of Phantom, und mehr. Unser Raum hatte drei Attraktion, Dart mit Drehscheibe, 3D-Puzzle und eine Wand mit grossen Loechern, durch die man mit einer selbstgebauten Pistole Kuscheltiere schiessen musste. Alle Teams haben alles in ihren Raeumen selbstgemacht, die Materialien wurden aber mit dem Geld der Schule gekauft. Ausserdem hat jede Klasse ein eigenes T-Shirt entworfen (meine Klasse hat ein lilanes mit einem Clown und den Namen der Schueler der Klasse), welches auch fuer die Schueler kostenlos war und von der Schule bezahlt wurde. Zwei Tage hatte jeder Zeit, sein Projekt, je nachdem fuer welches man sich entscheidete, zu beenden. Sehr beliebt ist der "Arch" (engl. fuer Bogen), ein sehr grosses Bild, dass vom Team je nach Thema gestaltet wird. Unsers zeigt einen supergenialen, wunderschoenen Loewen. Die anderen habe ich noch nicht gesehen, sie werden aber wahrscheinlich am morgigen Sportfest (ja noch eins, aber diesmal nur mit meiner Schule) enthuellt. Das sind wahre Meisterwerke, das sage ich dir! Meine Schule soll immer die schoensten Bilder in Obihiro haben (meine Schule ist anscheinend sowieso ueberall die beste, haha).
Gestern musste alles fertig sein, dann hiess es naemlich: Feiern! Das Schulfest wurde mit drei Liedern vom Chor, der nur fuenf Jungen und ca. 40 Maedchen hat, begonnen. Danach kam das genauso geniale Orchester dazu, was einfach fuer pure Stimmung gesorgt hat. Anschliessend mussten alle Schueler des dritten Jahrgangs, auch wieder nach den Teamn eingeteilt, eine Performance machen. Wahrend alle anderen Teams zu Rock oder irgendwelcher modernen Tanz-Musik getanzt haben, entschied sich mein Team fuer die Musik vom ersten Super-Mario-Teil!! Eine sehr niedliche Performance, hat auch fuer gute Lacher gesorgt. Das alles ist natuerlich sehr wichtig, weil es dafuer Punkte gibt, und wer am Ende die meisten hat, gewinnt den Wanderpokal!
Nach den Performances durften auch Eltern und sonstige die Etage mit den gestalteten Raeumen betreten. Nach dem Gruselkabinett war unser Raum am besten besucht. Bevor ich meine Stunde Schicht hatte, ging ich zur Buehne in der kleinen Turnhalle, wo gerade Bands unserer Schule spielten. Ich bin nur wegen der Band von einem aus meiner Klasse hingegangen, war aber etwas zu frueh da und durfte mir das Gejaule von der Band des hoeheren Jahrgangs anhoeren. Grauenhaft. Jedenfalls kam danach die Band von Takaki, dem Klassenkamerad. Sie waren erstaunlich gut und die Stimmung in den vorderen Reihen kam der eines Metalkonzerts schon sehr nahe. Als ich dann angefangen habe zu Headbangen (mein Hals tut immernoch weh) ist die Stimmung bei den anderen nur noch gestiegen, manche haben es nachgemacht und manche meinten zu mir, dass das voll toll ist. Nachdem die drei Lieder fertig waren, habe ich auch meine Stunde Schicht in dem E-Team-Raum abgeleistet und musste mich anschliessend fuer meinen Hoehepunkt des Schulfests vorbereiten!
Der Hoehepunkt sollte der bereits erwaehnte Contest sein, fuer den sich ein Junge und ein Maedchen jeder Klasse als das andere Geschlecht verkleideten, bzw. vom eigenen Team verkleidet wurden. Ich wurde nicht viel geschminkt, trug aber eine "schoene" Lockenperuecke, ein Kleid und ein sehr duennes T-Shirt. Schon die Leute aus meinen Team haben sich total gefreut, wenn sie mich gesehen haben und es wurden schon einige Fotos geschossen. Nach einer laaaangen Eroeffnungszeremonie hat dann der Contest begonnen, mein Team hatten als letzten den Catwalk. Die Woelfe im Schafspelz mussten vor der ganzen Schule laufen, sich vor die Jury stellen, posieren und sich zu den anderen setzen. Schon in dem Vorbereitungszelt hoerte man die ganze Zeit "Sueeeess" und irgendwelche Ausrufe des Erstaunens. Dann war es soweit. Mein Team war dran. Wir gingen raus und als man mich sehen koennte, war die Menge ausser sich. Von allen Seiten Rufe, jeder wollte einen zugehauchten Kuss von mir haben und wenn ich diesen tat, dann war wirklich alles vorbei. Bei der Jury machte ich meine Pose, ein riesiges Freundengekreische bei den Maedchen, weil meine Pose ja ach so suess war. Nun noch zu den anderen setzen und das wars. Auf einmal hat die Moderatorin aber noch diverse Leute ins Mikro sprechen lassen und da klar war, dass sie mich auch nimmt, ich aber nicht wusste was ichsagen soll, habe ich Marina, die sich als Junge verkleidet hatte, gefragt, was ich denn am besten sagen soll. Die Bedeutung habe ich immer noch nicht verstanden, aber es kam seeeehr gut an. Nachdem der Contest zu Ende war, stuermten sie alle auf mich zu und schossen Fotos ohne Ende. Vor mir ein Meer aus Handys, jeder sagte mir nochmal einzeln, wie niedlich ich doch sei. Seit gestern mag mich wirklich jeder in meiner Schule, selbst die Jungs aus dem dritten Jahrgang kamen alle auf mich zu und meinten, wie toll das doch gewesen sei.
Als vorletztes Stand der traditionelle Tanz auf dem Plan, sehr einfach und Bedarf eigentlich keiner Uebung. Die Jungs wechseln dabei immer die Partnerin und da ich noch in meiner Verkleidung war, waren die Maedchen noch erfreuter als sie es sonst gewesen waeren, als sie mit mir tanzten. Nach einer halben Stunde Rumtanzerei gab es noch einen kurzen Homeroom und das Ende des Schulfestes stand auf dem Programm: ein Feuerwerk.
Das Feuerwerk war nicht sehr lang, aber es war sehr schoen. Keisuke hat mich danach gefragt, ob wir noch zusammen Abendessen essen wollen, da wir das heute aber mit der Klasse gemeinsam machen (heute ist frei, Baseballklub ist natuerlich trotzdem), bin ich dann nach Hause gefahren.

