Freitag, 25. Dezember 2009

Merii Kurisumasu

Um es einfach mal auf Japanisch zu sagen. Oft wurde ich schon gefragt "Wie wird Weihnachten in Japan gefeiert?", oder "Feiert man Weihnachten ueberhaupt in Japan?". Das sind durchaus berechtigte Fragen, denn schliesslich ist Weihnachten ein christliches Fest, was nicht heisst, dass es in Japan nicht viele Christen gibt. Um eine spontane Antwort darauf zu geben: Ja! Es wird auch in Japan gefeiert. Das ganze unterscheidet sich natuerlich von Familie zu Familie und ich werde dir jetzt einfach mein Weihnachtserlebnis darlegen.

Bereits Anfang November konnten hier die ersten Weihnachtsdekorationen gekauft werden und die Mehrheit der Baeume war mit Lichterketten beschmueckt. Ein bisschen frueh, dachte ich mir. Ab Dezember ging der Weihnachtsrummel dann richtig los, wenn auch ein bisschen gelassener, als in Deutschland. Weihnachten wird hier besonders bei Familien mit kleinen Kindern gefeiert, ich bezweifle, dass es einen Weihnachtsbaum gibt, aber zumindest der Teil mit den Geschenken ist definitv vorhanden. Ausserdem legen gut die Haelfte aller "Weihnachtsfeiernden" die Bescherung auf den 23. Dezember, denn das ist der Geburtstag des amtierenden Kaisers und somit nationaler Feiertag. Der 24. ist naemlich ein normaler Tag wie jeder andere. Aber nicht nur bei Familien mit kleinen Kindern, sondern auch bei Familien mit Jugendlichen, gibt es oft das traditionelle, japanische "Weihnachtsessen". Hierbei handelt es sich naemlich um Huehnchen und das eigentlich interessante an japanischem Weihnachten: eine Weihnachtstorte!
Vermutlich seit hier Weihnachten eingefuehrt wurde, ist es von praktisch allen groesseren Suesswarenherstellern Brauch (oft auch kleinere Laeden), mindestens eine Weihnachtstorte in das Verkaufssortiment aufzunehmen. Die Mehrheit der Torten besteht groesstenteils aus Sahne und das Thema Erdbeere spielt auch eine wichtige Rolle. Die Dekorationen sind einfach sagenhaft, genau wie der Preis. Fuer eine Torte mit 18cm Durchmesser, kommt man in Laeden in Tokyo nicht unter 30 Euro weg und einen Euro fuer eine unreife Erdbeere, das ist ein Luxus, den man sich schonmal leisten sollte. Da Lob ich mir Obihiro, welches bekannt fuer seine billigen Suessigkeiten ist, die obendrauf geschmacklich mindestens genau so hochwertig sind, wie die in Tokyo!
Rokkatei (mein Lieblingsladen) hat natuerlich auch, wie jedes Jahr, seine eigene Tortenkollektion rausgebracht. Mit grossen Augen konnte ich meine Gasteltern dazu ueberreden, eine fuer Weihnachten zu bestellen. Denn eigentlich feiern meine Gasteltern gar keine Weihnachten, genauer genommen haben sie es noch nie gemacht. Dieses Jahr machten sie eine Ausnahme, z.T. weil ich drum gebeten habe. Wir entschieden uns nicht fuer eine der Sahnetorten, sondern nahmen eine schoene Schokotorte mit 15 cm Durchmesser, sind ja schliesslich nur drei Leute. Voila, 15 Euro, echt schoen und natuerlich suuuper lecker! Vor diesem Dessert sind wir auswaerts Abendessen gegangen.
Das Restaurant war ein kleines, neues Gebaeude inmitten der Stadt. Ich habe es vorher noch nie gesehen und Okaasan und Otousan kannten es auch nur vom Hoerensagen. Wir hatten offenbar eine Reservierung, setzten uns, bestellten Getraenke und das wars. Ploetzlich kam die erste Vorspeise, anscheinend wurde sogar schon unser Menue bestellt. Kaum waren wir fertig, kam auch schon die naechste Vorspeise. Danach die dritte. Anschliessend die vierte. Die zwei Hauptspeisen wurden von einfach perfekten Desserts abgeschlossen! Waehrend des Essens konnte ich herausfinden, dass Otousan das ganze gar nicht reserviert hatte. Genauer genommen, hatte das ein Freund von ihm reserviert, der vor wenigen Jahren noch als reichster Mann von Hokkaido galt und hier wohl des oefteren essen gehe. Dieses Mal musste er aber ploetzlich nach Sapporo und hat Otousan die Reservierung ueberlassen, die Rechnung ging aber auf seine Kosten. Das Menue, das wir assen, stand nicht mal auf der Speisekarte. Von Entenleber bis Trueffelcreme-Sosse ueber Blattgold, unglaublich leckere Speisen, von Anfang bis Ende! Anschliessend stellte sich heraus, dass unser Menue pro Person 45 Euro kostete, was bei den Zutaten letztendlich nicht besonders verwunderlich war. Dieses Jahr gab es ein Weihnachtsessen der etwas anderen Art.

