Endlich. Endlich! Nach wochenlangem Warten konnte ich gestern endlich meine Schule besichtigen. Mein heutiger Post wird sich ausschliesslich damit befassen, weil er vermutlich etwas laenger wird.
Am Dienstag wurde mir von Okaasan mitgeteilt, dass ich mit meinem Homeroomteacher Kagawa-Sensei die Schule besichtigen werden. In Deutschland wuerde man meinen Lehrer Hr. Kagawa nennen, Sensei haengt man hier an den Nachnamen eines Lehrers ran. Aber was ist ein Homeroomteacher? Zuerst einmal, was ueberhaupt ein Homeroom ist. Ein Homeroom ist schlicht und einfach ein Klassenzimmer, in dem man sich die ganze Zeit aufhaelt, weil in Japan die Lehrer zu den Schuelern und nicht andersrum kommen. Die japanischen Schultische sind extrem klein und bieten gerade mal Platz fuer Federtasche und ein Buch (Die Tische sind fuer je einen Schueler.). Homeroom habe ich zwei mal pro Tag. Er geht nicht sehr lang, vielleicht 15 Minuten. Beim Homeroom muss die ganze Klasse (sofern nicht jemand krank ist) anwesend sein. Dort werden Sachen oder Probleme besprochen, die anstehen oder geklaert werden muessen. Der Homeroomteacher leitet das Ganze und haette bei uns etwas wie eine Klassenlehrerfunktion. Jede Klasse hat einen verschiedenen Homeroomteacher. Ich glaube ich habe grosses Glueck, Kagawa-Sensei als Homeroomteacher zu haben, weil er sehr sehr nett ist, aber dazu wirst du im Laufe des Blogs noch mehr lesen koennen. Kagawa-Sensei und ich trafen uns also wie verabredet am Obihiro Bahnhof und von dort aus nahm er mich im Auto mit. Interessanterweise ist mir sofort aufgefallen, dass er ohne Schuhe Auto faehrt. Mir wurde gesagt, ich solle doch bitte meine Seifuku fuer den Tag anziehen, was ich selbstverstaendlich gemacht habe.
Waehrend der Autofahrt fragte ich ihn das, was hier lebensentscheidend sein koennte. Volleyball. Ob ich denn nur in der Woche trainieren koenne, fragte ich ihn. Die Antwort kam schnell: "Ja." Dieses Ja war das wichtigste Ja was ich in Ja-pan (kleiner Witz am Rande, haette von Tina sein koennen) bisher gehoert habe! Volleyball! Meine Trainingszeiten sind folgende:
Montag: Frei (Jeder Sportclub hat einen freien Tag, haette mich aber mehr gefreut, wenn der freie Tag am Wochenende gewesen waere)
Dienstag: 16-19Uhr
Mittwoch: 16-17.30Uhr
Donnerstag: 16-19Uhr
Freitag: 17.30-19Uhr
Da ich den Computer nur bis 18 Uhr benuzten darf, heisst das auch, dass du nur noch jeden Montag einen neuen Blogeintrag erwarten kannst. Eine grosse Entschuldigung von mir erstmal soweit, aber Volleyball steht weit ueber dem Blog.
