Schon vor einigen Tagen hatte ich vor, einen Blogeintrag ueber das Neujahrsfest in Japan zu schreiben, waere nicht unser Laptop kaputt gegangen und haette viele wichtigen Daten mit in den Tod gerissen. Da es sich selbst fuer meine Gasteltern schwer ohne Internet auskommen laesst, griffen wir auf die einzige Notloesung zurueck: einen Laptop von Okaasans Arbeit. Dieser ist ungefaehr 12 Jahre jung, mit dem nagelneuen Windows 2000 ausgestattet und gibt unaufhoerlich das Geraeusch einer aktiven Kreissaege von sich. Dazu kommt, dass er nur ueber einen USB-Anschluss verfuegt, der nicht einmal meine externe Festplatte erkennt, weshalb ich diesem Blogeintrag leider keine Fotos hinzufuegen kann.
Neujahr. In Japan. Ist ja sicherlich spannend, oder? Falsch! Um es von vornerein zu sagen, das war das langweiligste Neujahrsfest, was ich je erleben durfte. Doch erstmal von Vorne: Am 30. Dezember kam meine Schwester zu Besuch, um bis zum 2. Januar bei uns zu uebernachten. Am selben Tag fuhren wir in ein Onsen-Hotel und liessen es uns dort bis zum naechsten Tag gut gehen. Nach unserer Rueckkehr vom Hotel war Okaasan schon mit Essen machen beschaeftigt, zu Neujahr gibt es in Japan naemlich das so genannte Osechi-Essen.
Das ist eine Vielfalt von Essen, welches in kleinen, stapelbaren Kaestchen (aus Holz koennen die durchaus 700 Euro kosten) schoen hergerichtet wird. Die Zutaten variieren, aber die meiner Meinung nach haeufigsten Zutaten sind: schwarze Bohnen (ab und zu mit Blattgold verziert), zusammengerolltes Omelette, rohe Garnelen und eine Art Salat aus Mohrueben und japanischen Gemuesesorten. Das sind zumindest die Zutaten, die ich am meisten gesehen habe. Bei den Speisen steht eindeutig Zucker im Vordergrund, d.h. die Bohnen waren suess, das Omelette war suess....Natuerlich gab es auch nicht gezuckerte Speisen, aber ca. die Haelfte aller Speisen war suess, wie es anscheinend auch Tradition ist. Das Osechi wird am Neujahrsmorgen gegessen, wir entschieden uns aber, es gegen Mittag zu essen. Am 31. werden traditionell Toshikoshi-Soba, das wuerde wortwoertlich soviel heissen wie "Jahrueberschreitungs-Nudeln", gegessen. Soweit ich weiss, werden sie zu Neujahr nicht irgendwie veraendert, waren also wie ueblich sehr lecker.
Am 1. Januar sind wir traditionsgemaess zu einem Tempel gegangen und haben dort fuer ein gutes neues Jahr, aehm, gebetet? Jedenfalls sind wir dann noch Omikuji kaufen gegangen, das sind kleine Orakelzettel, die einem von grossem Glueck bis grossem Unglueck ein paar Dinge, z.B. Liebe, Arbeit, usw. prophezeihen. Waehrend Meine Gastfamilie und ich nur "Halbes Glueck" hatten, hat meine Schwester gleich "grosses Glueck" erwischt! Nach unserem Schreinbesuch sind wir wieder nach Hause gewandert und mehr gibt es eigentlich auch nicht zu erzaehlen. Japanisches Neujahr wurde mir oft als ruhig geschildert. Ich kann bestaetigen, ja es ist ruhig, fuer meinen Geschmack zu ruhig. Alle Laeden haben zu, jeder ist bei seiner Familie und ansonsten passiert einfach nichts, absolut nichts. Da muss ich knallhart sagen, dass ich die deutsche Feuerwerksvariante besser finde!
