Ein japanisches Ohayou gozaimasu von mir. Da ich nur wenig von gestern zu berichten habe, wird heute mal mein taegliches Fruehstueck und die japanischen Zaehne etwas genauer untersucht. Trotzdem gibt es heute eine Blogpremiere: ein eingebauter Dialog, mit welchem ich auch gleich anfangen werde.
Eigentlich sollte es ein lustiger Tag mit den anderen AFSern werden. Doch auf Grund fehlender Kommunikationsmoeglichkeiten musste ich mich den ganzen Tag langweilen und lernen. Sean (USA) und ich hatten ausgemacht, dass wir uns zu zweit treffen, er hatte das aber irgendwie missverstanden und kam nicht zum Treffpunkt. Ich suchte und suchte ihn am Tokachi Plaza doch ich konnte ihn nicht finden. Als ich ueber die Strasse ging, sah ich aus dem Augenwinkel noch zwei Auslaender, einer davon blond, und dachte mir, dass der sicherlich genau so oft angestarrt wird wie ich. Getreu dem Motto "Rot heisst warten, bei Gruen darfst du starten." stand ich also da, bis mich die beiden ca. 20-jaehrigen anquatschten. Das Gespraech verlief ungefaehr so:
Ami: "Hey, how are you?"
Ich: "..."
Ami: "Where are you from?"
Ich: "Germany."
Ami: "Oh really? That's so cool!"
Ami: "Are you like an exchange student or something?"
Ich: "Yes."
Ami: "Wow, your English is quite good then!" (Memo: Ich habe nichtmal wirklich was gesagt.)
Ich: "Thank you."
Ami: "Are you religious?"
Ich: "Yes, I'm christian." (Wie mans nimmt.....)
Ami: "Really? So we are friends!!" *Haendeschuetteln*
Ami: "Did you ever wonder why there are so many christian churches?"
Ich: "Yes." (Falsche Antwort.)
Ami: "Do you often go to church?"
Ich: "No, actually I never go to church."
Ami: "That's cool." (Memo: Aeh?!)
Ami: "So have you heard about christian missionaires?" (Memo: Hier dachte ich: "Das kann jetzt nicht wahr sein oder?")
Ich: "No, I didn't." (Falsche Antwort)
Ami: "We inform people about Christs reborn and ..." (... = Konnte ich mir nicht merken, aber du kannst dir denken, was die gesagt haben. "Habt ihr ja den Richtigen erwischt.", dachte ich mir.)
Da ich wirklich keine Zeit hatte, wollte ich dieses Gespraech so schnell wie moeglich beenden.
Ich: "Sorry, but I really have to meet my American friend now."
Ami: "Ok, what about meeting again another day so we can talk about Christ and churches?"
Ich: "I really don't know what my hostparents are planning to do with me so I can't tell when I have the time to meet."
Ami: "Lets meet on Thursday here again at 2pm and if you can't you can just give us a call."
Ich: "Sure." (Dann gab er mir einen Zettel mit Jesus-Bildern und irgendwelchen japanischen Beschreibungen ueber Gott und die Welt - und die Telefonnummer.)
Ami: "Ok, see you on thursday."
Selbstverstaendlich werde ich da nicht hingehen. Ich haette ja gerne ein ernsthaftes Gespraech mit ihnen (auf meine Art) gefuehrt, aber meine Zeit erlaubt mir das hier nicht. Das Gespraech weicht in manchen Teilen ab, etwa der Reihenfolge der Fragen, aber der Inhalt ist im Grossen und Ganzen der selbe.
Nun zu einem weiteren wichtigen Teil meines japanischen Lebens. Dem Fruehstueck. Wie schon einmal erwaehnt, wird hier entgegen dem japanischen Trend nicht warm gegessen. Bei vielen Japanern gibt es auch morgens Reis. Die Bestandteile meines Fruehstuecks sind folgende:
-zwei verschiedene Saefte (meist ein Gemuese- und ein Obstsaft)
-zwei verschiedene Broetchen
-eine Schuessel mit naturbelassenem Joghurt, der mit Erdbeere, Himbeeren, Aepfeln oder Weintrauben garniert ist
-ein Kaffee Latte
-wochentags eine gedrittelte Banane und/oder eine Scheibe Scheibenkaese
Als Belag steht immer folgendes auf dem Tisch:
-Anko
-Orangenmarmelade
-Blaubeermarmelade
-Butter
-Honig
Die Banane oder den Kaese und das Anko machen Otousan und ich eigentlich immer auf das selbe Broetchen, weil beides zusammen ein sehr schmackhafter Mix ist. Das andere Broetchen wird dann mit einem anderen Belag (ich bevorzuge Orangenmarmelade) verzehrt. Danach isst man den Joghurt. Otousan und ich machen uns noch immer Honig rueber, weil der dem Naturjoghurt eine besondere Suesse gibt. Mehr kann man eigentlich nicht zum hiesigen Fruehstueck sagen, nur, dass es sehr lecker ist.
Letztendlich noch der eher abstraktere Punkt. Schon seit meiner Ankunft in Tokyo ist mir aufgefallen, dass sehr sehr viele Japaner sehr schlechte Zaehne haben. Ich habe hier auch noch keinen Einzigen mit Zahnspange gesehen. Die Zaehne der Kinder und Jugendlichen sehen auch meist dementsprechend aus. Seid also froh, dass ihr eine tragen durftet (Ich bin davon verschont geblieben.). Ausserdem sind die Zaehne oft gelb bis dunkelbraun, was aber auch an dem uebermaessigen Teekonsum liegen kann. Natuerlich gibt es auch Leute, die sehr gut gepflegte Zaehne haben (wie Okaasan). Die Zahnspange sollte man hier aber auch einfuehren!
Noch eine positive Nachricht zum Abschluss: Die ersten Kirschblueten zeigen sich in Japan! Wenn ich es den Nachrichten richtig entnommen habe, bluehen die Kirschbaeume in Tokyo und Chiba gerade richtig auf. Mutmasslich wird man noch fuer ein paar Monate Fluten von Kirschbluetenbildern im Fernsehen sehen. Sakura (Kirschbluete) wird hier wahrscheinlich erst im Juni sein (Ist ja sowieso der beste Monat.).
Dein Jonathan
Montag, 30. März 2009
Wochenende
Nach wochenendlicher Abwesenheit nun wieder ein Blog-Eintrag! Es gibt viel neues vom Wochenende zu berichten, vom Gedankenlesen bis zum Pferderennen ist alles dabei. Aber schau selbst:
Ich fange erstmal mit dem Freitag an. Eigentlich wollte ich mich am Freitag mal wieder mit den anderen AFSern treffen, doch das ist organisatorisch ziemlich fehlgeschlagen. Da ich zu Hause nicht eingehen wollte, entschloss ich mich, mal wieder alleine durch Obihiro zu streifen, oder besser gesagt: Einkaufscenter unsicher machen. In meinem heiss geliebten Nagasakiya ging ich dann erstmal zu meinem zukuenftigen Suessigkeits-Stamm-Laden - ein Jonathan brauch so etwas nunmal. Diesmal ass ich einen leckeren Schokoladenkuchen. Kaum verliess ich "meinen" Laden wieder, begegnete mir Dan aus Neu Seeland. Das ist schon das dritte Mal, dass wir uns "zufaellig" begegnen (Stalker?!). Jedenfalls war Dan genau so langweilig wie mir und wir beschlossen, zusammen die Einkaufscenter unsicher zu machen. Wir gingen mal wieder ins Posufuuru und guckten einfach nur rum, bis wir die Purikura-Automaten entdeckten. Purikura sind diese sehr beruehmten kleinen Fotos, auf denen man meist selbst abgebildet ist und die man dann noch bunt bemalen kann. Dan war geschockt, dass ich sowas noch nicht gemacht habe. Bei ihm in Neu Seeland gibt es sone Automaten wohl en masse. Fuer 400 Yen konnten wir dann entscheiden, welche Groesse die Fotos haben sollen und haben uns prompt in komischen Posen fotografieren lassen. Anschliessend haben wir die Fotos bearbeitet, was mit Abstand den meisten Spass bringt. Ich denke, ich werde in diesen Automaten noch viel, sehr viel Zeit verbringen.
Puh, nur einen Stichpunkt fuer Freitag auf meinem Notizzettel und trotzdem so viel geschrieben! Von Samstag gibt es bedeutend mehr zu erzaehlen. Angefangen hat es damit, dass Okaasan mein Futon lueften wollte. Futon lueften? Ganz klar : Futon auf den Balkon stellen und zwei Stunden warten. Aber nein, nicht in Japan. Auch fuer das Futon lueften gibt es eine Maschine. Ein kleiner R2-D2, der mit einem Schlauch heisse Luft in eine Gummimatratze blaest, die auf dem Futon ausgebreitet ist. Die Decke wird noch drueber gelegt und man wartet eine Stunde - Voila! So lueftet man in Japan einen Futon.
Wie jedes Wochenende waren wir wieder joggen. Diesmal waren noch fuenf Freunde von Okaasan dabei, die alle aber viel juenger gewesen sein muessen. Nach gemeinsamen Dehnuebungen, die Okaasan geleitet hat, sind wir losgerannt. Otousan, Okaasan und ich laufen bevor wir uns treffen immer noch eine kleine Runde. Mit den anderen sind wir dann eine weitere kleine Runde gelaufen, ich war danach auch noch ziemlich fit. Oft wurden mir Fragen gestellt, die ich wegen mangelndem Japanisch nicht beantworten konnte. Verstanden hatte ich jedoch, dass wir uns am Sonntag nochmal mit einigen dieser Frauen zum Joggen treffen werden. Dieses Wochenende sind wir Pizza essen gegangen. Anders als bei uns ist die Pizza halb so gross und kostet doppelt so viel. Sie war zwar echt lecker, aber den Preis (fuenf Euro) nicht wert. Bevor man die Pizza bekommt, werden einem Scheren von "Zwilling J.A. Henckels" auf den Tisch gestellt. Wozu? fragte ich mich. Pizza schneiden hat hier eine andere Bedeutung, richtig, die Pizza wird mit der Schere geschnitten. Das geht schneller als mit dem Messer und ich finde, das koennte ruhig auch mal in anderen Laender eingefuehrt werden.
