Montag, 27. April 2009

Probleme

Und wieder ist eine Woche rum. Der Anfang der neuen Woche bringt natuerlich auch einen neuen Blogeintrag mit sich! Diesmal wird es hauptsaechlich um das gestrige AFS-Event und Probleme verschiedener Gastschueler gehen.

Gestern trafen sich alle Gastschueler aus der Region Tokachi. Das sind alle, die in Obihiro sind und Abi (Abigail) aus Malaysia, die eine gute Freundin von mir ist und in Ohotsuku wohnt. Auf dem Tagesplan stand: Kochen. Puenktlich wie wir Deutschen sind war ich am verabredeten Ort und traf auch schon Abi, die mich jubelnd ansprang und umarmte. Ihre Gastmutter schien davon nicht sehr angetan zu sein. Wir gingen dann zusammen in die Kueche, wo sich bereits alle anderen eingefunden hatten und die ersten Zutaten fuer das 21-Leute-Essen bereit legten. Dann gings auch schon los mit der Kocherei, weil wir ein Zeitlimit hatten. Ich wurde zum Salat schneiden verdonnert und quatschte nebenbei mit Nathalie.
Sie erwaehnte irgendwann meine Schule und meinte, dass Schueler von ihrer Schule gesagt haben, dass die coolsten Schueler in Obihiro auf die 三条高校 (Sanjokoko), also meine Schule, gehen. Generell habe ich gemerkt, dass wirklich jeder die 三条高校 kennt und immer erstaunt ist, wenn ich ihm erzaehle, dass ich dorthin gehe. Die Schulhymne meiner Schule, ich mag sie sehr, soll ausserdem eine der drei besten Japans sein. Noch dazu gehoert auch das Orchester zu den besten Hokkaidos und nimmt sehr oft an Wettkaempfen teil, ich bin also auf einer echten Elite-Schule.
Doch nun wieder zum Kochen. Mit dem Salat war ich schnell fertig und machte mich, nachdem ich ein paar Fotos geschossen hatte, ans Tisch decken. Nachdem ich die Flasche Calpis auf einem der Tische gesehen hatte, wusste ich, wo mein Platz sein wuerde. Nach einem sehr anstrengendem Tische ruecken, verteilte ich mit einer Japanerin, die ein Jahr in Kottbus verbracht hatte, noch sehr leckere selbstgemachte Kekse. Damit war meine Arbeit getan und ich verbrachte den Rest der Zeit damit, den anderen zuzugucken, wie sie das Essen zubereiteten. Als alles fertig war, stand folgendes auf den Tischen: Kekse, Reis, selbstgemachte Onigiri (gefuellte Reisbaellchen), Huehnchen, Yakisoba, Kartoffeln mit Kaese ueberbacken, Fruechte mit geschnitzten Mustern, Salat und und und.... Natuerlich habe ich mich bis zum Maximum vollgestopft, hauptsaechlich mit Keksen, wenn ich ehrlich bin. Ich habe aber alles probiert und muss sagen, dass es wirklich ein 1a Essen war!
Nach dem Essen wollten wir Austauschschueler natuerlich noch ein wenig Zeit gemeinsam verbringen, weil wir uns ja sehr selten, bzw. Abi nie sehen. Erst hiess es, wir duerfen nicht, doch nach vielen Redereien wurden wir dann doch befreit, natuerlich erst, nachdem alles abgewaschen war. Noch waehrend dem Abwaschen fragte mich eine japanische Dame, ob Abi irgendwas wegen einem Gastfamilienwechsel sagte. Ich verneinte, weil sie das nunmal nicht tat, gewundert hat es mich trotzdem. Dan und Abi wollten die ganze Zeit raus, so schnell wie moeglich. Nathalie hatte leider ein Meeting und musste nach dem Essen sofort weg, deshalb nahmen alle Japaner mich als Ansprechpartner, was wir denn jetzt machen, wie lange das dauert und so weiter und so fort. Im Endeffekt haben sie uns 1 1/2 Stunden Zeit gegeben, was nun wirklich nicht viel ist!
Unser Ziel war das nahegelegene Nagasakiya, natuerlich um Purikura zu machen. Ich redete viel mit Abi, unser einziges Thema war eigentlich ihre Gastmutter. Abi meint, dass ihre Gastmutter sie viel zu viel kontrolliert, private Dinge an Freunde und Nachbarn freigibt und ihr generell viel zu wenig Freiraum laesst. Was sie mir erzaehlt hat, war zum Teil sehr erschreckend. Im Moment wuerde sie auf jeden Fall wieder nach Malaysia zurueckfliegen, sie tut das nur nicht, weil ihre Eltern verdammt viel Geld fuer das Ganze bezahlt haben. Am Samstag hatte Abi wohl einen grossen Streit mit ihrer Gastmutter, weil Abi nur sehr wenig Zeit bekommt, alleine etwas zu tun und ihr dann auch das verboten wurde. Ihr Weg mit Aerger umzugehen ist Schweigen. Sie schweigt dann einfach und sagt lange nichts. Das hat die Gastmutter auf die Palme gebracht und Abi hatte dann irgendwann eine Panikattacke und konnte kaum atmen. Schon als ich das hoerte hat es mich aus den Socken gehauen. Genau als sie weinend vor ihrer Gastmutter kniete und wirklich nach jedem Stueckchen Luft rang, kam ihr LP ins Haus. Dieser war natuerlich geschockt und hat Abi erstmal mitgenommen. Einerseits damit sie ihre Freizeit hat, andereseits um ein klaerendes Gespraech zu fuehren. Ihr LP meinte, wenn irgendeine Kleinigkeit passiert, soll sie ihn sofort anrufen und sie verlaesst die Familie. Abi fragte auch mich, was sie tun solle. Nachdem was ich alles gehoert hatte lag fuer mich eigentlich auf der Hand, dass sie definitiv die Gastfamilie wechseln sollte, weil sie so nicht ihr Austauschjahr verbringen kann. Sie tut sich schwer mit der Idee, weil sie schon Freunde gefunden hat und entschied sich dazu, der Gastmutter noch eine Chance zugeben, mit wenig Verstaendnis meinerseits. Ausserdem hat Abis Schule eine Ausgangssperre nach 20 Uhr und wenn man die nicht einhaelt, muss man sich in der Zeitung oeffentlich entschuldigen. Im Laufe unseres Gespraechs erfuhr ich auch von Dan, dass er sich viel zu kontrolliert fuehlt, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum er gestern immer Truebsal geblasen hatte. Nathalie hat auch Probleme, weil ihre Gastfamilie wohl eine unglaublich schreckliche Ernaehrung haben soll und es fast nie Gemuese oder Obst gibt. Jedenfalls war es schoen, Abi gluecklich zu sehen, weil sie es mit Abstand am schwersten von uns hat und deswegen habe ich sie auch zu einer Runde Purikura zu zweit eingeladen, mit den Worten "Just look at the Purikura when you're sad.". Ich bezweifle nicht, dass sie das machen wird....

Schulisch laeuft alles gut. Waehrend die Maedchen dahinschmelzen, wenn sie erfahren, dass ich Single bin und die Jungs (ausser die vom Volleyballclub) mich immer cooler finden, werde ich endlich naechste Woche einen gemeinsamen Tag mit Fujisaki und Keisuke verbringen. Geplant ist ein Gamecenter. Mein Hauptziel werden natuerlich die Purikura-Automaten sein!

Dein Jonathan

P.S.: Es ist nur noch eine Tafel von meinen Milka Mitbringseln uebrig! Wenn du mir das Kanji-Lernen leichter machen willst, kannst du mir einfach ein paar Tafeln von Lindt oder Milka (ja, ich bin dreisterweise auch noch waehlerisch) per Post schicken. Ist das nicht mal 'n Vorschlag? Adresse auf Anfrage!