In der Schule durfte ich zum ersten (und wahrscheinlich auch zum letzten) Mal den Lehrereingang benutzen. Drinnen musste ich meine Schuhe ausziehen und hauseigene Slipper anziehen. Kagawa-Sensei zeigte mir dann jede Etage der Schule, wo was ist und wann ich was benutzen darf. Es ist wirklich unglaublich wie viele Schueler sich in der Schule befinden. Die Klassenzimmer sind zwar leer, aber mindestens 300 Schueler waren in der Schule und sind ihren Klubaktivitaeten nachgegangen. Das Lehrerzimmer war auch gut gefuellt und jeder Lehrer ging seiner Arbeit nach und musste Papierkram erledigen oder Namen sortieren oder sonstiges. Im Lehrerzimmer wurde ich vielen Lehrern vorgestellt, schlimm war nur, dass es immer einzeln war und ich jedesmal Namen und "Freut mich Sie kennen zu lernen"-Phrase wiederholen musste. Ich lernte meinen Mathelehrer, meinen Sportlehrer und meine Englischlehrerin kennen. Mein Volleyballklub-Lehrer war leider nicht da. Schon bekam ich die ersten Buecher, acht an der Zahl. Man glaubt es kaum, aber sagenhafte fuenf Buecher sind davon fuer Mathematik. Ich erfuhr spaeter noch, dass mein Stundenplan sehr naturwissenschaftlich zusammengestellt wurde, weil ich da auch ohne Japanischkenntnisse ein wenig verstehen kann (Schadenfreude ist hier durchaus angebracht.). Englisch wird hier vermutlich ziemlich einfach und endlich bekomme ich (hoffentlich) auch mal die Note, die ich verdient habe. Ich lernte dann noch die "hohen Tiere" der Schule kennen, unter anderem den Direktor. Der Direktor ist wirklich sehr nett und nachdem ich ein paar meiner Japanischkuenste bewiesen und Kagawa-Sensei manches ins Englische uebersetzt hatte, sagte der Direktor, dass es schoen waere, wenn ich ab und zu mal vorbeischauen wuerde, um ihm davon zu berichten, wie insbesondere das Schulleben in Japan sei. Sobald ich mein Japanisch fuer konversationsfaehig halte, werde ich dies auch tun.
Nach vielen ueberraschten Gesichtern japanischer Schueler, teilte Kagawa-Sensei mir mit, dass wir jetzt wieder fahren koennen. Wieder sind wir durch den Lehrereingang bzw. Ausgang geschritten, weil er den Trubel vermeiden wollte durch den Schuelereingang zu gehen, der von vielen Schuelern belagert wurde. Er schaute kurz zum Schuelereingang rueber und bedeutete mir, mit dahin zu gehen. Kaum 50 Meter entfernt, war mein Koerper von Blicken durchnaesst. Er zeigte mir etwas auf einem Papier, was ich nicht verstanden habe. Wahrscheinlich guckten mich alle anwesenden Schueler an. Die Maedchen die gleich neben mir standen, werden meine Klassenkameraden sein. Die Muender geoeffnet, brachte eine das Wort "Jonathan!" hervor. Ich nickte mit einem schuechternen "Hai" (Japanisch: Ja) und wir gingen auch schon wieder zum Auto. Kaum war mein Ruecken den Schuelern zugewandt, kam die Reaktion, die ich erwartet habe: "Kawaii" (Japanisch: suess, cool).
Im Auto fragte Kagawa-Sensei mich, ob es Ok waere, wenn er mich seiner Familie vorstellen wuerde. Kein Problem, antwortete ich (Unsere Unterhaltungen fanden nur in Englisch statt.). In seinem Haus empfingen uns dann auch gleich Frau und die ca. 7-jaehrige Tochter, welche sich noch schuechtern hinter ihrer Mutter versteckte. Mir wurde sofort Tee und Gebaeck angeboten. Auf dem Tisch lag ein Nintendo-DS und ich wurde gefragt, ob ich sowas denn kenne. Nachdem ich das bejaht habe, wurde das kleine Maedchen darum gebeten, ihn anzuschalten. Dann haben wir Mario gespielt und ueberraschenderweise war ich besser als sie. Jaja, die guten alten Zeiten mit dem NES (Google Bilder). Dann wurde mir angeboten, mit ihr Wii zu spielen, was ich natuerlich nicht abschlug. Als erstes spielten wir Tennis. Mit 3:2 war mir das kleine Maedchen unterlegen und immer, wenn ich ein Punkt machte, huepfte sie hin und her und grinste dabei. Danach spielten wir Baseball, bei dem ich selbst die Eltern ueberraschen konnte, weil diese nicht wussten, dass man durch das Druecken verschiedener Tasten die Richtung des Balls aendern kann. Es war ein hartes Match, doch durch einen erzielten Homerun konnte ich einen 1:0 Sieg erzwingen. Leider musste Kagawa-Sensei zurueck zur Schule und deshalb musste ich auch gehen, weil er mich ja schliesslich nach Hause fahren musste. Ich denke, ich werde nicht das letzte Mal dort gewesen sein.