Nach dem leckeren Mittagessen sind wir dann in einen Sportladen gefahren. Gute Gelegenheit gleich mal nach neuen Outdoorschuhen zu gucken, dachte ich mir. Es schmerzte mich immer, meine schoenen Volleyball Asics beim Joggen im Sand leiden zu sehen. Okaasan und Otousan gingen dann auch mit mir zu den Schuhen. Auf einmal meinte Okaasan: "Joni, shoes are present from us. For jogging." Imaginaere Freudentraenen rannen an meinen Wangen runter und am liebsten haette ich die beiden umarmt, doch da das in Japan nicht ueblich ist, habe ich es lieber sein lassen. Sie meinten, sie werden mir nicht die teuersten Schuhe kaufen, was ich eigentlich auch nicht erwartet habe, aber da Asics eine japanische Firma ist, sind die Produkte hier generell viel billiger und sie haben umgerechnet 67 Euro fuer die Schuhe bezahlt. In Deutschland kostet dieses Modell (Gel 1140) 100 Euro. Und als ob das nicht genug waere, haben sie mir dann noch zwei Paar Asics Socken gekauft! Wie gern haette ich mich bei ihnen richtig bedankt, doch dafuer fehlen mir einfach noch die Worte. Ich denke, sie konnten mir auch ansehen, dass ich uebergluecklich bin.
Mit den neuen Schuhen im Kofferraum fuhren wir Richtung Supermarkt. Dort angekommen ist mir erst aufgefallen, wie teuer japanische Lebensmittel eigentlich sind. Dadurch, dass hier alles in Yen angezeigt wird, wirkt es auf mich preiswerter, aber wenn man dann mal die Preise umrechnet, ist es wirklich schrecklich, was Japaner fuers Essen bezahlen muessen. Zum Beispiel eine Mini-Pizza. Zwei Stueck fuer vier Euro. Bei uns gibt es drei grosse Pizzen fuer unter zwei Euro. Generell ist hier vieles halb so gross, aber doppelt so teuer. Umso mehr weiss ich es zu schaetzen, dass es hier zu jeder Mahlzeit einen Salat oder nochmal teureres Obst gibt. Mit einem vollen Einkaufswagen sind wir dann zur Kasse gefahren. Dort bemerkte ich eine weitere Kuriositaet: In diesem Supermarkt musste von den Kassierern immer der Preis der durchgescannten Ware angesagt werden. Das scheint aber nur bei dieser Supermarktkette der Fall zu sein.
Wenn man in den Ferien durch eine japanische Grossstadt laeuft, zeigt sich ein weiteres interessantes Spektakel. Da es in den Schulen verboten ist, sich aufzustylen, muessen das die Maedchen wohl immer nachholen. Sie laufen dann bei 3 Grad in Hotpants rum, das Gesicht ist ein einziger Farbtopf und dann stoeckeln sie mit 20cm hohen Absaetzen davon. Es ist wirklich schrecklich, vielleicht kann ich mal ein Foto davon machen.
Vom Einkauf zurueckgekommen gab ich Okaasan zu bedeuten, dass ich gerne meine Hallenschuhe putzen wuerde, da die festgetretenen kleinen Steinchen meine Sohle nach und nach kaputt machen wuerden und die Sohle ausserdem noch ziemlich dreckig war von dem vielen Sand. Aber anstatt mir Wassereimer und Buerste in die Hand zu druecken, putzte Okaasan meine Schuhe! Ich habe mir schnell den linken Schuh geschnappt, nicht das sie noch auf die Idee kommt, noch mehr Arbeit fuer mich zu verrichten. Waehrend ich mit dem Zahnstocher Steinchen entfernt habe, putzte sie die Sohle. Sie putzte dann auch noch die Sohle des anderen Schuhs, ich hatte keine Wahl. Okaasan und Otousan wissen zum Glueck, wie man mit Sportequipment umgeht. Sie meinten auch, dass sie totale Asics Fans sind (zu meinem Glueck). Meine Hallenschuhe stehen also wieder sauber zu neuen Einsaetzen mit dem Volleyball bereit.
Letztendlich der Sonntag. Begonnen hat der Tag nach dem Fruehstueck wieder mit dem Joggen. Diesmal waren wir insgesamt etwas weniger, aber es war auch eine neue Dame dabei. Wir joggten also los, ich sollte nach vorne gehen, weil dort die schnellsten Frauen laufen. Es ist jetzt nicht so schnell wie es sich anhoert, eher ein angenehmes Tempo. Wir liefen und liefen, als wir dann die kleine Runde absolviert haben liefen wir auf einmal weiter. Und weiter. Und weiter. Irgendwann dachte ich: Ok, wir laufen die ganze Zeit geradeaus, meine Beine sind schon schwer wie Stein und wir muessen den ganzen Weg auch noch zurueck laufen! Erleichterung machte sich in meinem Gemuet breit, als Otousan mir bedeutete, dass wir jetzt abbiegen. Mein Tempo habe ich nicht gemindert, an Aufgeben war nicht zu denken, das kann ich mir beim Marathon, der noch laenger ist, auch nicht leisten (Uebrigens nehmen wir nicht am Tokyo Marathon sondern am Hokkaido Marathon teil.). Als wir dann noch gut einen Kilometer vor uns hatten, fragte ich Otousan, ob ich schneller laufen darf. Er bejahte und ich bin einfach losgerannt. Meine Beine waren nicht mehr schwer, sondern taub, eine gute Gelegenheit zum Rennen also. Ich ueberholte dann auch eine der Frauen, die sich 15 Minuten vor mir entschlossen hatte, schneller zu laufen. Ehrlich gesagt war es ziemlich angenehm mal wieder Gas zu geben und einfach den letzten Rest Energie zu benutzen. Hechelnd legte ich mich auf den Boden beim Ziel und wartete auf die anderen. Nachdem alle angekommen waren, joggten wir wieder nach Hause, wo ich mich endlich richtig hinsetzen konnte. Meine Beine taten jedesmal weh, wenn ich mich hinsetzen wollte. Geschaetzt sind wir 15km gelaufen. Marathon ich komme!
Zum Mittagessen gab es diesmal selbstgemachte Spaghetti und ich war vor Otousan mit dem Essen fertig. Danach sind wir zur Pferderennbahn gefahren, die sehr beruehmt ist. Die Pferde hier muessen ihren Reiter samt schweren Metallschlitten 200 Meter weit ziehen. Die Atmosphaere war sehr lustig, weil sobald ein Pferd vorne lag, alle Japaner anfingen irgendwas zu rufen und es dann sehr laut wird. Nach dem ersten Rennen sind wir dann Mochi essen gegangen. Dieses Mochi war jedoch besonders, weil der Reis von Hand zerstampft wurde, sogar noch warm war, und dann erst mit Anko oder Kinako gefuellt wurde. Das war sogar kostenlos und wer nicht puenktlich genug kam, musste dann auch 20 Minuten dafuer anstehen. Anko ist hier generell in fast jeder Suessigkeit, es ist aber auch echt lecker. Wir schauten uns dann noch ein Rennen an und fuhren wieder nach Hause.
Jetzt noch eine Sache, die schon etwas laenger her ist, ich aber damals nicht niedergeschrieben habe. Vorletztes Wochenende ging ich mit Otousan in einen Elektronik-Laden, als mich auch schon diese kleine japanische Lady anspringt und mich bittet, ein Los zu ziehen. Hoeflich wie ich bin, tat ich dies auch so fort, oeffnete es und siehe da: ein Preis. Voller Spannung gingen wir zum Schalter an dem es die Preise gab. Dann war es soweit, ich nahm meinen Preis entgegen. Ab diesem Tag war ich Besitzer von japanischen Feuchttuechern! Diese werden hier jetzt fast jeden Tag eingesetzt, um den Tisch zu reinigen, denn zu etwas anderem sind sie auch nicht zu gebrauchen.
Dein Jonathan
Ich fange erstmal mit dem Freitag an. Eigentlich wollte ich mich am Freitag mal wieder mit den anderen AFSern treffen, doch das ist organisatorisch ziemlich fehlgeschlagen. Da ich zu Hause nicht eingehen wollte, entschloss ich mich, mal wieder alleine durch Obihiro zu streifen, oder besser gesagt: Einkaufscenter unsicher machen. In meinem heiss geliebten Nagasakiya ging ich dann erstmal zu meinem zukuenftigen Suessigkeits-Stamm-Laden - ein Jonathan brauch so etwas nunmal. Diesmal ass ich einen leckeren Schokoladenkuchen. Kaum verliess ich "meinen" Laden wieder, begegnete mir Dan aus Neu Seeland. Das ist schon das dritte Mal, dass wir uns "zufaellig" begegnen (Stalker?!). Jedenfalls war Dan genau so langweilig wie mir und wir beschlossen, zusammen die Einkaufscenter unsicher zu machen. Wir gingen mal wieder ins Posufuuru und guckten einfach nur rum, bis wir die Purikura-Automaten entdeckten. Purikura sind diese sehr beruehmten kleinen Fotos, auf denen man meist selbst abgebildet ist und die man dann noch bunt bemalen kann. Dan war geschockt, dass ich sowas noch nicht gemacht habe. Bei ihm in Neu Seeland gibt es sone Automaten wohl en masse. Fuer 400 Yen konnten wir dann entscheiden, welche Groesse die Fotos haben sollen und haben uns prompt in komischen Posen fotografieren lassen. Anschliessend haben wir die Fotos bearbeitet, was mit Abstand den meisten Spass bringt. Ich denke, ich werde in diesen Automaten noch viel, sehr viel Zeit verbringen.
Puh, nur einen Stichpunkt fuer Freitag auf meinem Notizzettel und trotzdem so viel geschrieben! Von Samstag gibt es bedeutend mehr zu erzaehlen. Angefangen hat es damit, dass Okaasan mein Futon lueften wollte. Futon lueften? Ganz klar : Futon auf den Balkon stellen und zwei Stunden warten. Aber nein, nicht in Japan. Auch fuer das Futon lueften gibt es eine Maschine. Ein kleiner R2-D2, der mit einem Schlauch heisse Luft in eine Gummimatratze blaest, die auf dem Futon ausgebreitet ist. Die Decke wird noch drueber gelegt und man wartet eine Stunde - Voila! So lueftet man in Japan einen Futon.