Montag, 20. April 2009

Fotos

Erfreuliche Nachrichten. Es gibt jetzt auch eine fuer jeden zugaengliche Fotoseite! Das Limit ist zwar begrenzt, aber immerhin besser als nichts. Das ist die Adresse:

http://www.flickr.com/photos/37581523@N07/

Sobald ich Zeit habe, werde ich ein wenig Ordnung in die Photos bringen und vielleicht die einen oder anderen loeschen und neue einfuegen. Ein Dankeschoen an meine "mittlere" Schwester, die mir die Seite befohlen hat. :)

Dein Jonathan

Sonntag, 19. April 2009

Zenmai Zamurai!

Okaasan und Otousan sind jetzt im Kino und gucken einen chinesischen Film mit japanischem Untertitel. Da ich vermutlich nichts verstehen wuerde, haben wir uns darauf geeinigt, dass ich hier bleibe. Diese Gelegenheit nutze ich natuerlich, um wieder einen Eintrag zu schreiben!

Natuerlich war ich heute mit Okaasan, Otousan und den anderen Damen wieder joggen. Die Dauer wird von mal zu mal gesteigert und heute standen 80 Minuten auf dem Plan. Gleich vom Beginn an trennte ich mich mit Terayama von der Gruppe und wir liefen dementsprechend also ein bisschen schneller. Es wehte ein sehr starker Wind und nachdem wir auf dem Hinweg Rueckenwind hatten, hatten wir auf Rueckweg natuerlich Gegenwind. Mit starkem Gegenwind bergauf mit schnellen Tempo joggen ist nicht sehr angenehm, glaub mir. Letztendlich bin ich auf 14km in 80 Minuten und Terayama auf 14km in 85 Minuten gekommen. Wenn ich weiter so fleissig trainiere, sollte ich den 21km Marathon in unter zwei Stunden schaffen!

Wie jedes Wochenende gingen wir natuerlich auch wieder auswaerts essen, diesmal in einem franzoesischen Restaurant. Otousan entwickelte offensichtlich eine Abneigung gegenueber dem Kellner, der geschaetze 25 Jahre war und einfach nicht aufhoeren konnte, mich anzustarren. Er war ein bisschen tollpatschig, brachte Otousan und Okaasan das falsche Essen und raeumte immer zu spaet den Tisch ab. Das Essen hingegen war sehr lecker, wie es sich fuer ein edles Restaurant gehoert war das Essen klein, der Preis aber gross. In diesem Restaurant gab es auch Bionade, was mich doch sehr erstaunte. Bionade ist ja in Deutschland auch nicht gerade das billigste, aber hier hat eine Flasche umgerechnet 4,50 Euro gekostet!
Als Dessert gingen wir Odango essen, weil der Protagonist aus meiner Lieblingszeichentrick-Serie "Zenmai Zamurai" immer Odango auf die wirft, die gerade veraergert sind. Betoert von dem Geschmack, ist die Person dann sehr gluecklich. Ich war natuerlich neugierig und wollte unbedingt die Waffe meines "Helden" essen. Es stellte sich heraus, dass Odango eigentlich auch nur Mochi, also zerstampfter Reis, ist, welches an einem Holzspiess aufgespiesst wurde. Dann wird es noch wahlweise mit Anko oder in den meisten Faellen mit Sojasauce ueberzogen und verspeist! Wie immer hat mir die Anko-Variante am meisten geschmeckt, waehrend ich die verbreitetere Sojasaucen-Variante nicht so lecker fand! Jedenfalls kann ich jetzt nachvollziehen, warum die mit Odango gefuetterten Personen immer gluecklich werden. Schulisch gibt es nicht allzu viel neues. Kagawa-Sensei hat mir angeboten, meinen Stundenplan Anfang Mai zu aendern und mir auch ein paar Freistunden zu verschaffen, wenn ich will. Wahrscheinlich werde ich den Stundenplan nicht aendern lassen, auch wenn er sehr naturwissenschaftlich orientiert ist, aber ich bin nicht hier, um Englisch zu lernen. Ich werde ihn fragen, ob ich vielleicht zwei oder drei Stunden weniger Mathe haben kann, weil sieben Stunden die Woche ist mir dann doch zu viel.
Vom Volleyballklub habe ich bereits Verbrennungen an den Knien und meine ersten grossen blauen Flecke, welche z.T. einen Durchmesser von 10cm haben. Noch waehrend einer sehr brutalen Annahmeuebung (die mir auch diese Verletzungen verschaffte), bemerkte der Trainer wohl meinen Willen und zoegerte zeitweise auch nicht, einfach mal richtig raufzuhauen. Das ist insofern gut, weil ich jetzt auch wirklich die Chance habe, mich zu verbessern und auch deshalb, weil mich dann die anderen wahrscheinlich mehr respektieren und in mir nicht nur den "schlechten deutschen Volleyballspieler" sehen.
Jeden Freitag trainiert vor uns der Handballklub, welcher ebenfalls sehr erfolgreich ist. Ich wurde dann einem Jungen namens Yamada vorgestellt, welcher angeblich mein Fan sein soll. Er ist anscheinend sehr schuechtern, weshalb er auch nicht viel mit mir sprach. Das Training hat dann sowieso begonnen und ich musste mich von Yamada verabschieden. Auf dem Rueckweg bin ich ihm dann wieder begegnet und wir sind zusammen nach Hause gefahren, zumindest soweit wir zusammen fahren konnten. Auch diesmal sagte er nicht viel, aber ich konnte wirklich merken, dass er sich einfach nicht getraut hat, etwas zu sagen. Vielleicht bekomm ich auch ihn noch zum Reden, er ist bloss leider nicht in meinem Jahrgang, weshalb ich ihn mutmasslich nicht oft sehen werde.

Ansonsten lerne ich wie immer fleissig, die Kanji aus meinem AFS-Buch kann ich fast alle und danach muss ich mir aus dem Alltag immer die Kanji aufschreiben und lernen, welches sich als bedeutend schwieriger gestalten sollte! Ausserdem probier ich mich an japansicher Hoeflichkeitssprache (Keigo), die immer als super schwer und kaum schaffbar dargestellt wird, im Endeffekt aber simpler ist, als es klingen mag. Ich bin gespannt, ob ich es am Ende des Jahres schaffe, mich mit meinem Schuldirektor nur in Keigo zu unterhalten.

Und zum Abschluss noch fuer dich, falls du es noch nicht gemerkt hast: Ich bin jetzt seit ueber einem Monat in Japan! Vergeht die Zeit nicht schnell?

Dein Jonathan

P.S.: Beim Svz gibt es jetzt ein Gewinnspiel bei den Fotos. Du verpasst aber auch nichts, wenn du kein Svz hast, denn es gibt nichts weltbewegendes zu gewinnen.

Mittwoch, 15. April 2009

Die erste Woche Schule

Heute ist ein freier Schultag, Zeit mal wieder einen Eintrag zu schreiben!

Vor genau einer Woche hatte ich meinen ersten Schultag und mittlerweile drei regulaere Unterrichtstage gehabt. Der Unterricht an sich ist fuer mich noch ziemlich langweilig, weil ich nichts verstehe und hier die meisten sehr konzentriert sind (der Rest schlaeft). Ich nehme einfach mein Kanji-Uebungsblatt mit und lerne waehrend des Mathe-Unterrichts die verschiedenen Lesungen. Generell bekommen die Schueler sehr viele Arbeitsblaetter und ich habe keine Ahnung, was ich mit dem ganzen Papier anfangen soll. Ich lege das einfach alles in einen Hefter und hoffe, dass ich nicht irgendwelche wichtigen Dokumente verschlampe. Ergaenzung bezueglich den schlafenden Schuelern: Sobald das der Lehrer bemerkt, weckt er ihn auf und unterrichtet normal weiter. In Deutschland wuerde der Lehrer vermutlich anders reagieren. In den Pausen probier ich mich mit meinen Mitschuelern zu unterhalten, was auch schon relativ gut klappt. Bei den Mitschuelern komm ich auch schon zum naechsten Thema: Freunde.