Auf dem Rueckweg sprachen wir noch ein bisschen ueber Klubs. Ich erzaehlte ihm, dass ich dann fast jeden Tag (ausser Montag) Sport mache und das ich mit Okaasan und Otousan eventuell am Marathon teilnehmen werde. Er meinte, dass es auch mal einen Marathonklub an der Schule gab. Aber als vor langer Zeit ein Schueler in diesem Klub beim Marathon gestorben ist, wurde der Klub aus dem Schulprogramm rausgenommen. Beim Bahnhof angekommen zeigte ich ihm, wo ich wohne. Da dies nur zwei Minuten Fussweg entfernt ist, beschloss er, mich noch schnell hinzufahren. Ich kann wirklich von Glueck reden, dass er das getan hat, sonst waer ich naemlich auf dem Rueckweg den christian missionaires begegnet, die sich heute mit mir treffen wollen! Ich hoffe die warten nicht eine Stunde auf mich, weil ich denen sonst vielleicht noch begegne.
Das wars erstmal soweit von der Schule, in sechs Tagen ist mein erster Schultag, ich kann es kaum erwarten!
Dein Jonathan
Donnerstag, 2. April 2009
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ohh wiederma die erste
AntwortenLöschenun das bei so einem besonderen block ^^
tja was sag ich jetz dazu xD ich freu mcih total dass das mit volleyball geklappt hat un du deine schuhe auch benutzn kannst!
allerdings das mit dem block...-.- xD
na ok aba t-dem geil ^^
viel spaß noch un wiederma grüße von alles un jedem
Leer
oh ich hab block geschrieben statt blog xD
AntwortenLöschenvolleyball steht sowieso über allem
AntwortenLöschenaber bitte nich besser werden-.-
ich hab kein training und du in japan hast es was is denn das fürn kack
seit wann findest du die schule eigentlich toll?^^
have fun and good luck
Jones
Es ist insofern toll, weil es einfach ganz anders ist und ich einfach mal doppelt so hoch wie du springen werde XD
AntwortenLöschenwohl zu viele animes gesehen! aber ich sag ja, das können nich alles profi-sportler werden! auf jeden fall freut es mich, dass das alles so gut kappt. dass du den blog nicht so intensiv weiterführen wirst war doch eigentlich auch abzusehen. spätestens wenn der alltag eintritt wird es eh schwierig werden, immer etwas neues zu finden!
AntwortenLöschenja und wegen der mädchen! is doch klar, dass die auf dich stehen! du bist blond und was viel wichtiger ist, du sprichst englisch! ;)
achja, zum englisch-unterricht: nicht leichtsinnig werden! die können zwar alle nich reden, aber was die teilweise an ausdrücken kennen is schon beeindruckend (bzw manchmalso seltsam japanisch, dass ich mich oft fragen muss, ob muttersprachler das auch verstehen!). in estland mochten sie meine englisch nicht, zu frei! (hatte nur einmal nen lehrer, bei dem es nicht auswendig-gelernt klang, der war leider nur vertretung!)
AntwortenLöschenDer Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
AntwortenLöschenBeim Marathon gestorben o.O an nem Schwächeanfall oder wie?
AntwortenLöschencool. XD dein sensei is ja fett!
AntwortenLöschenund die tochter erst recht !!
Genau Chris. Ist bei laengeren Marathons aber ueblich. Beim Berlin Marathon stirbt auch immer mindestens einer.
AntwortenLöschenJa Maxi bei mir sind Ferien^^ Zum Glueck nurnoch bis Mittwoch!
AntwortenLöschenJa-pan, haha ich lach mich tot XDDD
AntwortenLöschenich würd mich über einen mehr naturwissenschaftlichen unterricht freuen ^^
kagawa sensei is ja echt nett. und marathon is ja ehct gefährlich...
na dann noch viel spaß
Tina