Wie jedes Wochenende waren wir wieder joggen. Diesmal waren noch fuenf Freunde von Okaasan dabei, die alle aber viel juenger gewesen sein muessen. Nach gemeinsamen Dehnuebungen, die Okaasan geleitet hat, sind wir losgerannt. Otousan, Okaasan und ich laufen bevor wir uns treffen immer noch eine kleine Runde. Mit den anderen sind wir dann eine weitere kleine Runde gelaufen, ich war danach auch noch ziemlich fit. Oft wurden mir Fragen gestellt, die ich wegen mangelndem Japanisch nicht beantworten konnte. Verstanden hatte ich jedoch, dass wir uns am Sonntag nochmal mit einigen dieser Frauen zum Joggen treffen werden. Dieses Wochenende sind wir Pizza essen gegangen. Anders als bei uns ist die Pizza halb so gross und kostet doppelt so viel. Sie war zwar echt lecker, aber den Preis (fuenf Euro) nicht wert. Bevor man die Pizza bekommt, werden einem Scheren von "Zwilling J.A. Henckels" auf den Tisch gestellt. Wozu? fragte ich mich. Pizza schneiden hat hier eine andere Bedeutung, richtig, die Pizza wird mit der Schere geschnitten. Das geht schneller als mit dem Messer und ich finde, das koennte ruhig auch mal in anderen Laender eingefuehrt werden.
Nach dem leckeren Mittagessen sind wir dann in einen Sportladen gefahren. Gute Gelegenheit gleich mal nach neuen Outdoorschuhen zu gucken, dachte ich mir. Es schmerzte mich immer, meine schoenen Volleyball Asics beim Joggen im Sand leiden zu sehen. Okaasan und Otousan gingen dann auch mit mir zu den Schuhen. Auf einmal meinte Okaasan: "Joni, shoes are present from us. For jogging." Imaginaere Freudentraenen rannen an meinen Wangen runter und am liebsten haette ich die beiden umarmt, doch da das in Japan nicht ueblich ist, habe ich es lieber sein lassen. Sie meinten, sie werden mir nicht die teuersten Schuhe kaufen, was ich eigentlich auch nicht erwartet habe, aber da Asics eine japanische Firma ist, sind die Produkte hier generell viel billiger und sie haben umgerechnet 67 Euro fuer die Schuhe bezahlt. In Deutschland kostet dieses Modell (Gel 1140) 100 Euro. Und als ob das nicht genug waere, haben sie mir dann noch zwei Paar Asics Socken gekauft! Wie gern haette ich mich bei ihnen richtig bedankt, doch dafuer fehlen mir einfach noch die Worte. Ich denke, sie konnten mir auch ansehen, dass ich uebergluecklich bin.
Mit den neuen Schuhen im Kofferraum fuhren wir Richtung Supermarkt. Dort angekommen ist mir erst aufgefallen, wie teuer japanische Lebensmittel eigentlich sind. Dadurch, dass hier alles in Yen angezeigt wird, wirkt es auf mich preiswerter, aber wenn man dann mal die Preise umrechnet, ist es wirklich schrecklich, was Japaner fuers Essen bezahlen muessen. Zum Beispiel eine Mini-Pizza. Zwei Stueck fuer vier Euro. Bei uns gibt es drei grosse Pizzen fuer unter zwei Euro. Generell ist hier vieles halb so gross, aber doppelt so teuer. Umso mehr weiss ich es zu schaetzen, dass es hier zu jeder Mahlzeit einen Salat oder nochmal teureres Obst gibt. Mit einem vollen Einkaufswagen sind wir dann zur Kasse gefahren. Dort bemerkte ich eine weitere Kuriositaet: In diesem Supermarkt musste von den Kassierern immer der Preis der durchgescannten Ware angesagt werden. Das scheint aber nur bei dieser Supermarktkette der Fall zu sein.
Wenn man in den Ferien durch eine japanische Grossstadt laeuft, zeigt sich ein weiteres interessantes Spektakel. Da es in den Schulen verboten ist, sich aufzustylen, muessen das die Maedchen wohl immer nachholen. Sie laufen dann bei 3 Grad in Hotpants rum, das Gesicht ist ein einziger Farbtopf und dann stoeckeln sie mit 20cm hohen Absaetzen davon. Es ist wirklich schrecklich, vielleicht kann ich mal ein Foto davon machen.
Vom Einkauf zurueckgekommen gab ich Okaasan zu bedeuten, dass ich gerne meine Hallenschuhe putzen wuerde, da die festgetretenen kleinen Steinchen meine Sohle nach und nach kaputt machen wuerden und die Sohle ausserdem noch ziemlich dreckig war von dem vielen Sand. Aber anstatt mir Wassereimer und Buerste in die Hand zu druecken, putzte Okaasan meine Schuhe! Ich habe mir schnell den linken Schuh geschnappt, nicht das sie noch auf die Idee kommt, noch mehr Arbeit fuer mich zu verrichten. Waehrend ich mit dem Zahnstocher Steinchen entfernt habe, putzte sie die Sohle. Sie putzte dann auch noch die Sohle des anderen Schuhs, ich hatte keine Wahl. Okaasan und Otousan wissen zum Glueck, wie man mit Sportequipment umgeht. Sie meinten auch, dass sie totale Asics Fans sind (zu meinem Glueck). Meine Hallenschuhe stehen also wieder sauber zu neuen Einsaetzen mit dem Volleyball bereit.
Letztendlich der Sonntag. Begonnen hat der Tag nach dem Fruehstueck wieder mit dem Joggen. Diesmal waren wir insgesamt etwas weniger, aber es war auch eine neue Dame dabei. Wir joggten also los, ich sollte nach vorne gehen, weil dort die schnellsten Frauen laufen. Es ist jetzt nicht so schnell wie es sich anhoert, eher ein angenehmes Tempo. Wir liefen und liefen, als wir dann die kleine Runde absolviert haben liefen wir auf einmal weiter. Und weiter. Und weiter. Irgendwann dachte ich: Ok, wir laufen die ganze Zeit geradeaus, meine Beine sind schon schwer wie Stein und wir muessen den ganzen Weg auch noch zurueck laufen! Erleichterung machte sich in meinem Gemuet breit, als Otousan mir bedeutete, dass wir jetzt abbiegen. Mein Tempo habe ich nicht gemindert, an Aufgeben war nicht zu denken, das kann ich mir beim Marathon, der noch laenger ist, auch nicht leisten (Uebrigens nehmen wir nicht am Tokyo Marathon sondern am Hokkaido Marathon teil.). Als wir dann noch gut einen Kilometer vor uns hatten, fragte ich Otousan, ob ich schneller laufen darf. Er bejahte und ich bin einfach losgerannt. Meine Beine waren nicht mehr schwer, sondern taub, eine gute Gelegenheit zum Rennen also. Ich ueberholte dann auch eine der Frauen, die sich 15 Minuten vor mir entschlossen hatte, schneller zu laufen. Ehrlich gesagt war es ziemlich angenehm mal wieder Gas zu geben und einfach den letzten Rest Energie zu benutzen. Hechelnd legte ich mich auf den Boden beim Ziel und wartete auf die anderen. Nachdem alle angekommen waren, joggten wir wieder nach Hause, wo ich mich endlich richtig hinsetzen konnte. Meine Beine taten jedesmal weh, wenn ich mich hinsetzen wollte. Geschaetzt sind wir 15km gelaufen. Marathon ich komme!
Zum Mittagessen gab es diesmal selbstgemachte Spaghetti und ich war vor Otousan mit dem Essen fertig. Danach sind wir zur Pferderennbahn gefahren, die sehr beruehmt ist. Die Pferde hier muessen ihren Reiter samt schweren Metallschlitten 200 Meter weit ziehen. Die Atmosphaere war sehr lustig, weil sobald ein Pferd vorne lag, alle Japaner anfingen irgendwas zu rufen und es dann sehr laut wird. Nach dem ersten Rennen sind wir dann Mochi essen gegangen. Dieses Mochi war jedoch besonders, weil der Reis von Hand zerstampft wurde, sogar noch warm war, und dann erst mit Anko oder Kinako gefuellt wurde. Das war sogar kostenlos und wer nicht puenktlich genug kam, musste dann auch 20 Minuten dafuer anstehen. Anko ist hier generell in fast jeder Suessigkeit, es ist aber auch echt lecker. Wir schauten uns dann noch ein Rennen an und fuhren wieder nach Hause.
Jetzt noch eine Sache, die schon etwas laenger her ist, ich aber damals nicht niedergeschrieben habe. Vorletztes Wochenende ging ich mit Otousan in einen Elektronik-Laden, als mich auch schon diese kleine japanische Lady anspringt und mich bittet, ein Los zu ziehen. Hoeflich wie ich bin, tat ich dies auch so fort, oeffnete es und siehe da: ein Preis. Voller Spannung gingen wir zum Schalter an dem es die Preise gab. Dann war es soweit, ich nahm meinen Preis entgegen. Ab diesem Tag war ich Besitzer von japanischen Feuchttuechern! Diese werden hier jetzt fast jeden Tag eingesetzt, um den Tisch zu reinigen, denn zu etwas anderem sind sie auch nicht zu gebrauchen.
Dein Jonathan
Donnerstag, 26. März 2009
Beerdigung
Es wird wieder schoener! Im Moment sind es 6 Grad und mal wieder strahlender Sonnenschein. Der Wetterbericht hat aehnliches Wetter fuer die naechsten Tage prophezeit. Bevor ich nun zum eigentlichen Teil des Blogs komme, der Beerdigung, werde ich noch ein paar nebensaechliche Dinge niederschreiben.
Am Mittwoch hatte ich das AFS-Meeting. Alle anderen (Ausser das Maedchen aus Thailand, das kam nicht.) hatten ihre Gasteltern oder ihren LP dabei, ich kam alleine. Die ganze Zeit wurde sich auf Japanisch unterhalten, gluecklicherweise war ich nicht der einzige, der nichts verstand. Im Groben ging es darum, dass wir uns in der City Hall anmelden muessen, mit einem Formular was netterweise "Alien Registration Formular" genannt wird. Wir AFSer sind dann mit einer Japanerin dahin gegangen und haben gewartet, waehrend sich der Amerikaner registriert hat. Ich habe mich gestern mit Otousan registriert. Anschliessend hat uns die nette Japanerin noch auf Fanta und Pommes zu McDonalds eingeladen! Man glaubt es kaum, aber es schmeckt genau wie bei uns in Deutschland.
Nun zum Hauptteil dieses Eintrags. Am Donnerstag, also gestern, waren wir auf der Beerdigung von Okaasans Vater. Am Anfang war ich eher skeptisch, aber Otousan und Okaasan meinten, dass ich Glueck habe, weil nur sehr sehr wenige Austauschschueler eine Chance haben, so etwas zu sehen. Im Nachhinein konnte ich mich wirklich freuen, denn es war ein Erlebnis der anderen Art, von der ich dir nun etwas erzaehlen werde. Wahrscheinlich werde ich diverse Sachen nicht erwaehnen, das liegt aber daran, dass es viele neue Eindruecke auf
einmal waren und ich noch dazu einen schlechten Ausblick auf den zeremonieleitenden Priester hatte. Doch nun zu dem, was ich beobachten und festhalten konnte.