Meine "besten" Freunde hier heissen Keisuke, Fujisaki, nochmal Keisuke und Kunpei. Fujisaki hat mir immer geholfen, wenn ich nicht wusste, wo ich Unterricht habe. Gestern hat er mich ausserdem hektisch gebeten, nach dem Unterricht schnell mitzukommen. Ich bin ihm also gefolgt und er brachte mich zur Cafeteria, inder es anscheinend immer nach der vierten Stunde Brot gibt, welches bei den Schuelern sehr beliebt ist. Kaum waren wir am Schalter, standen 30 Sekunden spaeter auch schon 20 andere Schueler hinter uns. Ich habe einfach das Brot bezahlt, was am schokoladigsten aussah. Es hat wirklich sehr gut geschmeckt und vielleicht werde ich mir dort auch ab und zu noch weiteres kaufen! Doch nun wieder zum eigentlich Thema.
Keisuke ist wahrscheinlich der Klassenclown, er ist aber trotzdem ziemlich intelligent, soweit ich das aus dem Unterrichtsgeschehen verfolgen konnte und ist immer sehr gut drauf. Der andere Keisuke ist im Baseball-Club und sehr schuechtern, zumindest mir gegenueber. Als ich ihn nach seinem Namen gefragt habe, hat er sich riesig gefreut und ich denke, in spaetestens ein paar Wochen ist auch zwischen uns beiden das japanische Eis gebrochen! Letztendlich noch Yamamoto (山本), welcher mir besonders in den ersten Tagen viel erklaert und gezeigt hat. Gluecklicherweise verstehen sich diese vier auch sehr gut untereinander und ich hoffe, ich kann mit ihnen an einem freien Tag gemeinsam etwas unternehmen.

Neues von Volleyball. Auch wenn heute ein freier Tag ist, finden alle Klubs, die heute regulaer stattfinden wuerden, natuerlich auch statt. Vor einer guten Stunde bin ich von 4-stuendigem Volleyballtraining wiedergekommen, welches mir morgen wahrscheinlich einen saftigen Muskelkater bescheren wird, mit dem ich mich bei dem morgigen 3-stuendigen Training rumschlagen muss. Das Training verlaeuft zwar stueckchenweise besser fuer mich, jedoch bin ich immer noch meilenweit von einer guten Zusammenarbeit entfernt. Wie du vielleicht bereits gemerkt hast, ist der Trainer sehr streng, weshalb er mich auch auf die Position stellt, an der am wenigsten Baelle hinkommen (was ich durchaus nachvollziehen kann). Trotzdem habe ich heut diverse Baelle verhaeltnismaessig gut hinbekommen und meines Erachtens nach, hat der Trainer dann sogar oefter zu mir gespielt. Im Moment scheine ich mich nicht sonderlich weiterzuentwickeln (ausser meine Angaben, die klappen erstaunlich gut), das Problem ist, dass alle hier bereits eine sehr gute Technik haben und deshalb die Technik nicht mehr ueben, wohingegen ich eine schlechte Technik habe (ein Wunder das ich beim SCE ueberhaupt eine Technik gelernt habe) und dann nicht weiss, was ich falsch mache. Vielleicht bessert sich das ja noch, immerhin habe ich noch neun Monate Zeit dazu!

Ansonsten gibt es nicht viel neues, nur, dass ich mir jeden Tag ein Getraenk namens Calpis kaufe, welches unglaublich lecker ist. Es erinnert mich geschmacklich an Mandarinen-Joghurt, aber vielleicht taeusche ich mich da auch.
Bis zum naechsten Eintrag,

Dein Jonathan

P.S.: Es gibt wieder neue Fotos.

Sonntag, 12. April 2009

Blut, Zerstoerung, Gewalt

Nach mehrtaegiger Abwesenheit wegen Schulbeginn, komme ich nun doch wieder dazu, einen neuen Eintrag zu schreiben. Diesmal werde ich ausschliesslich ueber mein erstes Volleyballtraining berichten.

Dieser Titel passt ganz gut zu meinem ersten Training, auch wenn das Training vielleicht nicht ganz so dramatisch war, wie es klingt. Ich hatte mich schon ewig auf das Volleyballtraining gefreut und als ich am Donnerstag das erste mal zugeguckt habe, wusste ich: Hier hat Volleyball eine andere Bedeutung. Spass ist nichtmal halb so viel wie in Deutschland vorhanden, hier ist knallhartes Training angesagt. Leider konnte ich nur eine halbe Stunde zugucken und musste dann wieder nach Hause fahren. Am Freitag zaehlte ich die Minuten bis zum ersten langersehntem Training. Mein Training begann erst um 17.30 Uhr und da die Schule frueher zuende war, hiess es warten, warten, warten. Das Training wurde ohne den Trainer begonnen, aber nicht in der Halle, sondern in einem Schulflur. Zuerst hat jeder einen 4kg Medizinball bekommen und musste damit Sprunguebungen, Liegestuetze und Sit-Ups machen. Wahrscheinlich habe ich davon den Muskelkater, wegen dem ich heute nicht mit zum Joggen kann. Gluecklicherweise schienen diese Uebungen fuer die anderen genauso anstrengend zu sein, wie fuer mich. Dann gingen wir in die Halle und ich konnte endlich, endlich seit einem Monat wieder einen Volleyball anfassen! Sowie der Trainer kam, wurde mit Einwerfen begonnen, dann Pritschen, Baggern, Schlagen, alles ein bisschen komplizierter gemacht. Anschliessend wurden Sprungangaben, Hinterfeldangriffe und Vorderfeldangriffe geuebt. Es erstaunte mich sehr, dass sie in ihrem Alter Angriffe hinbekommen, die man in Berlin bei der nicht-Bundesliga SCC-Mannschaft sehen kann, bei der alle Spieler mindestens 10cm groesser sind. Bei den Vorderfeldangriffen passierte auch schon das erste Missgeschick: Meine Brille blieb im Netz haengen, fiel runter und der naechste Spieler landete nach seinem Sprung darauf. Es war zum Glueck "nur" meine Volleyballbrille, diese war aber erstmal ordentlich verbogen. Nachdem er sich gefuehlte neunzig Mal bei mir entschuldigt hatte, habe ich mit der schiefen Brille weitergespielt, weil ich nicht im ersten Training wegen so einer Kleinigkeit Probleme machen wollte.
Anschliessend wurden wir in zwei Teams aufgeteilt, der Trainer wollte wahrscheinlich auch sehen, welche Position fuer mich am besten geeignet waere (vermutlich keine bei der Mannschaft). Schon passierte das Naechste, was mich diesmal sehr erschrocken hatte. Ein Zuspieler hatte nicht gemerkt, dass der Ball noch im Spiel war und der Ball ist somit einfach auf den Boden gefallen. Was macht der Trainer? Mit einem wuetenden Gesicht geht er auf ihn zu und tritt ihn! Das hat mich doch sehr ueberrascht und waer ich kein Austauschschueler, haette er mir an dem Tag den Hintern wohl gruen und blau getreten, mich ausgepeitscht und zusammengeschlagen. Der Trainer ist generell eine sehr furchteinfloessende Person und sobald auch nur der kleinste Fehler gemacht wird, gibt es einen Blick, der toeten koennte. DAS, ist richtiges Volleyballtraining! Auch wenn ich im Moment noch ein Hindernis sein mag, gebe ich mein bestes, um wenigstens ein aehnliches oder vielleicht sogar das gleiche Level zu erreichen!
Da Freitags nur 1 1/2 Stunden Training ist, war es das auch schon gewesen. In Schweiss gebadet verabschiedeten wir uns vom Trainer, der dem Zuspieler dann noch eine grausam klingende Predigt hielt. Ich musste mich beeilen und bin mit Vollgas in 20 Minuten nach Hause gefahren, aber trotzdem zu spaet gekommen. Otousan und Okaasan haben mit dem Essen noch gewartet. Zu Hause bemerkte ich auch, dass ich eine Schramme ueber meinem linken Auge hatte, welche auch vom Training stammen muss.
Ich kann es kaum erwarten mein erstes drei-Stunden-Training am Dienstag zu haben.

