Endlich ist es soweit, ich habe ein weiteres unwichtiges Lebensalter erreicht (Was bedeutet schon die 17?), aber werde von nun an steil auf die 18 zugehen. Da in japanischen Schulen der Geburtstag eigentlich kaum von Bedeutung ist, bin ich auch nicht mit allzu grossen Erwartungen zur Schule gefahren. Keisuke hatte mir bereits gesagt, dass er mir was schenken wird, worauf ich natuelich sehr gespannt war. Doch ich fang erstmal von vorne an.
Wie jeden morgen trotzte ich in das Wohnzimmer um den Tisch zu decken und wie jeden morgen stand Otousan in der Kueche und bereitete das Fruehstueck vor. Seinem alltaeglichen "Ohayo" fuegte er noch ein schwaches "Otanjobi omedetto" (Alles Gute zum Geburtstag) hinzu. Das wars auch schon. Hat mich ehrlich gesagt schon ein bisschen enttaeuscht, aber so ist das hier nunmal. Als erstes machte ich mich ueber das Paket her, welches ich aus Deutschland geschickt bekommen habe. Da ich mir nicht wirklich irgendwas gewuenscht habe, sondern einfach nur Sachen habe schicken lassen, die bei mir noch rumlagen, auch in dem Paket keine Ueberraschungen. Was drin war? Nun, alte deutsche Buecher, die eigentlich kein Mensch lesen will, aber trotzdem sehr beruehmt sind (Bestes Beispiel "Homo Faber" von Max Frisch. Das war gluecklicherweise nicht im Paket drin.), der Schokoladenkalender den mir Prof.Dr.Jonas von Komoss zu Weihnachten geschenkt hat (jeden Monat ein neues Taefelchen), eine kurze Jeans und meine lang ersehnten Bilder von Finn und Hanna. Waehrend ich am Ausweiden des Paketes war, kam auch Okaasan ins Zimmer und beglueckwuenschte mich schon etwas intensiver als Otousan. Der Morgen verlief eigentlich wie immer sehr routiniert.
Genau so wie das Treffen mit Nathalie jeden Morgen. Sie fragte mich, ob ich heute Zeit haette. Ich verneinte und sagte, dass ich eventuell mit Okaasan und Otousan zusammen essen gehen werde. Ploetzlich fiel ihr dann auch ein, dass ich ja heute Geburtstag habe. Nathalie beglueckwuenschte mich so, wie ich es aus Deutschland gewoehnt bin, mal abgesehen von der Umarmung, aber die geht auf dem Fahrrad schlecht. Unser Gespraechsthema war hauptseachlich , ja - mein Geburtstag.
Bis heute Mittag wussten nur drei Leute, dass ich Geburtstag habe. Nari wollte mir etwas schenken, aber ich konnte sie ueberreden, das nicht zu tun. Remi hatte mir um 0:00 Uhr eine Geburtstagsmail geschickt. Die dritte Person ist eine der Frauen, die das Brot in der Schule verkaufen. Da ich in meiner Freizeit dort immer kurz vor Stundenende hingehe, Brot kaufe und noch 'n bisschen quatsche, verstehe ich mich mit ihr recht gut. Sie hatte mir per Mail (SMS sind hier nur Mails) geschrieben, dass ich doch bitte heute zum Verkaufsstand kommen soll. Gesagt, getan - die beiden Verkaufsdamen schenkten mir mein Lieblingsbrot und einen Vanille-Muffin!
Natuerlich bekam ich dann auch von Keisuke mein Geschenk. Es ist ein Anhaenger fuers Handy (davon hat jeder mindestens zwei am Handy) und was steht drauf: "Volleyball-Star" (natuerlich auf Japanisch), sieht voll toll aus und ist eine echt tolle Idee von ihm! Ich haette ihn ja am liebsten umarmt, aber wie bereits bekannt, waere ich dann vermutlich mit den japanischen Gewohnheiten in Konflikt geraten.
Fujisaki ist am Anfang der Mittagspause sofort losgesprintet, wie ein paar andere Jungs meiner Klasse, natuerlich Richtung Brotverkaufsstand. Wahrend ich noch mit meinem super-supertollen Altjapanisch-Lehrer quatschte, kam Fujisaki und hat mir mein Lieblingsbrot hingestellt! Dem Lehrer erzaehlte er auch gleich, dass ich Geburtstag habe, welcher mich daraufhin ueberschwenglich beglueckwuenschte.
Waehrend der Mittagspause bin ich mit relativ teuren Keksen in der Schule rumgegangen und habe jedem aus meinem Volleyball-Klub einen gegeben. Yoshiaki hat mir daraufhin ein Kartoffelbaellchen aus seinem Obento per Staebchen in den Mund gesteckt. Auf der Suche nach dem Captain, welcher im hoeheren Jahrgang ist, begegnete ich Maedchen aus dem Volleyballteam, natuerlich auch hoeherer Jahrgang, mit denen ich mich aber gut verstehe. Auch wenn die Kekse rar waren, drueckte ich welche an sie ab und erntete nach diversen Erklaerungen geschaetzte zweitausend Glueckwuensche. Die Idee mit den Keksen kam also gut an.
Als Abschluss bin ich mit Nathalie nach Hause gefahren und wie konnte es anders sein, ja sie hatte auch noch ein Geschenk fuer mich. Aber es war nicht irgendwas nein, es war eine Lindt Lindor Schokoladentafel, im teuersten Kaufhaus hier gekauft (Preis ca. 3 Euro). Da sie heute frueher Schluss hatte, ist sie extra zu dem Kaufhaus gefahren und hat die Tafel gekauft. Auf dem Rueckweg musste ich ihr natuerlich alles vom heutigen Tag erzaehlen, aber normalerweise laber ich sowieso immer vor mich hin und sie hoert zu (glaube ich zumindest). Das war mein Tag bisher!
Auf einem Bild habe ich gesehen, dass Okaasan meiner Vorgaengerin zum Geburtstag eine Schokoladentorte gemacht hatte, ich hoffe natuerlich auch auf ein leckeres Toertchen.
Dein (aetsch, juenger als du) Jonathan
Donnerstag, 4. Juni 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Wuoooooooow
AntwortenLöschenund nochmal hier alles Gute.
das ist echt nett das du dich erbarmt hast hier einen eintrag zu machen xD
....düm de lüm de düm
ich hatte heute die mündl. eng. Prüfung xD
ich dacht mri so na toll dann kann ich jonathans geburtstag bestimmt nicht vergessen xD
mensch jungchen jetzt bist du schon so lange dort xD
dein abschluss satz kapier ich nicht
von mir auch nochmal =)
AntwortenLöschenund sry dass unser paket n bissche braucht xD
Alles gute xD
Leer & CO
Hier auch nochmal alles gute :D
AntwortenLöschen<3
nix ätsch!
AntwortenLöschenICh bin jünger xD
na, dann muss ich dir hier wohl auch noch mal alles gute wünschen (jetzt schon nachträglich ;-))
AntwortenLöschenbringt dein japanaufenthalt auch wortschöpfungen mit sich? ich wusste gar nicht, dass man ins wohnzimmer "trotzen" kann...
oder ist mir da was entgangen? :D
Lene