Am Tempel angekommen trafen wir erstmal Okaasans Bruder. Der aeltere Bruder eines anderen heisst auf Japanisch Oniisan. So sollte ich ihn auch nennen. Wir sind dann in einen japanischen Tempel gegangen, einer von diesen Tempeln, die man von den ganzen Bildern kennt und die einen geschwungenen Dachrand haben. Drinnen muss man erstmal die Schuhe ausziehen. Der Tempel war zwar beheizt, der Boden war trotzdem eiskalt. Es herrschte eine allgemein froehliche Stimmung, von Trauer keine Spur. Ich trank mit anderen Familienmitgliedern Tee und versuchte deren Japanisch zu verstehen. Alle ausser mir und zwei kleinen Kindern trugen schwarze Anzuege. Kaum betrat ich den grossen Raum, bot sich mir auch schon die volle Pracht einer buddhistischen Bestattung. Jedenfalls sah ich erstmal einen riesigen Altar, der nur in Schwarz und Gold koloriert war. Von der Decke hing aufwendiger Schmuck, der an riesige goldene Kronleuchter ohne Lampen erinnert. Der Altar besteht aus zwei Teilen. Der vordere Teil ist ein wenig kleiner, der hintere ist relativ gross und auf ihm befindet sich eine goldene Statue Buddhas. Der kleinere Teil ist ausserdem mit goldenen Blumen und aehnlichen Dingen beschmueckt, die sich um ein Bild des Verstorbenen ranken. Links vom Altar befinden sich vier (wegen Ermangelung eines besseren Ausdrucks) "Trommeln", auf die Otousan, der keiner Religion angehoert, fuer mich ganz leise getrommelt hat. Das schien aber keinen zu stoeren. Wenn sich alle Anwesenden platziert haben, erscheint der Priester und fragt wahrscheinlich so etwas wie "Koennen wir beginnen?". Der Priester hat sehr kurze Haare, eine Brille (die kaum von Relevanz sein sollte), traegt ein langes lilanes Gewand und etwas wie eine kleine goldene Decke. Auch hier muss ich wegen mangelnder Bildung bezueglich buddhistischen Braeuchen primitive Begriffe benutzen, die vielleicht nicht so ganz zutreffen werden. Der Priester setzt sich dann vor das Bild des Toten auf ein Sitzkissen, verbeugt sich mehrmals und laesst Toene von einem Instrument erklingen. Dann begibt er sich auf die linke Seite und beginnt einen summenden Gesang. Da meine Sicht auf den Priester ja ein bisschen versperrt war, habe ich erst gar nicht mitbekommen, dass er singt. Es hat sich wirklich angehoert, als wuerde es aus einem Radio kommen. Dieser Gesang war auf jeden Fall sehr eindrucksvoll. Waehrend er sang, schlug er die ganze Zeit auf die verschiedenen Trommeln, manchmal auch mit zunehmendem Tempo. Aufgefallen ist mir, dass bei einer bestimmten Gesangsphrase, die fuer mich wie "Noweldawidaweldowel" (3x wiederholt) klang, alle Anwesenden ihre Juzu (Gebetsperlen) nahmen und beteten. Im Laufe des Gesangs ging ein fahrender Kasten rum. Als er bei Otousan angekommen war, beobachtete ich genau, was er macht und bereitete mich darauf vor, es nachzumachen. Zuerst wirfrt man zwei 10-Yen Muenzen rein (Geld spielt bei buddhistischen Beerdigungen eine wichtige Rolle. Ich nehme mal an, es soll dem Toten mit auf den "Weg" gegeben werden.), dann nimmt man ein wenig Senko, was soviel wie Weihrauch ist, haelt es sich kurz an die Stirn und gibt es auf ein kleines gluehendes Haeufchen. Der Vorgang mit dem Senko wird dann noch zwei mal wiederholt. Anschliessend gibt man den Kasten weiter. Haben alle Anwesenden den Kasten benutzt, wird er nach vorne zum Altar gefahren. Kurz danach endete auch der Gesang des Priesters. Er begibt sich wieder zu dem Sitzkissen vor dem Bild des Toten und fuehrt eine Art Selbstgespraech. So kam es mir zumindest vor. Es sah aus, als haette er die Familienmitglieder angesprochen, aber sie gaben keinerlei Antwort. Danach ist die erste Zeremonie zu Ende. Ich verliess den Raum mit allen anderen und ging in eine nahegelegene grosse Halle, in der sich japanische Grabsteine und viele Sockel fuer weitere Grabsteine befanden. Nachdem wir uns vor dem Grabstein von Okaasans Vater platzierten, sang der Priester erneut. Auch diesmal kam die besondere Gebetsphrase vor. Der Gesang war bedeutend kuerzer. Auf dem Grabstein befanden sich weiterhin Lebensmittel, auch diesmal vermute ich, diese sollen dem Verstorbenen mit auf den "Weg" gegeben werden. Anschliessend wurde unter den Grabstein in einen kleinen Raum noch ein Paket gelegt. Was da drin war, weiss ich nicht. Die ganze Zeremonie ueber ist immer eine Miniaturausgabe des Grabsteins, bloss in Gold und Schwarz, zugegen. Das war die komplette Zeremonie. Ich habe soviel wie moeglich probiert davon wiederzugeben!
Nach der Zeremonie wurde der Mini-Grabstein mitgenommen und alle Familienmitglieder (inkl. mir) fuhren zur Farm von Oniisan, wo es ein sehr leckeres Festmahl gab. Ich habe sehr viel neue Sachen probiert, unter Anderem auch Sushi mit Octopus! Ich wollte schon immer mal wissen, wie es ist, diese Saugnaepfe zu essen. Der Octopus schmeckt nach normalem Fisch, recht lecker, die Saugnaepfe hingegen sind ziemlich geschmackslos und knacken ein bisschen beim Kauen. Ausserdem gab es als Dessert etwas, was wie Vanillepudding aussah, aber so etwas wie Eierschaum war. Geschmacklich erinnerte es an Omelette, doch nach drei Bissen hing mir das Zeug zum Hals raus, weil es wirklich nur pures kaltes und glibbriges Eigelb war. Dezent habe ich wieder den Deckel raufgemacht und es weggestellt, natuerlich so, dass es keiner sehen konnte. Und wieder: Nach dem Essen raeumten alle anwesenden Frauen auf, waehrend die Maenner sich andersweitig begnuegten. Ich wollte helfen, mir wurde aber immer wieder gesagt, ich solle mich hinsetzen (natuerlich ganz hoeflich). Dann haben wir noch ein paar Reste mitgenommen. Bevor man geht, musste man sich in dem hauseigenen Altar von dem Bild des verstorbenen verabschieden. Sowohl Mini-Grabstein als auch das Bild werden in dem Altar platziert. Man zuendet ein Raeucherstaebchen an, schlaegt eine kleine Glocke und betet mit den Jizu. Wenn man fertig ist, laeutet man wieder die Glocke und geht. Es ist eine lustige Familie und als Blondschopf war ich natuerlich manchmal wieder Mittelpunkt ihrer Konversationen, was einem nicht sonderlich behagt, wenn man nichts versteht.
Zu Hause angekommen gab es noch Kaffee mit Kuchen. Ich war so guetig und habe dann eine der wertvollen Milka-Tafeln geoeffnet. Okaasan ass zwei, Otousan vier und ich acht Stueck. Anschliessend guckte Okaasan als verantwortungsbewusste Ernaehrungsspezialistin auf die Kalorien und stellte fast, dass man pro Stueck 1km joggen muesste. Mir hat das nichts ausgemacht, aber Okaasan hat einen riesigen Schrecken bekommen.
Das wars mal wieder. Meine rechte Hand ist eingefroren und meine Fingerkuppen sind wund geschrieben.
Dein Jonathan
P.S.: Wenn du Fragen hast, frag einfach bei den Kommentaren. Ich werde deine Frage dann zu hoher Wahrscheinlichkeit beantworten!
P.P.S.: Kommentare sind immer gern gesehen! (Ich muss ja auch mal was zum Lesen haben.)
Am Mittwoch hatte ich das AFS-Meeting. Alle anderen (Ausser das Maedchen aus Thailand, das kam nicht.) hatten ihre Gasteltern oder ihren LP dabei, ich kam alleine. Die ganze Zeit wurde sich auf Japanisch unterhalten, gluecklicherweise war ich nicht der einzige, der nichts verstand. Im Groben ging es darum, dass wir uns in der City Hall anmelden muessen, mit einem Formular was netterweise "Alien Registration Formular" genannt wird. Wir AFSer sind dann mit einer Japanerin dahin gegangen und haben gewartet, waehrend sich der Amerikaner registriert hat. Ich habe mich gestern mit Otousan registriert. Anschliessend hat uns die nette Japanerin noch auf Fanta und Pommes zu McDonalds eingeladen! Man glaubt es kaum, aber es schmeckt genau wie bei uns in Deutschland.