Dein Jonathan

P.S.: Die Brille habe ich kostenlos beim Optiker richten lassen.

Mittwoch, 8. April 2009

Aufgeregt waere untertrieben

Endlich war es soweit. Heute hatte ich meinen ersten Schultag! Es gibt viel zu berichten und ich will dich nicht lange auf die Folter spannen.

Schon bevor ich ueberhaupt losgefahren bin, war ich aufgeregt. Auf dem Hinweg begegnete ich ziemlich frueh einem Schueler meiner Schule. Nachdem ich ihn ueberholt hatte, legte er wahrscheinlich an Tempo zu und ist mir die ganze Zeit hinterhergefahren. Je naeher ich der Schule kam, desto mehr Schueler begegneten mir. Sie schauten mich natuerlich interessiert an, weil ich schliesslich die gleiche Schuluniform trug. In der Schule schloss ich mein Fahrrad an und ging diesmal durch den Schuelereingang. Drinnen machte ich auch schon meinen ersten Fehler: Ich stand mit meinen Indoor-Schuhen auf dem Teppich. Das ist unhoeflich und ich denke mal, ein paar Schueler haben sich da schon gewundert. Am Eingang hatte ich auch schon mein erstes Problem: Ich wusste nicht, welches Schliessfach mir gehoert. Also nahm ich das naechst leere und steckte dort einfach meine Strassenschuhe rein. Nachdem ich kurz auf den Plan geguckt hatte, bin ich zum Klassenzimmer gegangen. Da mein Klassenzimmer in der Mitte des Ganges liegt und es ja kein Unterricht war, gab es, wo immer ich auch lang gegangen bin, viele Diskussionen und Starrereien. Im Klassenzimmer zeigten mir dann zwei Klassenkameradinnen wo ich sitze (fast ganz hinten). In 15 Minuten wuerde der Unterricht beginnen, auch diese 15 Minuten waren aeusserst interessant. Viele Schueler schleppten Freunde mit zu meinem Klassenzimmer und starrten. Andere gingen ganz zufaellig mehrmals am Klassenzimmer vorbei, guckten mich ganz zufaellig lange an und gingen ganz zufaellig mehrmals hin und her. Es war wirklich interessant, wahrscheinlich kannte mich schon jeder Schueler meiner Jahrgangsstufe, bevor ich mich ueberhaupt vorgestellt hatte. Kagawa-Sensei kam dann auch zum Homeroombeginn. Als erstes klaerten wir das mit dem Schliessfach. Das, wo ich meine Schuhe reingetan habe, gehoerte nicht mir, was ich auch schnell merkte, weil meine Schuhe dann vom Besitzer woanders hingestellt wurden. Mittlerweile habe ich jedoch mein eigenes Schliessfach.
Nachdem Kagawa-Sensei einige Blaetter ausgeteilt hatte, bat er mich, nach vorne zu kommen. Ahnungslos ging ich nach vorn. Dann meinte er, ich soll jetzt meine Rede halten. Das ich eine vor der Klasse halten muss wusste ich, aber damit hat er mich ziemlich ueberrascht, weil ich dachte, das muss ich erst spaeter machen. Meinen Notizzettel hatte ich natuerlich nicht mit nach vorne genommen, also stellte ich mich kurz vor und durfte mich gluecklicherweise wieder hinsetzen. Dann gingen wir auch schon in die grosse Turnhalle, wo die Begruessungszeremonie stattfinden sollte. In Reih und Glied betraten wir die riesige Turnhalle und nach und nach waren alle Klassen der drei Jahrgangsstufen anwesend. Oft drehten Schueler die Koepfe zu mir (ich sass ganz hinten) und manche sprachen mich auch in schlechtem Englisch an. Als erstes wurden neue Lehrer begruesst, die man dann mit einem mueden "Ohayou Gozaimasu" von den Schuelern willkommen hiess. Waehrend der Direktor seine Rede hielt, bat mich Kagawa-Sensei mitzukommen. Wir gingen vorbei an den militaerisch angeordneten Reihen der Schueler, Richtung Buehne. Mein Herz raste immer wilder. Als ich dann aufgerufen wurde und die Buehne betreten musste, ist es vermutlich abwechselnd von den Zehen zum Gehirn gesprungen. Da stand ich nun. Alle Augen auf mich gerichtet, die schlafenden Schueler waren auf einmal alle wach und starrten mich an. Haette ich den Zettel in der Hand gehalten, haetten die Schueler wahrscheinlich gedacht, ich habe Parkinson, so aufgeregt war ich. Nachdem ich meine 30 Sekunden-Rede beendet hatte, gab es grossen Applaus und im Gegensatz zu den neuen Lehrern ein sehr froehliches "Ohayou Gozaimasu". Nach der Zeremonie hatten wir wieder eine kurze Besprechung und mussten anschliessend wieder in die Turnhalle.
In der Turnhalle versammelten sich diesmal "nur" die Schueler meines Jahrgangs, wieder sehr sorgfaeltig aufgestellt. Dann hielten einige Lehrer Reden und schliesslich musste ich zu meiner letzten Ansprache nach vorn. Wieder wurde ich angekuendigt, doch diesmal war es danach sehr sehr leise. Das einzige, was man hoeren konnte, waren meine schweren Schritte auf dem Parkettboden, die ich probiert habe leichter zu machen. Kagawa-Sensei und ich hatten abgemacht, dass ich diesmal die selbe Rede halten werde, bloss noch in Englisch und Deutsch. Das habe ich dann in Japanisch angekuendigt, was bei einigen Schuelern begeisterte Gesichter hervorrief. Der Applaus nach den "drei" Reden war diesmal sogar groesser. Ich war froh, dass ich die ganzen Reden hinter mir hatte, das ist nichts fuer schwache Nerven.
Eigentlich haetten wir das Klassenzimmer danach sauber machen muessen, aber Kagawa-Sensei meinte, es sei ordentlich genug. Als ich die Milka-Schokolade rausholte, welche ein Geschenk an die Schueler sein wuerde, wurden die Augen auf einmal groesser. Auch hier werden alle Entscheidungen mit Schere, Stein, Papier gefaellt und nachdem die Maedchen gewonnen hatten, durften sie als erstes Schokolade nehmen. Jeder hat sich einzeln bei mir bedankt und damit war der erste Tag eigentlich zu Ende. Vorm Klassenzimmer habe ich mich dann noch mit ein paar Jungs aus meiner Klasse unterhalten, aber nach und nach sammelten sich immer mehr Jungs um mich und stellten mir erwartungsgemaess zum Teil sehr gewoehnungsbeduerftige Fragen. Einer hat mich sogar angesprungen und den Arm um meine Schulter gelegt, was mich nicht gestoert, sondern eher ueberrascht hat, weil das in Japan nicht ueblich ist. Irgendwann verabschiedete ich mich und als ich den Gang langgegangen bin, gruesste mich fast jeder und sagte mir "Tschuess" (auf Japanisch natuerlich). Selbst als ich mein Fahrrad abgeschlossen habe und losgefahren bin, musste ich mich pausenlos von anderen Schuelern verabschieden. Das war eigentlich ganz lustig, weil ich auch wieder mit einer sehr einfachen japanischen Phrase geantwortet habe, welche die Schueler (warum auch immer) in Staunen versetzte. Auf dem Rueckweg begegneten mir noch diverse Schueler und jeder, wirklich jeder winkte mir zu oder verabschiedete sich. Irgendwann traf ich dann auch meinen vermutlich ersten Freund hier - Ren. Wir redeten viel Japanisch auf unserem gemeinsamen Rueckweg, ab und zu probierte er mir auch Woerter auf Englisch zu erklaeren, was meistens fehl schlug. Er fragte mich, ob alle Deutschen blond seien. Nachdem ich ihm erklaeren konnte, das dies nicht so ist, waren wir auch schon bei meiner Wohnung und verabschiedeten uns voneinander. Morgen wird es bestimmt genauso aufregend, denn ich werde Englisch-, Mathe- und Japanischtests schreiben!
Das war mein erster, sehr schoener, Schultag!