Ich habe wirklich probiert diesen Eintrag kurz zu fassen und habe 'ne Menge weggelassen, aber das Schulfest war einfach so voller Ereignisse! Morgen haben wir das Sportfest, ich bin schwer beschaeftigt, aber dazu am Donnerstag, keine Schule, naeheres. Das Schulfest war zweifellos einer der schoensten Tage meines Lebens!!

Dein Jonathan

Freitag, 10. Juli 2009

Neue Fotos

Neue Fotos aus:

http://www.flickr.com/

Werden noch kommentiert.

Dein Jonathan

Samstag, 4. Juli 2009

Wie man Japan geniesst

Endlich, endlich, nach nun knapp einem Monat darf ich wieder rare Zeit fuer einen Blogeintrag beanspruchen! Ich koennte einen endlosen Eintrag schreiben, aber ich will mich kurz fassen, damit der Eintrag nicht zu einem langweiligen Etwas ausartet. Also komme ich gleich, mit den meiner Meinung nach wichtigsten Ereignissen, zur Sache.

Wie schaffte ich es, in zwei Tagen drei Kilo zuzunehmen? Ganz einfach, man gehe in ein superteures Hotel, in dem beim Essen an alles gedacht ist und noch dazu - gratis. Sahoro-Resort hiess unser Ziel in der letzten Woche. Doch lief vorher nicht alles ganz so glatt, wie es sollte.
Am 20. Juni ist Otousans Vater gestorben, eine Woche vor unserer geplanten Reise nach Sahoro, und nach japanischem Ritus muss man die zerstampften Knochen des Toten, welche ich uebrigens auch mit Staebchen in die, in Ermangelung eines besseren Ausdrucks: "heilige Box" getan habe, 49 Tage lang jeden Tag anbeten oder wie auch immer. An sich kein Problem, da wir nur Samstag und Sonntag in dem Hotel sein wuerden, aber eigentlich laesst man "den Toten" nicht einen ganzen Tag alleine. Ich koennte noch etliches ueber die Beerdigung schreiben, aber da sich da auch vieles wiederholen wuerde, erspar ich dir das einfach und komme nun wieder zum eigentlichen Thema.
In Sahoro angekommen, super Wetter, goennte sich Otousan erstmal eine (teure) Massage und Okaasan und ich entspannten jeder auf seine Weise. Waehrend Okaasan im Zimmer im Halbschlaf saeumte, ging ich zur Bar und trank mich literweise mit (kostenlosen) Softdrinks und (kostenlosen, alkoholfreien) Cocktails zu. Beim Abendessen ging der Koerpergewichts-Spass schon los. Ein gigantisches Buffet, ich habe mich vollgestopft, bis kurz vorm Erbrechen. Nach meinen zwei Hauptspeisen stopfte ich mir noch fuenf Desserts rein, u.A. Creme Brulee, Apple Crumble, Doppelschokoladen-Torte, uvm. Soweit der erste Kilometer des Fressmarathons.
Der Abend war eine einzige Party, staendig begleitet von G.O.s, so etwas wie Aufseher aber hauptsaechlich Entertainer, fanden sich ca. 50 Hotel Insassen zu einem Spiel ein. Es wurden sechs Teams gebildet und jedes musste verschiedene Disziplinen wie Baseball, Basketball, Boule, uvm. durchlaufen. Letztendlich hat es mein Team auf den 2. Platz geschafft und jeder hat eine nette Silbermedaille bekommen! Danach trank ich mich wieder literweise mit (kostenlosen, alkoholfreien) Cocktails zu und sprang ins Bett. Schlafen konnte ich jedoch nicht : Es war verdammt heiss und Otousan hat die ganze Nacht geschnarcht! Kilometer Nummer zwei des Fressmarathons begann schon