Nun zum Hauptteil dieses Eintrags. Am Donnerstag, also gestern, waren wir auf der Beerdigung von Okaasans Vater. Am Anfang war ich eher skeptisch, aber Otousan und Okaasan meinten, dass ich Glueck habe, weil nur sehr sehr wenige Austauschschueler eine Chance haben, so etwas zu sehen. Im Nachhinein konnte ich mich wirklich freuen, denn es war ein Erlebnis der anderen Art, von der ich dir nun etwas erzaehlen werde. Wahrscheinlich werde ich diverse Sachen nicht erwaehnen, das liegt aber daran, dass es viele neue Eindruecke auf
Am Tempel angekommen trafen wir erstmal Okaasans Bruder. Der aeltere Bruder eines anderen heisst auf Japanisch Oniisan. So sollte ich ihn auch nennen. Wir sind dann in einen japanischen Tempel gegangen, einer von diesen Tempeln, die man von den ganzen Bildern kennt und die einen geschwungenen Dachrand haben. Drinnen muss man erstmal die Schuhe ausziehen. Der Tempel war zwar beheizt, der Boden war trotzdem eiskalt. Es herrschte eine allgemein froehliche Stimmung, von Trauer keine Spur. Ich trank mit anderen Familienmitgliedern Tee und versuchte deren Japanisch zu verstehen. Alle ausser mir und zwei kleinen Kindern trugen schwarze Anzuege. Kaum betrat ich den grossen Raum, bot sich mir auch schon die volle Pracht einer buddhistischen Bestattung. Jedenfalls sah ich erstmal einen riesigen Altar, der nur in Schwarz und Gold koloriert war. Von der Decke hing aufwendiger Schmuck, der an riesige goldene Kronleuchter ohne Lampen erinnert. Der Altar besteht aus zwei Teilen. Der vordere Teil ist ein wenig kleiner, der hintere ist relativ gross und auf ihm befindet sich eine goldene Statue Buddhas. Der kleinere Teil ist ausserdem mit goldenen Blumen und aehnlichen Dingen beschmueckt, die sich um ein Bild des Verstorbenen ranken. Links vom Altar befinden sich vier (wegen Ermangelung eines besseren Ausdrucks) "Trommeln", auf die Otousan, der keiner Religion angehoert, fuer mich ganz leise getrommelt hat. Das schien aber keinen zu stoeren. Wenn sich alle Anwesenden platziert haben, erscheint der Priester und fragt wahrscheinlich so etwas wie "Koennen wir beginnen?". Der Priester hat sehr kurze Haare, eine Brille (die kaum von Relevanz sein sollte), traegt ein langes lilanes Gewand und etwas wie eine kleine goldene Decke. Auch hier muss ich wegen mangelnder Bildung bezueglich buddhistischen Braeuchen primitive Begriffe benutzen, die vielleicht nicht so ganz zutreffen werden. Der Priester setzt sich dann vor das Bild des Toten auf ein Sitzkissen, verbeugt sich mehrmals und laesst Toene von einem Instrument erklingen. Dann begibt er sich auf die linke Seite und beginnt einen summenden Gesang. Da meine Sicht auf den Priester ja ein bisschen versperrt war, habe ich erst gar nicht mitbekommen, dass er singt. Es hat sich wirklich angehoert, als wuerde es aus einem Radio kommen. Dieser Gesang war auf jeden Fall sehr eindrucksvoll. Waehrend er sang, schlug er die ganze Zeit auf die verschiedenen Trommeln, manchmal auch mit zunehmendem Tempo. Aufgefallen ist mir, dass bei einer bestimmten Gesangsphrase, die fuer mich wie "Noweldawidaweldowel" (3x wiederholt) klang, alle Anwesenden ihre Juzu (Gebetsperlen) nahmen und beteten. Im Laufe des Gesangs ging ein fahrender Kasten rum. Als er bei Otousan angekommen war, beobachtete ich genau, was er macht und bereitete mich darauf vor, es nachzumachen. Zuerst wirfrt man zwei 10-Yen Muenzen rein (Geld spielt bei buddhistischen Beerdigungen eine wichtige Rolle. Ich nehme mal an, es soll dem Toten mit auf den "Weg" gegeben werden.), dann nimmt man ein wenig Senko, was soviel wie Weihrauch ist, haelt es sich kurz an die Stirn und gibt es auf ein kleines gluehendes Haeufchen. Der Vorgang mit dem Senko wird dann noch zwei mal wiederholt. Anschliessend gibt man den Kasten weiter. Haben alle Anwesenden den Kasten benutzt, wird er nach vorne zum Altar gefahren. Kurz danach endete auch der Gesang des Priesters. Er begibt sich wieder zu dem Sitzkissen vor dem Bild des Toten und fuehrt eine Art Selbstgespraech. So kam es mir zumindest vor. Es sah aus, als haette er die Familienmitglieder angesprochen, aber sie gaben keinerlei Antwort. Danach ist die erste Zeremonie zu Ende. Ich verliess den Raum mit allen anderen und ging in eine nahegelegene grosse Halle, in der sich japanische Grabsteine und viele Sockel fuer weitere Grabsteine befanden. Nachdem wir uns vor dem Grabstein von Okaasans Vater platzierten, sang der Priester erneut. Auch diesmal kam die besondere Gebetsphrase vor. Der Gesang war bedeutend kuerzer. Auf dem Grabstein befanden sich weiterhin Lebensmittel, auch diesmal vermute ich, diese sollen dem Verstorbenen mit auf den "Weg" gegeben werden. Anschliessend wurde unter den Grabstein in einen kleinen Raum noch ein Paket gelegt. Was da drin war, weiss ich nicht. Die ganze Zeremonie ueber ist immer eine Miniaturausgabe des Grabsteins, bloss in Gold und Schwarz, zugegen. Das war die komplette Zeremonie. Ich habe soviel wie moeglich probiert davon wiederzugeben!
Nach der Zeremonie wurde der Mini-Grabstein mitgenommen und alle Familienmitglieder (inkl. mir) fuhren zur Farm von Oniisan, wo es ein sehr leckeres Festmahl gab. Ich habe sehr viel neue Sachen probiert, unter Anderem auch Sushi mit Octopus! Ich wollte schon immer mal wissen, wie es ist, diese Saugnaepfe zu essen. Der Octopus schmeckt nach normalem Fisch, recht lecker, die Saugnaepfe hingegen sind ziemlich geschmackslos und knacken ein bisschen beim Kauen. Ausserdem gab es als Dessert etwas, was wie Vanillepudding aussah, aber so etwas wie Eierschaum war. Geschmacklich erinnerte es an Omelette, doch nach drei Bissen hing mir das Zeug zum Hals raus, weil es wirklich nur pures kaltes und glibbriges Eigelb war. Dezent habe ich wieder den Deckel raufgemacht und es weggestellt, natuerlich so, dass es keiner sehen konnte. Und wieder: Nach dem Essen raeumten alle anwesenden Frauen auf, waehrend die Maenner sich andersweitig begnuegten. Ich wollte helfen, mir wurde aber immer wieder gesagt, ich solle mich hinsetzen (natuerlich ganz hoeflich). Dann haben wir noch ein paar Reste mitgenommen. Bevor man geht, musste man sich in dem hauseigenen Altar von dem Bild des verstorbenen verabschieden. Sowohl Mini-Grabstein als auch das Bild werden in dem Altar platziert. Man zuendet ein Raeucherstaebchen an, schlaegt eine kleine Glocke und betet mit den Jizu. Wenn man fertig ist, laeutet man wieder die Glocke und geht. Es ist eine lustige Familie und als Blondschopf war ich natuerlich manchmal wieder Mittelpunkt ihrer Konversationen, was einem nicht sonderlich behagt, wenn man nichts versteht.
Zu Hause angekommen gab es noch Kaffee mit Kuchen. Ich war so guetig und habe dann eine der wertvollen Milka-Tafeln geoeffnet. Okaasan ass zwei, Otousan vier und ich acht Stueck. Anschliessend guckte Okaasan als verantwortungsbewusste Ernaehrungsspezialistin auf die Kalorien und stellte fast, dass man pro Stueck 1km joggen muesste. Mir hat das nichts ausgemacht, aber Okaasan hat einen riesigen Schrecken bekommen.
Das wars mal wieder. Meine rechte Hand ist eingefroren und meine Fingerkuppen sind wund geschrieben.
Dein Jonathan
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Dienstag, 24. März 2009
Erste Stadttour
Ohayou Gozaimasu!
Es wird wieder kaelter in Obihiro. Im Moment ist es -1 Grad, die Sonne scheint trotzdem wieder und der Ausblick auf die Berge ist weiterhin fantastisch.
Hier tanzt der Baer, da steppt das Pferd! Japan hat Korea im Baseballfinale besiegt! Die Nachrichten uebertragen seit gestern nichts anderes mehr, auch wenn es immer nur die gleichen Bilder sind. Lustigerweise war ich gestern in einem Elektronikladen, als Japan gewonnen hatte. Nach der Entscheidung fingen alle Japaner im Laden an zu klatschen. Im Fernsehen konnte man sehen, wie die Japaner, die sich in den groesseren Laeden in Tokyo z.B. befunden haben, regelrecht ausgerastet sind. Viele haben geweint, was fuer Japaner in der Oeffentlichkeit nicht das typischste ist. Ich denke, hier werden noch ein paar Tage lang die gleichen Bilder immer und immer wieder ausgestahlt werden, aber da ich eh kein Fernsehen gucke, macht mir das herzlichst wenig aus.
Bezueglich Essen habe ich auch neues zu melden. Nachdem meine "Eltern" und ich gestern Abendbrot gegessen haben, gab es noch einen kleinen Snack. Der Snack zeigte sich in Form von einem grossen Shrimp, welcher platt gedrueckt und von einer teigartigen Kruste umgeben war. Geschmacklich war es gut, denn der fischige Geschmack dominierte nicht sonderlich und ich hatte mehr von der frittierten Kruste. Sowohl Schwanz als auch Kopf liess ich natuerlich uebrig, Otousan schob sich dann beides in den Mund.
Gestern habe ich mich spontan mit Nathalie getroffen. Nathalie ist eine AFS Austauschschuelerin aus der Schweiz und da ihre Mutter Japanerin ist, spricht sie fliessend Japanisch. Ich hatte schon vorher geplant, in ein grosses Kaufhaus zu gehen, also beschlossen wir, dort zusammen hinzugehen. Das Kaufhaus heisst Posufuuru und ist zwar gross, aber nicht viel groesser als das Nagasakiya, welches sich unmittelbar in meiner Naehe befindet. Zum Posufuuru laeuft man erstmal 20 Minuten, aber so ein kleiner Spaziergang tut auch mal gut. Eigentlich wollte ich nur ins Posufuuru um mal ein bisschen rumzugucken, habe mich dann aber dazu entschlossen, eine Sportuniform, die ich sowieso fuer die Schule brauche, zu kaufen. Als Volleyballer habe ich natuerlich gezielt nach Asics gesucht und wurde schnell fuendig. Anders als in Nicht-Volleyball-Ehrendes-Deutschland gibt es hier ueberall Asics. So kam es, dass ich mir einen schwarzen Trainingsanzug mit schwarzer Hose ausgesucht habe. Beide Teile haben das gleiche Design wie mein Asics-Trikot! An der Jacke war ein Preisschild: 5800 Yen. Gut, dachte ich mir, an der Hose steht zwar jetzt nichts dran, aber mehr als 5000 Yen kann die auch nicht kosten. Als ich dann bezahlen ging stellte sich heraus, dass der Gesamtpreis 5800 Yen betrug! Ich habe also ca. 40 Euro fuer einen top Trainingsanzug bezahlt, bei dem man in Deutschland mal eben das doppelte bezahlt haette! Wer da nicht neidisch wird, hat keine Ahnung von Volleyball! Wir haben dann auch gleich nach weissen Schuhen fuer die Schule geguckt (weisse Schuhe sind an meiner Schule Pflicht), aber da ich nicht weiss, was sich meine Schule darunter so vorstellt, werde ich diese mit Otousan kaufen gehen. Gluecklich verliessen wir (bzw. ich) das Posufuuru und beschlossen, ins Nagasakiya zu gehen. Dort haben wir dann aber nur eine Kleinigkeit gegessen: Nathalie ass einen Crepe (Accent circonflex geht hier leider nicht.) mit Gemuese und ich ein teures Johannisbeer-Toertchen und eine Spezialitaet aus Obihiro. Diese Spezialitaet war im Endeffekt ein Riegel aus Anko, also der suessen Bohnenpaste. Anschliessend zogen wir noch ein bisschen in Obihiro rum und suchten einen Kamera-Laden. Ich habe da eine sehr tolle Kamera gefunden (Sony Cybershot DSC-T200), die hier aber auch 300 Euro kostet und nur auf Japanisch ist, deswegen habe ich sie erstmal nicht gekauft. Ich werde am Wochenende mit Otousan eine kaufen gehen, aber ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich diese Cybershot kaufen moechte. Japanisch oder nicht, ist im Endeffekt nicht so wichtig. Nathalie wohnt in Otofuke, das ist ein bisschen ausserhalb Obihiros. Sie braucht eigentlich 15 Minuten mit dem Bus, aber da wir grosse Schwierigkeiten mit dem Fahrplan hatten, hat sie ein teures Taxi genommen.