Dein Jonathan

Montag, 6. April 2009

Lernen bis zum Umfallen

Das Wetter war schlecht und die anderen Austauschschueler beschaeftigt. Der gestrige Tag schrie regelrecht nach lernen bis der Arzt kommt.

Gleich nach dem Fruehstueck fing ich mit den Englischhausaufgaben an, die ich eigentlich nicht machen musste, aber der erste Eindruck ist ja bekannterweise der wichtigste. Die Englischhausaufgabe zeigte sich in Form von vier A3 Blaettern, die sowohl auf Vorder- und Rueckseite mit Saetzen zum uebersaetzen beschrieben waren. Eigentlich musste ich jeden Satz vier Mal aufschreiben, dafuer war ich dann aber wirklich zu faul, zumal das an einem Tag nicht schaffbar war. Die Hausaufgabe bestand also darin, den Satz zu uebersaetzen (Japanisch in Englisch) und das dann noch drei weitere Male abzuschreiben. Ich machte das einfach so, dass ich beim ersten Satz meine Loesung hinschreibe und beim zweiten Satz die richtige Loesung, weil Kagawa-Sensei mir zum Glueck das Loesungsblatt gegeben hat. Tatsaechlich habe ich es mit meinem bescheidenen Japanisch geschafft, fuenf Saetze komplett richtig zu uebersaetzen (von ca. 70). Bei einigen waren die Ansaetze richtig, aber auf Grund mangelndem Vokabular war es mir nicht moeglich, sie komplett zu uebersaetzen. Drei Stunden hat es gedauert, die Blatter auszufuellen! Ich bemitleide meine japanischen Mitschueler, die das dreifache an Zeit aufbringen muessen. Die Mathehausaufgabe steht der Englischhausaufgabe an Masse in nichts nach...(Jedoch habe ich nicht vor diese zu machen.)
Zwischendurch bin ich zum Nagasakiya gegangen, um weitere japanische Suessigkeiten auszuprobieren. Die sind hier gluecklicherweise preislich nicht mit normalem Essen zu vergleichen.
Nach qualvollen Stunden mit Englischhausaufgaben, machte ich mich nun wieder daran, zur Abwechslung mal Kanji zu lernen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Der ganze Tag war eine reine Lernerei. Insgesamt habe ich bestimmt fuenf Stunden gelernt (Und da soll mir mal einer sagen, ich sei faul.) - sehr langweilig!

Abends, als ich bereits muede und mein Gehirn kaum noch faehig war, japanische Worte in deutsche umzuwandeln, machte Otousan wieder "Warum gerade Volleyball?"-Andeutungen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich in diesem Punkt keine Kompromisse mehr eingehen werde und auch nur eine minimale Chance besteht, dass ich einen anderen Club nehme. Ich glaube, er wuerde es besser finden, wenn ich Bogenschiessen oder Kendo nehme, aber nachdem ich ihm klar gemacht hatte, das Volleyball nunmal mein wichtigstes Hobby ist und ich es nicht wechseln werde (so rabiat habe ich das natuerlich nicht formuliert), hat er auch nachgegeben (hoffentlich)... Anschliessend meldete Okaasan uns noch zum Halbmarathon an und waehrend sie das tat, erzaehlte mir Otousan, dass sie vor ein paar Jahren bei einem 50km Marathon Bronze gewonnen hat. Ist das zu fassen? Das bekraeftigt wieder meine Aussage vom letzten Blog! Heute treffe ich mich mit allen AFSern, ausser dem Inder wahrscheinlich, um noch ein letztes Mal zusammen vorm Schulbeginn essen zu gehen und die Freiheit zu geniessen. Soweit erstmal vom Austauschschueler, der bei der fittesten Frau der Welt wohnt.

Dein Jonathan

Austauschschueler und Erdbeben

Heut ist Montag und somit der Beginn der entscheidenden Woche! Am Mittwoch habe ich das erste mal richtig Schule, darf drei Reden halten und am Donnerstag meine ersten (frewilligen) Tests schreiben. Doch jetzt komme ich erstmal zum Wochenende.

Freitag:
Freitag haette eigentlich ein langweiliger Tag werden sollen, doch da ich bei dem genialen Wetter, welches wir hatten, nicht nur rumsitzen und lernen wollte, nahm ich mir 2 1/2 Stunden fuer einen grossen Spaziergang. Mein Ziel war der hiesige Green Park, in dem wir auch manchmal joggen gehen. Ich entschied mich mit Fahrrad hinzufahren.
Der Park ist relativ gross und am Nordeingang gibt es eine riesige Wiese, auf der ich mich erstmal hinsetzte. Dann packte ich frisch gekaufte Suessigkeiten aus und setzte meine Kopfhoerer auf, stellte auf meinem iPod den String Quartett Tribute an System of a Down ein und genoss das Wetter. Da die Sonne meine schwarzen Sachen natuerlich ein bisschen mehr erwaermte, zog ich dann auch noch meinen Pullover aus. Nachdem ich den Tribut zwei Mal durchgehoert hatte, packte ich alle Sachen zusammen (ausser Kopfhoerer und iPod, die beiden begleiteten mich mit Megadeth auf meinem kompletten Spaziergang) und lief mit meinem Fahrrad im Park rum. Ab und zu schoss ich ein paar sinnlose, manchmal aber auch schoene Fotos. Als ich dann zwei Stunden im Park rumgewandert bin und alles fotografiert hatte, entschied ich mich, wieder zurueck zu laufen. Auf dem Rueckweg kamen mir zwei Maedchen im Alter von ca. 12 Jahren entgegen und begruessten mich mit einem "Ohayou Gozaimasu". Ich antwortete mit einem simplen "Konnichiwa", welches die beiden sehr in Erstaunen versetzte.

Samstag:
Samstag morgen hiess es wieder joggen gehen! Diesmal gingen wir nicht in den Green Park, sondern in einen sehr noerdlich gelegenen Park. Otousan konnte leider nicht mitkommen, weil er arbeiten musste. Okaasan und ich sind dann mit Fahrrad hingefahren. Dort trafen wir auch wieder Okaasans Freundinnen. Irgendwann bat mich Okaasan dann, die Kanji, die auf dem Autoschild einer Freundin standen, vorzulesen. Es waren sehr einfache Kanji (北見) und nachdem ich sie vorgelesen habe, erntete ich fuenf "Sugoooooooooi" (Das bedeutet soviel wie sagenhaft oder super und wird hier am laufenden Band gesagt.) und wir joggten endlich los. Es war wieder eher relaxtes joggen. Als ich mich mit einer von Okaasans Freundinnen von der Gruppe geloest hatte, bedeutete sie mir, dass ich auch schneller rennen kann, wenn ich will (Eigentlich hatte sie mich regelrecht dazu aufgefordert.). Also lief ich und lief ich und hatte irgendwann die vorgeschriebene Rundenzahl absolviert. Nach und nach trudelten auch die anderen ein und verabschiedeten sich voneinander. Okaasan und ich fuhren dann wieder mit Fahrrad nach Hause. Der Samstag war eigentlich recht ereignislos.