Okaasan machte schon einige Tage vorher Andeutungen, dass ich mir diverse Suessigkeiten von Rokkatei nicht kaufen sollte, weil ich die eventuell vom Weihnachtsmann bekommen koennte. Da es echt doof gewaesen waere, ihnen nichts zu Weihnachten zu schenken, waehrend sie hier schon so viel fuer mich getan haben, habe ich ein Weilchen nachgedacht, was ich den beiden ueberhaupt schenken koennte. Dieses Jahr hatten sie sich zum ersten Mal einen Adventskalender gekauft, der uebrigens bis zum 25. geht, und da sie so viel Spass daran hatte, dachte ich: "Dann bastel ich einfach einen fuer naechstes Jahr!" Heute Morgen hing ploetzlich eine grosse Weihnachtssocke an meiner Tuerklinke, gefuellt mit, wer haette es geahnt, Suessigkeiten von Rokkatei! Bevor ich mein Geschenk oeffnete, habe ich den beiden noch das Geschenk "vom deutschen Weihnachtsmann" uebergeben. Die vier Stunden Arbeit, die mich der Kalendar gekostet hat, haben sich wirklich gelohnt, denn damit konnte ich den beiden eine grosse Freude machen, womit mein Ziel auch schon erreicht war. Der Kalendar wird bis zum uebernaechsten Jahr das Wohnzimmer schmuecken.

Fazit: Japaner feiern Weihnachten, wenn auch meiner Meinung nach der christliche Hintergrund eine unbedeutende Rolle spielt. Ich hatte meine ersten Weihnachten ohne Familie, was zwar auch ganz schoen war, aber zu Hause ist es eben doch am besten!
Vor wenigen Wochen hatte ich endlich den grossen Japanisch-Test, fuer den ich soviel gelernt habe. Verglichen mit dem Test vom letzten Jahr kam er mir um einiges schwerer vor und ehrlich gesagt, zweifle ich dadran, ihn bestanden zu haben. Aber, es ist nicht unmoeglich! Das Ergebnis wird mir Mitte Februar mitgeteilt, bis dahin heisst es abwarten und gruenen Tee trinken.
Die Winterferien haben angefangen und der Schnee liegt nun auch schon seit einigen Wochen rum, was sich bis zu meiner Abreise vermutlich nicht aendern wird. Trotz Ferien habe ich natuerlich Volleyballtraining und gehe wie gewohnt bei bis zu -20 Grad 70 Minuten zu Fuss zur Schule. Mittlerweile habe ich mich an die Kaelte gewoehnt und empfinde -10 Grad alles andere als kalt?! Zurueck nehme ich immer den Bus, weil es sonst zu spaet werden wuerde.
Vor wenigen Tagen kam mein Homeroom-Teacher zu mir und meinte, dass meine Schule zwei Abschiedsfeiern fuer mich machen wird! Eine wird vermutlich vor der ganzen Schule sein, wo ich natuerlich auch eine Rede halten soll (Wie soll ich das nur bis zum 13. Januar schaffen?!). Die zweite wird klassenintern, genaueres dazu weiss ich aber noch nicht. Ausserdem darf ich mir etwas wuenschen, es sollte bloss nicht zu teuer sein. Ich wuerde mir ja gerne die Schuluniform wuenschen, aber 300 Euro ist wohl eher ein bisschen zu viel. Ich bin gespannt!
Zu guter letzt: Ich mache noch eine Reise mit meinen Gasteltern! Damit haben sie mir einen (weiteren) grossen Wunsch erfuellt. Unser Reiseziel ist Kyushu, eine der vier Hauptinseln. Wo genau wir dort im Januar herumreisen werden, ist noch nicht geplant.
Bald ist Neujahr, Zeit, neue Traditionen Japans kennenzulernen. Bis zum naechsten Eintrag wuensche ich dir erstmal Frohe Weihnachten und gleich noch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2010!
Dein Jonathan

6 Kommentare:

  1. du mein lieber, es heißt 18 cm durchmesser oder irre ich mich?
    bestimmt xD
    aber sonst - sehr interessant! ;)

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  2. Pst, das waere niemandem aufgefallen xD

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  3. Oah die Torte sieht lecker aus *__*
    Ich will auch nen selbstgemachten Adventskalender... womit hast du den denn gefüllt?

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  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  5. hä? irgendwas is grad komisch, also nochmal ...
    du könntest dir die uniform wünschen und einen teil dazu geben oder vll wenigstens nach dem anstecker der kôkô besagt fragen (du hast doch einen, oder) na jedenfalls eben nach nem teil der uniform!

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