Mittwoch, 8. April 2009

Aufgeregt waere untertrieben

Endlich war es soweit. Heute hatte ich meinen ersten Schultag! Es gibt viel zu berichten und ich will dich nicht lange auf die Folter spannen.

Schon bevor ich ueberhaupt losgefahren bin, war ich aufgeregt. Auf dem Hinweg begegnete ich ziemlich frueh einem Schueler meiner Schule. Nachdem ich ihn ueberholt hatte, legte er wahrscheinlich an Tempo zu und ist mir die ganze Zeit hinterhergefahren. Je naeher ich der Schule kam, desto mehr Schueler begegneten mir. Sie schauten mich natuerlich interessiert an, weil ich schliesslich die gleiche Schuluniform trug. In der Schule schloss ich mein Fahrrad an und ging diesmal durch den Schuelereingang. Drinnen machte ich auch schon meinen ersten Fehler: Ich stand mit meinen Indoor-Schuhen auf dem Teppich. Das ist unhoeflich und ich denke mal, ein paar Schueler haben sich da schon gewundert. Am Eingang hatte ich auch schon mein erstes Problem: Ich wusste nicht, welches Schliessfach mir gehoert. Also nahm ich das naechst leere und steckte dort einfach meine Strassenschuhe rein. Nachdem ich kurz auf den Plan geguckt hatte, bin ich zum Klassenzimmer gegangen. Da mein Klassenzimmer in der Mitte des Ganges liegt und es ja kein Unterricht war, gab es, wo immer ich auch lang gegangen bin, viele Diskussionen und Starrereien. Im Klassenzimmer zeigten mir dann zwei Klassenkameradinnen wo ich sitze (fast ganz hinten). In 15 Minuten wuerde der Unterricht beginnen, auch diese 15 Minuten waren aeusserst interessant. Viele Schueler schleppten Freunde mit zu meinem Klassenzimmer und starrten. Andere gingen ganz zufaellig mehrmals am Klassenzimmer vorbei, guckten mich ganz zufaellig lange an und gingen ganz zufaellig mehrmals hin und her. Es war wirklich interessant, wahrscheinlich kannte mich schon jeder Schueler meiner Jahrgangsstufe, bevor ich mich ueberhaupt vorgestellt hatte. Kagawa-Sensei kam dann auch zum Homeroombeginn. Als erstes klaerten wir das mit dem Schliessfach. Das, wo ich meine Schuhe reingetan habe, gehoerte nicht mir, was ich auch schnell merkte, weil meine Schuhe dann vom Besitzer woanders hingestellt wurden. Mittlerweile habe ich jedoch mein eigenes Schliessfach.
Nachdem Kagawa-Sensei einige Blaetter ausgeteilt hatte, bat er mich, nach vorne zu kommen. Ahnungslos ging ich nach vorn. Dann meinte er, ich soll jetzt meine Rede halten. Das ich eine vor der Klasse halten muss wusste ich, aber damit hat er mich ziemlich ueberrascht, weil ich dachte, das muss ich erst spaeter machen. Meinen Notizzettel hatte ich natuerlich nicht mit nach vorne genommen, also stellte ich mich kurz vor und durfte mich gluecklicherweise wieder hinsetzen. Dann gingen wir auch schon in die grosse Turnhalle, wo die Begruessungszeremonie stattfinden sollte. In Reih und Glied betraten wir die riesige Turnhalle und nach und nach waren alle Klassen der drei Jahrgangsstufen anwesend. Oft drehten Schueler die Koepfe zu mir (ich sass ganz hinten) und manche sprachen mich auch in schlechtem Englisch an. Als erstes wurden neue Lehrer begruesst, die man dann mit einem mueden "Ohayou Gozaimasu" von den Schuelern willkommen hiess. Waehrend der Direktor seine Rede hielt, bat mich Kagawa-Sensei mitzukommen. Wir gingen vorbei an den militaerisch angeordneten Reihen der Schueler, Richtung Buehne. Mein Herz raste immer wilder. Als ich dann aufgerufen wurde und die Buehne betreten musste, ist es vermutlich abwechselnd von den Zehen zum Gehirn gesprungen. Da stand ich nun. Alle Augen auf mich gerichtet, die schlafenden Schueler waren auf einmal alle wach und starrten mich an. Haette ich den Zettel in der Hand gehalten, haetten die Schueler wahrscheinlich gedacht, ich habe Parkinson, so aufgeregt war ich. Nachdem ich meine 30 Sekunden-Rede beendet hatte, gab es grossen Applaus und im Gegensatz zu den neuen Lehrern ein sehr froehliches "Ohayou Gozaimasu". Nach der Zeremonie hatten wir wieder eine kurze Besprechung und mussten anschliessend wieder in die Turnhalle.