Heute ist ein AFS-Meeting und wir Austauschschueler haben geplant, danach zur Abwechslung mal Shoppen zu gehen! Ausserdem steht morgen die Beerdigung an und da Okaasan und Otousan frei haben, werde ich wohl keinen neuen Eintrag schreiben koennen. Der Naechste kommt dann am Donnerstag!
Bis dahin
Dein Jonathan
Es wird wieder kaelter in Obihiro. Im Moment ist es -1 Grad, die Sonne scheint trotzdem wieder und der Ausblick auf die Berge ist weiterhin fantastisch.
Hier tanzt der Baer, da steppt das Pferd! Japan hat Korea im Baseballfinale besiegt! Die Nachrichten uebertragen seit gestern nichts anderes mehr, auch wenn es immer nur die gleichen Bilder sind. Lustigerweise war ich gestern in einem Elektronikladen, als Japan gewonnen hatte. Nach der Entscheidung fingen alle Japaner im Laden an zu klatschen. Im Fernsehen konnte man sehen, wie die Japaner, die sich in den groesseren Laeden in Tokyo z.B. befunden haben, regelrecht ausgerastet sind. Viele haben geweint, was fuer Japaner in der Oeffentlichkeit nicht das typischste ist. Ich denke, hier werden noch ein paar Tage lang die gleichen Bilder immer und immer wieder ausgestahlt werden, aber da ich eh kein Fernsehen gucke, macht mir das herzlichst wenig aus.
Bezueglich Essen habe ich auch neues zu melden. Nachdem meine "Eltern" und ich gestern Abendbrot gegessen haben, gab es noch einen kleinen Snack. Der Snack zeigte sich in Form von einem grossen Shrimp, welcher platt gedrueckt und von einer teigartigen Kruste umgeben war. Geschmacklich war es gut, denn der fischige Geschmack dominierte nicht sonderlich und ich hatte mehr von der frittierten Kruste. Sowohl Schwanz als auch Kopf liess ich natuerlich uebrig, Otousan schob sich dann beides in den Mund.
Gestern habe ich mich spontan mit Nathalie getroffen. Nathalie ist eine AFS Austauschschuelerin aus der Schweiz und da ihre Mutter Japanerin ist, spricht sie fliessend Japanisch. Ich hatte schon vorher geplant, in ein grosses Kaufhaus zu gehen, also beschlossen wir, dort zusammen hinzugehen. Das Kaufhaus heisst Posufuuru und ist zwar gross, aber nicht viel groesser als das Nagasakiya, welches sich unmittelbar in meiner Naehe befindet. Zum Posufuuru laeuft man erstmal 20 Minuten, aber so ein kleiner Spaziergang tut auch mal gut. Eigentlich wollte ich nur ins Posufuuru um mal ein bisschen rumzugucken, habe mich dann aber dazu entschlossen, eine Sportuniform, die ich sowieso fuer die Schule brauche, zu kaufen. Als Volleyballer habe ich natuerlich gezielt nach Asics gesucht und wurde schnell fuendig. Anders als in Nicht-Volleyball-Ehrendes-Deutschland gibt es hier ueberall Asics. So kam es, dass ich mir einen schwarzen Trainingsanzug mit schwarzer Hose ausgesucht habe. Beide Teile haben das gleiche Design wie mein Asics-Trikot! An der Jacke war ein Preisschild: 5800 Yen. Gut, dachte ich mir, an der Hose steht zwar jetzt nichts dran, aber mehr als 5000 Yen kann die auch nicht kosten. Als ich dann bezahlen ging stellte sich heraus, dass der Gesamtpreis 5800 Yen betrug! Ich habe also ca. 40 Euro fuer einen top Trainingsanzug bezahlt, bei dem man in Deutschland mal eben das doppelte bezahlt haette! Wer da nicht neidisch wird, hat keine Ahnung von Volleyball! Wir haben dann auch gleich nach weissen Schuhen fuer die Schule geguckt (weisse Schuhe sind an meiner Schule Pflicht), aber da ich nicht weiss, was sich meine Schule darunter so vorstellt, werde ich diese mit Otousan kaufen gehen. Gluecklich verliessen wir (bzw. ich) das Posufuuru und beschlossen, ins Nagasakiya zu gehen. Dort haben wir dann aber nur eine Kleinigkeit gegessen: Nathalie ass einen Crepe (Accent circonflex geht hier leider nicht.) mit Gemuese und ich ein teures Johannisbeer-Toertchen und eine Spezialitaet aus Obihiro. Diese Spezialitaet war im Endeffekt ein Riegel aus Anko, also der suessen Bohnenpaste. Anschliessend zogen wir noch ein bisschen in Obihiro rum und suchten einen Kamera-Laden. Ich habe da eine sehr tolle Kamera gefunden (Sony Cybershot DSC-T200), die hier aber auch 300 Euro kostet und nur auf Japanisch ist, deswegen habe ich sie erstmal nicht gekauft. Ich werde am Wochenende mit Otousan eine kaufen gehen, aber ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich diese Cybershot kaufen moechte. Japanisch oder nicht, ist im Endeffekt nicht so wichtig. Nathalie wohnt in Otofuke, das ist ein bisschen ausserhalb Obihiros. Sie braucht eigentlich 15 Minuten mit dem Bus, aber da wir grosse Schwierigkeiten mit dem Fahrplan hatten, hat sie ein teures Taxi genommen.
Heute ist ein AFS-Meeting und wir Austauschschueler haben geplant, danach zur Abwechslung mal Shoppen zu gehen! Ausserdem steht morgen die Beerdigung an und da Okaasan und Otousan frei haben, werde ich wohl keinen neuen Eintrag schreiben koennen. Der Naechste kommt dann am Donnerstag!
Bis dahin
Dein Jonathan
Montag, 23. März 2009
Nachtraege
Strahlender Sonnenschein bei 2 Grad!
Das ist so ziemlich das durchschnittliche Wetter in den letzten Tagen. Im Fernsehen bringt fast jeder Sender das Ergebnis von Japan und den USA im Baseball, denn Japan hat gewonnen! Jetzt werden sie gegen den Olympiasieger im Finale antreten: Korea. Der Fernseher laeuft hier ziemlich oft, auch wenn keiner hinguckt. Langsam stelle ich mich auf den Alltag ein, kann es aber immernoch kaum erwarten zur Schule zu gehen. In diesem Eintrag werde ich noch ein paar Dinge erwaehnen, die ich in den vorherigen Eintraegen vergessen habe.
Das erste, was man mich auf dem Flughafen fragte, war: "What`s your nickname?" Das ist immer eine der ersten Sachen, die man hier gefragt wird. Ich habe dann immer "Yonda" geantwortet, aber zur Freude meiner Mutter (Achtung! Hier ist Ironie versteckt.) werde ich Joni genannt. Ich persoenlich hab ja damit kein Problem, interessant wird es erst, wenn ich dann auch in der Schule von allen so genannt werden sollte, aber das ist ja noch eine Weile hin.
In Tokyo haben wir auf dem Vorbereitungsseminar einen weiteren wichtigen Bestandteil der japanischen Kultur etwas genauer unter die metaphorische Lupe genommen. Das Ofuro! Das Ofuro hat eine lange Tradition bei den Japanern und ist ein oeffentliches Bad, in dem man sich abends einfach nur waescht und anschliessend entspannt. Ofuros werden nach Geschlechtern getrennt und wie es euch kaum wundern wird, kann ich euch (noch) nichts aus einem Frauen-Ofuro berichten. Bevor man das Ofuro betritt werden erstmal die Schuhe abgelegt und in einen Schuhkasten gestellt. Dann betritt man einen Umkleideraum und wuselt zwischen umherwuselnden nackten Japanern umher. Die Sachen werden dann wahlweise in einen Bastkorb oder ein Schliessfach gelegt. Dann nimmt man sich noch einen kleinen Lappen mit, mit dem man sich waescht, und schon kann man das Ofuro betreten. In Japan duscht man, bevor man in ein Bad geht und ebenso ist es in einem Ofuro. Da ist es jedoch so, dass es eine Trennwand gibt, neben der man sich links und rechts auf einem eimeraehnlichen Gegenstand platzieren kann. Shampoo und Body Soap werden zur Verfuegung gestellt. Der Duschvorgang ist im Prinzip der gleiche, bloss im Sitzen und dass man sich hier dann noch mit dem Lappen abwaescht. Dann nimmt man den Lappen und setzt ihn wahlweise auf den Kopf oder haelt ihn sich vors Gemaecht und geht in das heisse Bad! Heiss ist vielleicht ein wenig untertrieben. Sobald die Muskeln im Wasser erschlafft sind und man Gefahr laeuft durch Laehmung zu ertrinken, sollte man das Wasser wieder verlassen und sich wieder umziehen. Die Wirkung ist im Endeffekt wirklich toll, weil man in den Beinen nur noch ein Kribbeln spuert. Wahrscheinlich ist es Ansichtssache, ob man das Gefuehl toll findet, aber ein Ofuro ist auf jeden Fall ein Faktor, den man, wenn man in Japan ist, nicht weglassen sollte, weil er doch auch Spass mit sich bringt.