am Sonntag Morgen. Nach einem morgendlichen (kostenlosen, alkoholfreien) Cocktail, durfte mein Magen Natto und mindestens sechs verschiedene, unglauuuublich leckere, Brotsorten begruessen. Desserts gab es keine, was er gut verkraftet hat. Die Zeit bis zur Abfahrt verging schnell und ich vertrieb sie mit Volleyballspielen, literweise (kostenlose, alkoholfreie) Cocktails, ja man koennte sagen "saufen", und mit dem Umknicken meines rechten Fusses. Spassige Angelegenheit. Nicht.
So kam es, dass ich dann also den dritten und vorletzten Kilometer des Fress-Marathons erreichte. Den Hauptgang des Mittagessens habe ich mir a la McDonalds gestaltet - Hamburger, Fritten, Nuggets (Memo: Okaasan ist Ernaehrungsspezialistin). Danach gab es auch schon Dessert(s): Softcreme, Kekse, Torte, Kuchen, Butter-Brot-Pudding (lecker, lecker, lecker) und mehr. Das war schon meine Zeit im Superhotel, ich habe natuerlich viele Fotos geschossen. Warum wir dort hingefahren sind? Nun, an diesem Wochenende war es "billig", umgerechnet ca.130 Euro pro Nacht (Erwachsener). Normalerweise kostet es ab 180 Euro aufwaerts.
Nun zum letzten Teil des Fressmarathons. AFS hat am Sonntag eine "Willkommens-Party" (ja, fuer uns Austauschschueler, die vor drei Monaten hier angekommen sind) gegeben. Dafuer gingen wir in ein Restaurant mit Buffet -> ein weiteres Kilo fuer mich. Ich denke, ich muss nicht weiter erlaeutern, warum ich da so schnell zugenommen habe! Nach zwei Tagen habe ich aber wieder durch viel Sport mein Normalgewicht erreicht, haha.

Was es sonst noch so gibt: In der Schule haben wir Nachmittags keine Schule mehr, sondern Vorbereitungen fuer das 3-Taegige Schulfest. Das scheint eine echt grosse Sache zu werden und ich freu mich schon riesig drauf. Es gibt auch wieder Sportevents. Ich nehme am Klassen-Staffellauf, Hindernislauf und am Seilspring teil. Normalerweise nimmt man nur an einer Sportart teil, aber da ich der achtschnellste Junge in der Klasse bin, wurde ich zum Rennen genoetigt. Ausserdem nehme ich am Joso-Contest teil. Was das ist? Aus jeder Klasse wird ein Maedchen als Junge und ein Junge als Maedchen verkleidet, tja, und ich bin der Auserwaehlte in meiner Klasse! Die Maedchen, die mich wahrscheinlich kleiden, haben schon meine Fingernagel-Groesse getestet, was so viel heisst wie, dass ich u.A. nette, kitschige Fingernaegel aufgeklebt bekommen werde. Das wird ein Spass!

Vor einer guten Stunde haben Otousan und Okaasan ihren Geburtstagsgutschein an mich eingeloest. Wir sind zusammen einen Yukata, Geta (Schuhe des japanischen Stils), Yukata-Guertel, Faecher und eine Tasche kaufen gegangen. Also alles drum und dran. Ein wahres Prachtexemplar, dieser Yukata. Sobald ein Foto vorliegt, bekommt ihr es zu sehen!

Soweit erstmal die wohl interessantesten Nachrichten, es ist Wochenende, also eigentlich keine Zeit zum Blogschreiben, deswegen mache ich an dieser Stelle schluss. Bei den Fotos sehe ich, was ich tun kann. Letztens konnte ich keine hochladen, aber ich gucke, ob ich das demnaechst mal hinbiegen kann. Moege die Diaet mit dir sein,

Dein Jonathan