In der Turnhalle versammelten sich diesmal "nur" die Schueler meines Jahrgangs, wieder sehr sorgfaeltig aufgestellt. Dann hielten einige Lehrer Reden und schliesslich musste ich zu meiner letzten Ansprache nach vorn. Wieder wurde ich angekuendigt, doch diesmal war es danach sehr sehr leise. Das einzige, was man hoeren konnte, waren meine schweren Schritte auf dem Parkettboden, die ich probiert habe leichter zu machen. Kagawa-Sensei und ich hatten abgemacht, dass ich diesmal die selbe Rede halten werde, bloss noch in Englisch und Deutsch. Das habe ich dann in Japanisch angekuendigt, was bei einigen Schuelern begeisterte Gesichter hervorrief. Der Applaus nach den "drei" Reden war diesmal sogar groesser. Ich war froh, dass ich die ganzen Reden hinter mir hatte, das ist nichts fuer schwache Nerven.
Eigentlich haetten wir das Klassenzimmer danach sauber machen muessen, aber Kagawa-Sensei meinte, es sei ordentlich genug. Als ich die Milka-Schokolade rausholte, welche ein Geschenk an die Schueler sein wuerde, wurden die Augen auf einmal groesser. Auch hier werden alle Entscheidungen mit Schere, Stein, Papier gefaellt und nachdem die Maedchen gewonnen hatten, durften sie als erstes Schokolade nehmen. Jeder hat sich einzeln bei mir bedankt und damit war der erste Tag eigentlich zu Ende. Vorm Klassenzimmer habe ich mich dann noch mit ein paar Jungs aus meiner Klasse unterhalten, aber nach und nach sammelten sich immer mehr Jungs um mich und stellten mir erwartungsgemaess zum Teil sehr gewoehnungsbeduerftige Fragen. Einer hat mich sogar angesprungen und den Arm um meine Schulter gelegt, was mich nicht gestoert, sondern eher ueberrascht hat, weil das in Japan nicht ueblich ist. Irgendwann verabschiedete ich mich und als ich den Gang langgegangen bin, gruesste mich fast jeder und sagte mir "Tschuess" (auf Japanisch natuerlich). Selbst als ich mein Fahrrad abgeschlossen habe und losgefahren bin, musste ich mich pausenlos von anderen Schuelern verabschieden. Das war eigentlich ganz lustig, weil ich auch wieder mit einer sehr einfachen japanischen Phrase geantwortet habe, welche die Schueler (warum auch immer) in Staunen versetzte. Auf dem Rueckweg begegneten mir noch diverse Schueler und jeder, wirklich jeder winkte mir zu oder verabschiedete sich. Irgendwann traf ich dann auch meinen vermutlich ersten Freund hier - Ren. Wir redeten viel Japanisch auf unserem gemeinsamen Rueckweg, ab und zu probierte er mir auch Woerter auf Englisch zu erklaeren, was meistens fehl schlug. Er fragte mich, ob alle Deutschen blond seien. Nachdem ich ihm erklaeren konnte, das dies nicht so ist, waren wir auch schon bei meiner Wohnung und verabschiedeten uns voneinander. Morgen wird es bestimmt genauso aufregend, denn ich werde Englisch-, Mathe- und Japanischtests schreiben!
Das war mein erster, sehr schoener, Schultag!

Dein Jonathan

5 Kommentare:

  1. 1.

    wuoooow (polli wow)
    Das ist echt cranker scheiß.
    Die Rede auf deutsch/englisch haben bestimmt nur wenige geschnallt ^^
    aber das glück wünschen hat ja ansheinend was gebracht ^^

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  2. Das war ja klar xD
    Blonde menschen sind da immer ne Attraktion
    hach das wird toll
    und morgen (heute) steht Volleyballturnier an?

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  3. Wow, is ja krass, du musstest 3 Reden halten?! Da würd ich ja total durchdrehen :D
    Haha ich kanns mir irgendwie vorstellen, wie du von den ganzen Japanern wie ne Attraktion behandelt wirst.. :)

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  4. Wann gehts denn endlich los mitm volleyball spielen?! man x]
    Ich möchte doch lesen, wie du sie alle fertig machst x]

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  5. woooah : O
    du hast es geschafft (die reden)! XD
    man man man...

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