Sonntag:
Auch Sonntag gingen wir wieder joggen. Da Otousan diesmal mitkommen wollte und wir nur zwei Fahrraeder zur Verfuegung haben, fragten sie mich, ob wir hinjoggen wollen. Da ich laengst nicht so geuebt im joggen wie die beiden bin, bin ich mit Fahrrad gefahren und Okaasan und Otousan sind hingejoggt. Am Zielort (der selbe wie am Samstag) joggten wir dann wieder mit den anderen Frauen los und ich sollte diesmal mit Okaasan, die sonst immer mit der letzten laeuft, mitjoggen. Es ist unglaublich, ich kenne keine Frau die so fit ist wie Okaasan, noch dazu ist sie 40 Jahre aelter als ich. Wir sind in strahlender Sonne neun Kilometer gelaufen, manchmal auch bergauf, dazu kommt noch, dass sie den Hinweg auch gejoggt ist. Waere ich nicht mit Fahrrad gefahren, waere sie mir vermutlich locker davongelaufen. Den Rueckweg ist sie dann auch wieder problemlos zurueckgejoggt und meine beiden Gasteltern waren fast so schnell wie ich mit Fahrrad!
Okaasan machte diesmal Mittag. Es gab eine sehr leckere Suppe und selbstgemachtes Brot. Danach mussten wir auch gleich zum Flughafen, denn ein neuer Austauschschueler ist angekommen. Er kommt aus Indien, warum er erst jetzt kommt, weiss niemand so richtig. Sein Englisch klingt sehr sehr lustig, weil es mutmasslich ein Mix aus Indisch und Englisch ist. Das ganze AFS-Komitee trank dann noch gemeinsam etwas und wir verabschiedeten uns wieder alle voneinander.
Zu Hause lernte ich eine weitere "Tradition" Japans kennen: Ich erlebte mein erstes Erdbeben! Es war merkwuerdig, ich sass im Stuhl und auf einmal wackelt der Fernseher und alles andere ein bisschen. Ich dachte erst, ich habe einen Schwindelanfall, aber Otousan sagte zu Okaasan "Jishin" und da ich eins und eins zusammen zaehlen kann, war mir klar, dass dies ein Erdbeben sein musste. Es war wirklich nur ein sehr kleines, trotzdem sehr interessant!
Unser Abendessen fand diesmal ausser Haus statt. Wir gingen in ein Restaurant, um dort Genghis Khan zu essen. Nein, keine vermoderte Leiche, sondern Lammfleisch, welches auf einem im Tisch eingebauten Grill gebraten wird. Es war wirklich unglaublich lecker, noch dazu ass ich gebratene Leber. Otousan und Okaasan waren sehr ueberrascht, dass mir das geschmeckt hat. Die Atmosphaere im Lokal war blau, da es nur Gerichte gab, die man grillen konnte und somit der ganze Qualm einen dichten Nebelschleier bildete! Trotzdem eines meiner neuen japanischen Lieblingsgerichte.
Das was auch schon wieder vom Wochenende.

Dein Jonathan

Freitag, 3. April 2009

Purikura reloaded

Dan, Sean, Nathalie und ich haben es dann endlich mal hinbekommen, uns alle vier zu treffen. Der Treffpunkt war mittags angesetzt und wider Erwarten kamen alle puenktlich.

Wir hatten es so besprochen, dass wir uns mittags treffen und dann etwas essen gehen, weil die anderen drei anscheinend kein Obento in den Ferien bekommen. Ich bin dann immer der einzige, der schon gesaettigt ist. Dan meinte, dass seine Gastmutter ihm einen gutes italienisches Restaurant empfohlen habe, welches auch gleich in der Naehe ist. Tatsaechlich liefen wir nur fuenf Minuten und waren da. Auf den ersten Blick schien es wirklich sehr gut zu sein, denn kaum drinnen angekommen, mussten wir erstmal eine Nummer ziehen und warten. Die Nummer 35, also unsere, wurde dann nach gut 15 Minuten aufgerufen und wir bekamen unseren Tisch. Natuerlich gab es ueberwiegend Pizza und Pasta und da ich ja schon halb satt war, nahm ich nur ein Brownie-Eis. Dan und Nathalie bestellten viel zu viel und so kam es, dass Sean, welcher eine Pasta mit Shrimps gegessen hatte, und ich auch noch bei den beiden mitgegessen haben. Danach gingen wir in das teure Fujimaru, das Einkaufscenter in dem ich das blaue Soda getrunken hatte.
Im Fujimaru musste Sean seine Schuluniform kaufen. Ich kann froh sein, nicht seine zu haben, denn er muss unter anderem eine von diesen haesslichen grauen Stoffhosen tragen. Waehrend er sich umzog und dies und das anprobierte schaute ich ein bisschen rum und fand die Schuluniform meiner Schule. Meine Schuluniform ist in Obihiro mit Abstand die teuerste! Allein fuer meine Jacke muss man mal eben 34.000 Yen (260 Euro) zahlen. Ich kann also nur hoffen, dass meine Schule am Ende meines Jahres so gnaedig sein wird und sie mir vielleicht billiger verkauft.
Anschliessend machten wir uns auf den Weg ins Posufuuru, in dem wir Purikura machen wollten. Ich bat die drei darum, den Tokachi Plaza zu umgehen, weil es zwei Uhr war und die christlichen Missionaere dort auf mich warten wuerden. Also liefen wir einen grossen Bogen und erreichten dann nach einem kleinen Umweg das Posufuuru. Da wir zu viert waren beschlossen wir zwei Mal Purikura zu machen. Gestern ist mir erst aufgefallen, dass es verschiedene Automaten gibt. Das erste Mal waren Dan und ich in einem "Kawaii"-Automaten. In diesen sind wir mit den anderen zwei auch wieder gegangen, danach in den danebenliegenden "Little Princess"-Automaten. Bei den Automaten sind sowohl Art der Fotos als auch die Bearbeitung verschieden, der Spass bleibt aber der gleiche. Naechste Woche gehen wir eventuell nochmal dort hin, diesmal um grosse Purikuras drucken zu lassen. Mittlerweile hatten wir schon viel Zeit vergeudet und schlenderten anschliessend nur noch durch Obihiro, bis Sean sich entschloss, nach Hause zu fahren. Dan und ich ueberredeten Nana (Nathalie) ins Nagasakiya zu gehen, weil ich eh nach Handschuhen gucken musste. Schnell hatte ich welche gefunden und nachdem wir uns ein paar Chips und etwas zu trinken goennten, setzten wir uns das erste Mal seit Stunden hin. Das war vielleicht angenehm. Die Zeit verging schnell und ich musste mich mit Okaasan um halb Sechs beim Fujimaru treffen, um meine Indoor-Schuhe fuer die Schule kaufen zu gehen. Ich verabschiedete mich von den beiden und lief wieder zurueck.
Beim Fujimaru traf ich dann wie abgemacht Okaasan und wir begaben und zu einem lokalen Sportladen. Natuerlich gibt es fuer meine Schule auch wieder spezielle Schuhe, die sie aber gerade nicht da hatten und erst bestellt werden mussten. Naechsten Mittwoch werden die Schuhe dann ankommen, naechsten Mittwoch habe ich aber bereits meinen ersten Schultag! Okaasan meinte, ich muss dann meine Joggingschuhe puzten und die fuer den Tag anziehen. Was anderes bleibt mir ja auch nicht uebrig.