Samstag letzte Woche traten meine Gasteltern und ich unsere vorerst letzte gemeinsame Reise an. Das Ziel war Kyushu, die suedlichste der vier japanischen Hauptinseln. Im Flieger erlebten wir auch gleich die erste Ueberraschung: mein Homeroomteacher sass mit seiner Familie in der Reihe vor uns! Nach unserem Zwischenstopp in Tokyo schossen wir noch ein paar Fotos und dann trennten sich unsere Wege auch schon. Doch nun wieder zu Kyushu! Da ich mich sehr fuer japanische Architektur begeistere, war unsere Reiseroute auch hauptsaechlich darauf, d.h. auf japanische Schloesser, ausgelegt. Am ersten Tag schauten wir uns das Kitsuki-Schloss, das kleinste Schloss Japans an! Es hat dafuer aber eine laengere Tradition als die meisten anderen Schloesser und war zwar schlicht, aber schoen. Danach fuhren wir in eine Stadt namens Beppu, welche beruehmt ist fuer die vielen Onsens dort. Und tatsaechlich, wohin ich auch schaute, ueberall stieg schneeweisser, fuer Onsens typischer Dampf aus Gaessen oder von Daechern auf. Im Hotel gab es beim Abendessen viel zu lachen. Es gibt zwei Dinge, die mein Gastvater nicht essen kann. Das erste ist: Zwiebel. Er kann den Geschmack ueberhaupt nicht leiden, isst es aber dann und wann, wenn es in Brot oder aehnlichem verarbeitet ist. Das zweite ist: Krabbe. Er liebt den Geschmack, hat aber leider eine Allergie dagegen. Unsere erste Vorspeise waren zwei verschiedene Fischsorten auf sehr, sehr vielen rohen Zwiebeln serviert. War schon leicht erheiternd, aber die Zwiebeln hat er dann einfach auf meinen Teller geschoben. Das zweite Gericht war eine Krabbensuppe, nachdem der Kellner weg war musste ich spontan anfangen zu lachen, genau wie Okaasan. Wir fragten uns, was wohl als naechstes kommen wuerde, etwa Krabbe mit Zwiebeln gefuellt? Das Hauptgericht war ein Rindersteak und sehr zu meiner Freude, serviert in Zwiebelsauce. Ich kaempfte wirklich sehr mit mir, nicht waehrend der Servierung in riesiges Gelaechter auszubrechen. Otousan hats mit Humor genommen, genauer gesagt kamen sowohl ihm, als auch mir vor lauter Lachen Traenen in die Augen.
Am naechsten Tag, Sonntag, machten wir eine lange Autofahrt nach Kumamoto, um das dortige Schloss zu besichtigen. Es ist wirklich gigantisch! Meterhohe Mauern, ein relativ grosses Gelaende und am tollsten sind die weissen Dachziegel der Gebaeude um das Schloss herum. Anschliessend fuhren wir zu einem nahegelegen, aktiven Vulkan, fuhren anschliessend wieder zurueck in die Stadt und schlenderten ein bisschen in den Arkaden rum. Das Hotel war gluecklicherweise im japanischen Stil (laesst sich besser schlafen) und am Montagmorgen mussten wir auch schon frueh in den Flieger zurueck nach Obihiro steigen. Nach vielen Reisen mit meiner Gastfamilie ist nun auch die letze vorueber, ich muss sagen, sie waren alle sehr, sehr toll!!
Morgen beginnt wieder die Schule und ich habe meine Abschlussfeier, d.h. ich werde eine Abschiedsrede halten und vermutlich meine Schuluniform geschenkt bekommen. Obwohl es noch ein ganzes Weilchen bis zu meiner Abreise hin ist, wird die ganze Zeremonie morgen abgehalten und ich bin jetzt schon sehr aufgeregt!
Wenn es Zeit und Laune des Computers hier erlauben, schaff ich es vielleicht sogar noch vor
meiner Rueckreise einen neuen Eintrag zu schreiben. Bis dahin,
dein Jonathan
Dienstag, 12. Januar 2010
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und bald kommt er wieder :D
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ich freu mich so auf dich. ♥
AntwortenLöschennaja, jetzt hast du mal ein japanisches neujahrfest miterlebt, das ist doch schon mal was ^^
AntwortenLöschenhaha, ich hab grad eine animefolge gesehen, wo sich eine ausländerin über osechi lustig macht und dann les ich deine beschreibung ^^
Ich finds ja wirklich sehr toll, was du so für Reisen mit deiner Gastmailie machst.
hui, ne abschlussrede... fällt sicher nich so leixht, glaub ich mal. viel glück ^^
und natürlich freu ich auch mich über die rückkehr eines weiteren harzer-käse-liebhabers :D
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