Jeder kennt diese mehrfarbigen Kugelschreiber, die es frueher auch mal in der Mickey Mouse gab. Hier sind das nicht irgendwelche Billigstifte, man kann mal eben 8 Euro fuer einen 5-farbigen Stift bezahlen! Diese Stifte sind hier sehr beliebt, was nicht heisst, dass sie auch billig sind.
Gestern bin ich einen weiteren Schritt der japanischen Kultur naeher gekommen. Neben Natto habe ich ein weiteres traditionelles Essen gegessen. Es handelt sich um Umeboshi. Umeboshi sind in Salz eingelegte (glaube ich zumindest) Pflaumen. Wie mag sowas wohl schmecken? Man glaubt es kaum, aber es schmeckt wirklich nur nach stark gesalzener Pflaume. Wie bei Natto empfinde ich dafuer weder Sympathie noch Antipathie, aber da es gesund ist, kann man es ja mal ab und zu essen. Okaasan wird es mir vermutlich ab und zu ins Obento machen.
Zu guter letzt eine der bekanntesten Traditonen: Origami. Mitschueler des Japanischunterrichts werden sich vielleicht noch daran erinnern, wie ich immer verzweifelt bin, weil ich diese Arbeitsblaetter nicht entziffern konnte (Ab und zu lief es darauf hinaus, dass Tina mir das machen musste.). Jedenfalls habe ich mit Okaasan vorgestern Abend den klassischen Kranich gefalten. Ich meine gehoert zu haben, dass es Glueck bringen solle, wenn man 1000 davon gefaltet hat. Fehlen ja nur noch 999. Ausserdem haben wir noch so einen tollen Samurai-Helm gemacht. Genau so einen habe ich seit Jahren in meiner Federtasche und ich wollte Tina, die ihn gefalten hatte, damals nicht so richtig glauben, dass sie das gemacht hat ohne rumzuschneiden! Der Helm ist im Endeffekt einfacher als der Kranich, aber da ich so muede war, habe ich von der Faltreihenfolge nicht sehr viel behalten.
Bis morgen
Dein Jonathan
Das ist so ziemlich das durchschnittliche Wetter in den letzten Tagen. Im Fernsehen bringt fast jeder Sender das Ergebnis von Japan und den USA im Baseball, denn Japan hat gewonnen! Jetzt werden sie gegen den Olympiasieger im Finale antreten: Korea. Der Fernseher laeuft hier ziemlich oft, auch wenn keiner hinguckt. Langsam stelle ich mich auf den Alltag ein, kann es aber immernoch kaum erwarten zur Schule zu gehen. In diesem Eintrag werde ich noch ein paar Dinge erwaehnen, die ich in den vorherigen Eintraegen vergessen habe.
Das erste, was man mich auf dem Flughafen fragte, war: "What`s your nickname?" Das ist immer eine der ersten Sachen, die man hier gefragt wird. Ich habe dann immer "Yonda" geantwortet, aber zur Freude meiner Mutter (Achtung! Hier ist Ironie versteckt.) werde ich Joni genannt. Ich persoenlich hab ja damit kein Problem, interessant wird es erst, wenn ich dann auch in der Schule von allen so genannt werden sollte, aber das ist ja noch eine Weile hin.
In Tokyo haben wir auf dem Vorbereitungsseminar einen weiteren wichtigen Bestandteil der japanischen Kultur etwas genauer unter die metaphorische Lupe genommen. Das Ofuro! Das Ofuro hat eine lange Tradition bei den Japanern und ist ein oeffentliches Bad, in dem man sich abends einfach nur waescht und anschliessend entspannt. Ofuros werden nach Geschlechtern getrennt und wie es euch kaum wundern wird, kann ich euch (noch) nichts aus einem Frauen-Ofuro berichten. Bevor man das Ofuro betritt werden erstmal die Schuhe abgelegt und in einen Schuhkasten gestellt. Dann betritt man einen Umkleideraum und wuselt zwischen umherwuselnden nackten Japanern umher. Die Sachen werden dann wahlweise in einen Bastkorb oder ein Schliessfach gelegt. Dann nimmt man sich noch einen kleinen Lappen mit, mit dem man sich waescht, und schon kann man das Ofuro betreten. In Japan duscht man, bevor man in ein Bad geht und ebenso ist es in einem Ofuro. Da ist es jedoch so, dass es eine Trennwand gibt, neben der man sich links und rechts auf einem eimeraehnlichen Gegenstand platzieren kann. Shampoo und Body Soap werden zur Verfuegung gestellt. Der Duschvorgang ist im Prinzip der gleiche, bloss im Sitzen und dass man sich hier dann noch mit dem Lappen abwaescht. Dann nimmt man den Lappen und setzt ihn wahlweise auf den Kopf oder haelt ihn sich vors Gemaecht und geht in das heisse Bad! Heiss ist vielleicht ein wenig untertrieben. Sobald die Muskeln im Wasser erschlafft sind und man Gefahr laeuft durch Laehmung zu ertrinken, sollte man das Wasser wieder verlassen und sich wieder umziehen. Die Wirkung ist im Endeffekt wirklich toll, weil man in den Beinen nur noch ein Kribbeln spuert. Wahrscheinlich ist es Ansichtssache, ob man das Gefuehl toll findet, aber ein Ofuro ist auf jeden Fall ein Faktor, den man, wenn man in Japan ist, nicht weglassen sollte, weil er doch auch Spass mit sich bringt.
Jeder kennt diese mehrfarbigen Kugelschreiber, die es frueher auch mal in der Mickey Mouse gab. Hier sind das nicht irgendwelche Billigstifte, man kann mal eben 8 Euro fuer einen 5-farbigen Stift bezahlen! Diese Stifte sind hier sehr beliebt, was nicht heisst, dass sie auch billig sind.
Gestern bin ich einen weiteren Schritt der japanischen Kultur naeher gekommen. Neben Natto habe ich ein weiteres traditionelles Essen gegessen. Es handelt sich um Umeboshi. Umeboshi sind in Salz eingelegte (glaube ich zumindest) Pflaumen. Wie mag sowas wohl schmecken? Man glaubt es kaum, aber es schmeckt wirklich nur nach stark gesalzener Pflaume. Wie bei Natto empfinde ich dafuer weder Sympathie noch Antipathie, aber da es gesund ist, kann man es ja mal ab und zu essen. Okaasan wird es mir vermutlich ab und zu ins Obento machen.
Zu guter letzt eine der bekanntesten Traditonen: Origami. Mitschueler des Japanischunterrichts werden sich vielleicht noch daran erinnern, wie ich immer verzweifelt bin, weil ich diese Arbeitsblaetter nicht entziffern konnte (Ab und zu lief es darauf hinaus, dass Tina mir das machen musste.). Jedenfalls habe ich mit Okaasan vorgestern Abend den klassischen Kranich gefalten. Ich meine gehoert zu haben, dass es Glueck bringen solle, wenn man 1000 davon gefaltet hat. Fehlen ja nur noch 999. Ausserdem haben wir noch so einen tollen Samurai-Helm gemacht. Genau so einen habe ich seit Jahren in meiner Federtasche und ich wollte Tina, die ihn gefalten hatte, damals nicht so richtig glauben, dass sie das gemacht hat ohne rumzuschneiden! Der Helm ist im Endeffekt einfacher als der Kranich, aber da ich so muede war, habe ich von der Faltreihenfolge nicht sehr viel behalten.
Bis morgen
Dein Jonathan
Sonntag, 22. März 2009
Eindruecke aus einem fernen Land
Da bin ich wieder.
Okaasan und Otousan sind jetzt arbeiten, das heisst ich bin das erste Mal alleine zu Hause und habe somit auch ein bisschen mehr Zeit, mich dem Block zu widmen. Diesmal werde ich meine ersten Eindruecke, die schon sehr zahlreich fuer zwei Tage sind, zusammenfassen. Das Wetter hier ist momentan はれ時々くもり(sonnig, manchmal bewoelkt). Nachdem ich aufgewacht bin, war Obihiro erstmal in einen dicken Nebelschleier eingehuellt, Sichtweite ca. 50 Meter, der sich dann nach 15 Minuten wieder verzogen hat.
LP:
Gestern sind wir viel mit dem Auto rumgefahren. Einerseits waren wir in Supermaerkten um nach einer neuen Digitalkamera zu gucken (die hier nicht weniger teuer sind), andererseits haben wir meinen LP (Liason Person) besucht. Jeder AFS-Austauschschueler hat einen LP. Dieser ist ein Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt oder irgendwelche Sachen geklaert werden muessen. Da ist auch schon das erste Problem: Mein LP spricht kein Englisch, was insofern schlecht ist, weil er mir ja anfangs dann auch nichts nuetzt. Es ist eine aeltere Dame von geschaetzten 50 Jahren, die in einem sehr reichen Haushalt wohnt. Otousan, Okaasan und ich wurden herzlich empfangen und setzten uns ins Wohnzimmer, wo wir auch den Ehemann meines LPs trafen. Anschliessend wurde uns Tee serviert, was natuerlich der Frau ueberlassen war (in den meisten Teilen Japans gilt nicht das europaeische Motto "Ladies first"). Interessant dabei war, dass als unser Tee nur noch lauwarm war, sie ein Keramik-Gefaess geholt hat, den lauwarmen Tee da rein gekippt hat und sofort neuen, heissen Tee einschenkte. Waehrend wir als Gaeste und ihr Ehemann auf Stuehlen sassen, kniete sie die ganze Zeit auf dem Boden. Die vier Erwachsenen unterhielten sich auf Japanisch, guckten mich ab und zu mal an und lachten mich aus (eventuell) oder sagten kawaii (bedeutet so viel wie suess). Als Gaijin (Auslaender), der nichts versteht, sitzt man natuerlich nur daneben und laechelt hoeflich. Jedenfalls scheint mein LP trotzdem sehr nett zu sein und wohnt praktischerweise in der Naehe meiner Schule. Ich hoffe in ein paar Monaten kann ich mich bereits mit ihm verstaendigen.