Da gestern Donnerstag war, gingen Okaasan und ich auswaerts Essen, denn Otousan macht Donnerstags immer mit Arbeitskollegen einen Sake-Abend. Wir gingen in das Restaurant eines teuren Hotels, das Essen war auch wirklich sehr lecker. Nachdem ich mich so voll gestopft hatte, wurde ich auch schlagartig muede. Zu Hause musste ich aber noch Kanji lernen und da ich nicht in Rueckstand kommen will, tat ich dies auch. Zur Freude Fr.Berndts: Ich lerne jeden Tag vier Kanji! Da ich mich mit dem Sankyu nicht zufrieden geben will, muss ich noch sehr viel Kanji lernen und habe ausgerechnet, wie viel das jeden Tag sein muessen. Du wirst dich vielleicht fragen, was ueberhaupt der Sankyu ist. Jedes Jahr gibt es den JLPT (Japanese Language Profisciency Test), der in vier Stufen unterteilt ist. Stufe vier (Yonkyu) haette ich bereits vor meinem Austauschjahr absolvieren koennen und ist eigentlich nur Geldverschwendung. Stufe drei (Sankyu) ist meiner Meinung nach fuer Austauschschueler, die zu faul zum lernen waren. Von Stufe drei zu Stufe zwei (Nikyu) ist dann erstmal ein grosser Sprung. Wahrend man fuer Stufe drei 300 Kanji koennen muss, muss man fuer Stufe zwei 1.000 Kanji und 6.000 Vokabeln koennen! Mir fehlten als bei meiner Ankunft noch 860 Kanji, deshalb lerne ich fleissig und habe mein Kanjivokabular bisher um gut 30 Zeichen erweitert. Nana, die Halbjapanerin ist, will Stufe eins (Ikyu) machen. Fuer diese Stufe brauch man ca. 2.000 Kanji und 10.000 Vokabeln! Otousan und Okaasan meinte, dass der selbst fuer Japaner schwer sei.
Nach dem Lernen fragte ich Okaasan, welche Kanji fuer den Namen Yonas(u) benutzt werden wuerden. Wir dachten eine Weile drueber nach und haben dann auch passende gefunden, welche Bedeutung der Name hat, wird Jonas vorerst als einziger erfahren.

Dein Jonathan

Donnerstag, 2. April 2009

Schule, Schule, Schule!

Endlich. Endlich! Nach wochenlangem Warten konnte ich gestern endlich meine Schule besichtigen. Mein heutiger Post wird sich ausschliesslich damit befassen, weil er vermutlich etwas laenger wird.

Am Dienstag wurde mir von Okaasan mitgeteilt, dass ich mit meinem Homeroomteacher Kagawa-Sensei die Schule besichtigen werden. In Deutschland wuerde man meinen Lehrer Hr. Kagawa nennen, Sensei haengt man hier an den Nachnamen eines Lehrers ran. Aber was ist ein Homeroomteacher? Zuerst einmal, was ueberhaupt ein Homeroom ist. Ein Homeroom ist schlicht und einfach ein Klassenzimmer, in dem man sich die ganze Zeit aufhaelt, weil in Japan die Lehrer zu den Schuelern und nicht andersrum kommen. Die japanischen Schultische sind extrem klein und bieten gerade mal Platz fuer Federtasche und ein Buch (Die Tische sind fuer je einen Schueler.). Homeroom habe ich zwei mal pro Tag. Er geht nicht sehr lang, vielleicht 15 Minuten. Beim Homeroom muss die ganze Klasse (sofern nicht jemand krank ist) anwesend sein. Dort werden Sachen oder Probleme besprochen, die anstehen oder geklaert werden muessen. Der Homeroomteacher leitet das Ganze und haette bei uns etwas wie eine Klassenlehrerfunktion. Jede Klasse hat einen verschiedenen Homeroomteacher. Ich glaube ich habe grosses Glueck, Kagawa-Sensei als Homeroomteacher zu haben, weil er sehr sehr nett ist, aber dazu wirst du im Laufe des Blogs noch mehr lesen koennen. Kagawa-Sensei und ich trafen uns also wie verabredet am Obihiro Bahnhof und von dort aus nahm er mich im Auto mit. Interessanterweise ist mir sofort aufgefallen, dass er ohne Schuhe Auto faehrt. Mir wurde gesagt, ich solle doch bitte meine Seifuku fuer den Tag anziehen, was ich selbstverstaendlich gemacht habe.
Waehrend der Autofahrt fragte ich ihn das, was hier lebensentscheidend sein koennte. Volleyball. Ob ich denn nur in der Woche trainieren koenne, fragte ich ihn. Die Antwort kam schnell: "Ja." Dieses Ja war das wichtigste Ja was ich in Ja-pan (kleiner Witz am Rande, haette von Tina sein koennen) bisher gehoert habe! Volleyball! Meine Trainingszeiten sind folgende:

Montag: Frei (Jeder Sportclub hat einen freien Tag, haette mich aber mehr gefreut, wenn der freie Tag am Wochenende gewesen waere)
Dienstag: 16-19Uhr
Mittwoch: 16-17.30Uhr
Donnerstag: 16-19Uhr
Freitag: 17.30-19Uhr

Da ich den Computer nur bis 18 Uhr benuzten darf, heisst das auch, dass du nur noch jeden Montag einen neuen Blogeintrag erwarten kannst. Eine grosse Entschuldigung von mir erstmal soweit, aber Volleyball steht weit ueber dem Blog.
In der Schule durfte ich zum ersten (und wahrscheinlich auch zum letzten) Mal den Lehrereingang benutzen. Drinnen musste ich meine Schuhe ausziehen und hauseigene Slipper anziehen. Kagawa-Sensei zeigte mir dann jede Etage der Schule, wo was ist und wann ich was benutzen darf. Es ist wirklich unglaublich wie viele Schueler sich in der Schule befinden. Die Klassenzimmer sind zwar leer, aber mindestens 300 Schueler waren in der Schule und sind ihren Klubaktivitaeten nachgegangen. Das Lehrerzimmer war auch gut gefuellt und jeder Lehrer ging seiner Arbeit nach und musste Papierkram erledigen oder Namen sortieren oder sonstiges. Im Lehrerzimmer wurde ich vielen Lehrern vorgestellt, schlimm war nur, dass es immer einzeln war und ich jedesmal Namen und "Freut mich Sie kennen zu lernen"-Phrase wiederholen musste. Ich lernte meinen Mathelehrer, meinen Sportlehrer und meine Englischlehrerin kennen. Mein Volleyballklub-Lehrer war leider nicht da. Schon bekam ich die ersten Buecher, acht an der Zahl. Man glaubt es kaum, aber sagenhafte fuenf Buecher sind davon fuer Mathematik. Ich erfuhr spaeter noch, dass mein Stundenplan sehr naturwissenschaftlich zusammengestellt wurde, weil ich da auch ohne Japanischkenntnisse ein wenig verstehen kann (Schadenfreude ist hier durchaus angebracht.). Englisch wird hier vermutlich ziemlich einfach und endlich bekomme ich (hoffentlich) auch mal die Note, die ich verdient habe. Ich lernte dann noch die "hohen Tiere" der Schule kennen, unter anderem den Direktor. Der Direktor ist wirklich sehr nett und nachdem ich ein paar meiner Japanischkuenste bewiesen und Kagawa-Sensei manches ins Englische uebersetzt hatte, sagte der Direktor, dass es schoen waere, wenn ich ab und zu mal vorbeischauen wuerde, um ihm davon zu berichten, wie insbesondere das Schulleben in Japan sei. Sobald ich mein Japanisch fuer konversationsfaehig halte, werde ich dies auch tun.
Nach vielen ueberraschten Gesichtern japanischer Schueler, teilte Kagawa-Sensei mir mit, dass wir jetzt wieder fahren koennen. Wieder sind wir durch den Lehrereingang bzw. Ausgang geschritten, weil er den Trubel vermeiden wollte durch den Schuelereingang zu gehen, der von vielen Schuelern belagert wurde. Er schaute kurz zum Schuelereingang rueber und bedeutete mir, mit dahin zu gehen. Kaum 50 Meter entfernt, war mein Koerper von Blicken durchnaesst. Er zeigte mir etwas auf einem Papier, was ich nicht verstanden habe. Wahrscheinlich guckten mich alle anwesenden Schueler an. Die Maedchen die gleich neben mir standen, werden meine Klassenkameraden sein. Die Muender geoeffnet, brachte eine das Wort "Jonathan!" hervor. Ich nickte mit einem schuechternen "Hai" (Japanisch: Ja) und wir gingen auch schon wieder zum Auto. Kaum war mein Ruecken den Schuelern zugewandt, kam die Reaktion, die ich erwartet habe: "Kawaii" (Japanisch: suess, cool).
Im Auto fragte Kagawa-Sensei mich, ob es Ok waere, wenn er mich seiner Familie vorstellen wuerde. Kein Problem, antwortete ich (Unsere Unterhaltungen fanden nur in Englisch statt.). In seinem Haus empfingen uns dann auch gleich Frau und die ca. 7-jaehrige Tochter, welche sich noch schuechtern hinter ihrer Mutter versteckte. Mir wurde sofort Tee und Gebaeck angeboten. Auf dem Tisch lag ein Nintendo-DS und ich wurde gefragt, ob ich sowas denn kenne. Nachdem ich das bejaht habe, wurde das kleine Maedchen darum gebeten, ihn anzuschalten. Dann haben wir Mario gespielt und ueberraschenderweise war ich besser als sie. Jaja, die guten alten Zeiten mit dem NES (Google Bilder). Dann wurde mir angeboten, mit ihr Wii zu spielen, was ich natuerlich nicht abschlug. Als erstes spielten wir Tennis. Mit 3:2 war mir das kleine Maedchen unterlegen und immer, wenn ich ein Punkt machte, huepfte sie hin und her und grinste dabei. Danach spielten wir Baseball, bei dem ich selbst die Eltern ueberraschen konnte, weil diese nicht wussten, dass man durch das Druecken verschiedener Tasten die Richtung des Balls aendern kann. Es war ein hartes Match, doch durch einen erzielten Homerun konnte ich einen 1:0 Sieg erzwingen. Leider musste Kagawa-Sensei zurueck zur Schule und deshalb musste ich auch gehen, weil er mich ja schliesslich nach Hause fahren musste. Ich denke, ich werde nicht das letzte Mal dort gewesen sein.
Auf dem Rueckweg sprachen wir noch ein bisschen ueber Klubs. Ich erzaehlte ihm, dass ich dann fast jeden Tag (ausser Montag) Sport mache und das ich mit Okaasan und Otousan eventuell am Marathon teilnehmen werde. Er meinte, dass es auch mal einen Marathonklub an der Schule gab. Aber als vor langer Zeit ein Schueler in diesem Klub beim Marathon gestorben ist, wurde der Klub aus dem Schulprogramm rausgenommen. Beim Bahnhof angekommen zeigte ich ihm, wo ich wohne. Da dies nur zwei Minuten Fussweg entfernt ist, beschloss er, mich noch schnell hinzufahren. Ich kann wirklich von Glueck reden, dass er das getan hat, sonst waer ich naemlich auf dem Rueckweg den christian missionaires begegnet, die sich heute mit mir treffen wollen! Ich hoffe die warten nicht eine Stunde auf mich, weil ich denen sonst vielleicht noch begegne.

Das wars erstmal soweit von der Schule, in sechs Tagen ist mein erster Schultag, ich kann es kaum erwarten!

Dein Jonathan

Mittwoch, 1. April 2009

Gluecksspiele

Endlich haben wir es dann doch mal hinbekommen, einen Treffpunkt auszumachen und etwas zusammen zu unternehmen! Nathalie aus der Schweiz hat die Nachricht wohl nicht erreicht, also zog ich gestern mit Sean und Dan rum.

Da wir schon sehr oft im Nagasakiya waren, beschlossen wir ins Fujimaru zu gehen. Dort gab es aber fast nur Kleidung und wir haben uns in ein Restaurant gesetzt, bei dem wir spaeter merkten, dass es sehr teuer war. Sean ass ein zu teuren Eisbecher, Dan trank einen zu teuren Eiskaffee und ich schluerfte zu teure blaue Limonade mit einer Eiskugel. Meins war noch am billigsten, hat auch geschmeckt, aber der Preis war mal wieder ungeheuerlich. Dan hatte der Kellnerin probiert klarzumachen, dass er gerne Tee trinken wuerde und hat das mit dem japanischen Wort dafuer probiert. Entweder war die Kellnerin eine Japanerin, die kein Japanisch konnte oder sie mochte uns nicht. Jedenfalls hat Dan keinen Tee bekommen, weil es leichte Kommunikationsschwierigkeiten gab. Das war insofern nicht schlimm, weil wir alle drei einen riesen Spass deswegen hatten. So entschieden wir uns wieder ins Nagasakiya zu gehen, weil es dort billiger ist und wir auch noch Purikura machen wollten. Im Nagasakiya sind wir in die Abteilung gegangen, in welcher es die ganzen Gluecksspielautomaten gibt. Einarmige Banditen gibt es dort auch, die sind aber nur fuer Erwachsene. Dieser Platz wird Game Corner genannt und man sieht dort sehr viele Kinder und Schueler, manche sind erst 10 Jahre oder juenger. Im Center der Game Corner stand ein grosser Fernseher, vor dem man ein Ballerspiel spielen kann (mit Plastikgewehren). Und was seh ich da? Ich konnte meinen Augen erst nicht trauen, aber da stand ein ca. 7-jaehriges Maedchen und hatte diese Pistole in der Hand und erschoss virtuelle Menschen. Der Vater assistierte ihr dabei und half ihr beim Halten der Waffe. Waehrend das kleine Maedchen eher staunte, sass der Vater grinsend daneben. Als die beiden weg waren, haben Sean und Dan auch gleich mal gespielt, sehr zum Vergnuegen meinerseits. Wir entschieden uns, keine Purikura zu machen, weil es einfach zu voll war. Generell wurden wir wieder von allen angestarrt und viele zeigten dann auf uns und fluestern ihren Freunden etwas zu.
Wir gingen dann also weiter rum und Dan und Sean wollten unbedingt an so einem Automaten spielen, wo man Dinge mit einem Greifarm hochheben muss. Sie haben alles moegliche probiert, aber nichts bekommen. Nachdem wir fast alle Automaten abgegrast haben, sahen wir einen sehr bizarren, wenn nicht sogar perversen Automaten. Unglaublich aber wahr, man konnte lebendige Fische im Glas fuer 100 Yen angeln (wenn man gut genug war). Dan probierte auch das und schlug wieder fehl. Da es bald anfingen wuerde zu regnen, trennten sich wieder unsere Wege, aber wir machten gleich einen neuen "Termin" aus, welcher am Donnerstag sein wird.

Abends kam Okaasan zurueck und hatte ein langes Telefongespraech mit meinem Homeroomteacher (dazu morgen naehres) Kagawa-Sensei. Wie nicht anders zu erwarten, muss ich eine Rede vor der ganzen Schule halten. Die habe ich auch schon fertig. Ich glaube, das wird sehr interessant... Als Dessert gab es nach dem Abendessen Minzeis, welches von Okaasans Schwaegerin selbstgemacht wurde. Es uebertrifft jegliches Minzeis, was ich bisher gegessen habe! Uebrigens finde ich es sehr suess von Okaasan, dass sie mir immer neue Suessigkeiten mitbringt. Die sind zwar klein, aber als Ernaehrungsspezialistin will sie mich ja auch nicht vollstopfen. Ich bekomme also oft traditionell japanische Suessigkeiten zu fassen, was sehr toll ist.

Und wieder eine kleine Nachricht nebenbei. Okaasan hat mir die Kanji fuer Yoni gezeigt. Uebersetzt heissen sie so viel wie "eine vertrauenswuerdige Person". Zum Glueck sind die Kanji recht einfach, also kann ich sie auch nicht vergessen. Der Eintrag heute ist mal ein bisschen kuerzer gebunden, weil ich immernoch aufgeregt bin, aber auch dazu wirst du morgen mehr lesen koennen.

Dein Jonathan

P.S.: Die Kommentarfunktion kann jetzt auch fuer nicht registrierte Nutzer in Gebrauch genommen werden. Ich waere dem Leser aber sehr verbunden, wenn er seinen Namen angeben wuerde. Vielleicht beantworte ich auch nur Kommentare mit Namen! Des weiteren kann man jetzt erste Fotos auf dem Schuelervz betrachten. Da ich bisher keine andere gute Seite gefunden habe, tut es mir Leid fuer die, die dort keinen Account haben. Sorry!