Sightseeing:
Meine Gasteltern sind sehr sportlich. Am Wochenende gehen sie immer joggen und sie nehmen zwei bis drei Mal jaehrlich an einem Marathon Teil. So kam es, dass ich dann also mit joggen gegangen bin. Sie fragten mich, wie weit ich ungefaehr joggen koenne. Da ich das nicht einschaetzen konnte, sagte ich 5km. Um 8.30 Uhr haben wir dann das Haus verlassen und sind bei 2 Grad losgejoggt. Nebenbei haben wir eine kleine Sightseeing-Tour gemacht. Es ist nicht das, was wir wahrscheinlich als Sehenswuerdigkeiten bezeichnen wuerden, aber es sind wichtige Gebaeude in der Stadt. Da waeren die Bibliothek, die gleich hier ist und in der ich mir bereits einen Ausweis besorgt und ein Buch ausgeliehen habe (Englisch), der grosse Bahnhof, ein Karaokehaus, der Zoo, ein grosser Park und vieles mehr. Wir sind dann also tapfer gejoggt und langsam wurde mir dann auch echt warm unter meinem Trainingsanzug (Ich habe den von Otousan geliehen bekommen, der so richtig knall lila ist und glaenzt). Wieder angekommen hat sich herausgestellt, dass wir 45 Minuten, also ungefaehr 7km gerannt sind. Da ich noch topfit war, haben wir beschlossen, naechste mal 10km zu laufen. Ich koenne ja vielleicht auch beim Marathon (28km) mitmachen, meinte Otousan. Nun, das ist gar nicht so unwahrscheinlich.
Essen:
Ach ja das Essen. Viel habe ich bisher nicht gegessen, aber das was ich gegessen habe, war echt toll. Angefangen bei dem Arrival Camp. Dort haben alle Austauschschueler in einer riesigen Kantine gegessen. Das Essen dort war eher westlich, aber natuerlich war jede Mahlzeit warm und es gab zu jeder Mahlzeit eine Schuessel Reis und Miso-Suppe. In der Kantine habe ich bereits eines meiner Hauptziele erreicht: Ich habe Natto gegessen. Natto sind gegorene Sojabohnen und gelten als Schrecken fuer Europaer. Angeblich hasst man sie oder man liebt sie. Ich bin eher dazwischen. Erst habe ich es ohne Sojasauce probiert. Es schmeckt ein bisschen fad, aber hat etwas von Erbsen. Mit der Sojasauce schmeckt das Ganze recht gut. Das lustige an Natto ist, dass es Faeden zieht. Die Faeden sind wie Spinnennetze und kleben dann im Gesicht oder an den Sachen (was weniger schoen ist). Als mich meine Gasteltern abgeholt haben, sind wir erstmal Soba (japanische Nudeln) essen gegangen. Okaasan ist Ernaerungsspezialistin, dem entsprechend ist auch das Essen! An Wochenenden gehen wir immer auswaerts Mittag essen. Samstag abend gab es....tja was gab es? Den Namen weiss ich nicht, nur, dass es lecker war und Salat, Kartoffeln und mehr drin hatte. Morgens macht Otousan immer das Essen. Anders als bei den meisten Japanern gibt es hier kein warmes Fruehstueck. Es ist auch mehr westlich orientiert, das heisst es gibt Toast bzw. Brot, auf das man sich dann einfach Marmelade raufmacht oder so. Ausserdem gibt es jeden Morgen zwei Glaeser, die je mit Fruchtsaft und Gemuesesaft (der sogar gut schmeckt) gefuellt sind. Da ich kein Kaffee trinke, macht Otousan jetzt immer Kaffee-Latte fuer uns drei. Auch hier ist die Frau wieder niedriger gestellt: Okaasan hat immer etwas weniger zu trinken drin. Ob das nun japanische Tradition ist oder sie einfach weniger trinkt, weiss ich nicht. Gestern mittag sind wir dann in einem Kaufhaus Butadon essen gegangen. Das ist eine Spezialitaet aus Obihiro. Schweinefleisch in einer Sauce (bestimmt mit geheimer Mixtur) auf Reis. Das war bisher das leckerste was ich in Japan gegessen habe. Wahrscheinlich ist die Sauce das Geheimnis, aber Okaasan meinte, es ist recht einfach zu machen. Vielleicht bringt sie es mir ja bei! Abends hat Okaasan dann wieder gekocht. Sie hat 1,25 Stunden fuer das Essen gebraucht, was dann in 15 Minuten weggessen war. Das Essen war natuerlich unglaublich lecker. Roh sah es aus wie ein cremiger Gemuesesalat, der dann als Patties (wie Hamburger) auf eine Heizplatte gelegt wird. Ist das Patty unten braun, wird es gewendet. Dann wird es mit einer japanischen Sauce, eine Art getrocknetem Fisch, Nori (Seetang-Blaetter) und Majonaise belegt. Ist dann auch die Unterseite fertig, wir das Ganze gegessen. Es ist wirklich sehr lecker. Anschliessend gab es noch ein Dessert. Otousan richtete Vanille Eis her, garnierte dieses mit Waldfrucht-Sauce und Erdbeeren (Obst ist in Japan sehr teuer. Im Kaufhaus sah ich die Erdbeeren nur fuer 3 Euro aufwaerts pro Schale). Die Erdbeeren hat er nur in kaltem Wasser abgewaschen, warum auch immer. Tja, und vor etwa 1 1/2 Stunden gab es Fruehstueck, aehnlich dem gestrigen. Okaasan hat mir heute ein Obento (kaltes Mittagessen, was man auch in die Schule mitnimmt) gemacht. Gleiches auch fuer Otousan und sich selbst. Ich bin gespannt, was sie mir gemacht hat, werde aber erst nachher reingucken.
Einkaufcenter:
Okaasan und Otousan sind jetzt arbeiten, das heisst ich bin das erste Mal alleine zu Hause und habe somit auch ein bisschen mehr Zeit, mich dem Block zu widmen. Diesmal werde ich meine ersten Eindruecke, die schon sehr zahlreich fuer zwei Tage sind, zusammenfassen. Das Wetter hier ist momentan はれ時々くもり(sonnig, manchmal bewoelkt). Nachdem ich aufgewacht bin, war Obihiro erstmal in einen dicken Nebelschleier eingehuellt, Sichtweite ca. 50 Meter, der sich dann nach 15 Minuten wieder verzogen hat.
LP:
Gestern sind wir viel mit dem Auto rumgefahren. Einerseits waren wir in Supermaerkten um nach einer neuen Digitalkamera zu gucken (die hier nicht weniger teuer sind), andererseits haben wir meinen LP (Liason Person) besucht. Jeder AFS-Austauschschueler hat einen LP. Dieser ist ein Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt oder irgendwelche Sachen geklaert werden muessen. Da ist auch schon das erste Problem: Mein LP spricht kein Englisch, was insofern schlecht ist, weil er mir ja anfangs dann auch nichts nuetzt. Es ist eine aeltere Dame von geschaetzten 50 Jahren, die in einem sehr reichen Haushalt wohnt. Otousan, Okaasan und ich wurden herzlich empfangen und setzten uns ins Wohnzimmer, wo wir auch den Ehemann meines LPs trafen. Anschliessend wurde uns Tee serviert, was natuerlich der Frau ueberlassen war (in den meisten Teilen Japans gilt nicht das europaeische Motto "Ladies first"). Interessant dabei war, dass als unser Tee nur noch lauwarm war, sie ein Keramik-Gefaess geholt hat, den lauwarmen Tee da rein gekippt hat und sofort neuen, heissen Tee einschenkte. Waehrend wir als Gaeste und ihr Ehemann auf Stuehlen sassen, kniete sie die ganze Zeit auf dem Boden. Die vier Erwachsenen unterhielten sich auf Japanisch, guckten mich ab und zu mal an und lachten mich aus (eventuell) oder sagten kawaii (bedeutet so viel wie suess). Als Gaijin (Auslaender), der nichts versteht, sitzt man natuerlich nur daneben und laechelt hoeflich. Jedenfalls scheint mein LP trotzdem sehr nett zu sein und wohnt praktischerweise in der Naehe meiner Schule. Ich hoffe in ein paar Monaten kann ich mich bereits mit ihm verstaendigen.
Sightseeing:
Meine Gasteltern sind sehr sportlich. Am Wochenende gehen sie immer joggen und sie nehmen zwei bis drei Mal jaehrlich an einem Marathon Teil. So kam es, dass ich dann also mit joggen gegangen bin. Sie fragten mich, wie weit ich ungefaehr joggen koenne. Da ich das nicht einschaetzen konnte, sagte ich 5km. Um 8.30 Uhr haben wir dann das Haus verlassen und sind bei 2 Grad losgejoggt. Nebenbei haben wir eine kleine Sightseeing-Tour gemacht. Es ist nicht das, was wir wahrscheinlich als Sehenswuerdigkeiten bezeichnen wuerden, aber es sind wichtige Gebaeude in der Stadt. Da waeren die Bibliothek, die gleich hier ist und in der ich mir bereits einen Ausweis besorgt und ein Buch ausgeliehen habe (Englisch), der grosse Bahnhof, ein Karaokehaus, der Zoo, ein grosser Park und vieles mehr. Wir sind dann also tapfer gejoggt und langsam wurde mir dann auch echt warm unter meinem Trainingsanzug (Ich habe den von Otousan geliehen bekommen, der so richtig knall lila ist und glaenzt). Wieder angekommen hat sich herausgestellt, dass wir 45 Minuten, also ungefaehr 7km gerannt sind. Da ich noch topfit war, haben wir beschlossen, naechste mal 10km zu laufen. Ich koenne ja vielleicht auch beim Marathon (28km) mitmachen, meinte Otousan. Nun, das ist gar nicht so unwahrscheinlich.
Essen:
Ach ja das Essen. Viel habe ich bisher nicht gegessen, aber das was ich gegessen habe, war echt toll. Angefangen bei dem Arrival Camp. Dort haben alle Austauschschueler in einer riesigen Kantine gegessen. Das Essen dort war eher westlich, aber natuerlich war jede Mahlzeit warm und es gab zu jeder Mahlzeit eine Schuessel Reis und Miso-Suppe. In der Kantine habe ich bereits eines meiner Hauptziele erreicht: Ich habe Natto gegessen. Natto sind gegorene Sojabohnen und gelten als Schrecken fuer Europaer. Angeblich hasst man sie oder man liebt sie. Ich bin eher dazwischen. Erst habe ich es ohne Sojasauce probiert. Es schmeckt ein bisschen fad, aber hat etwas von Erbsen. Mit der Sojasauce schmeckt das Ganze recht gut. Das lustige an Natto ist, dass es Faeden zieht. Die Faeden sind wie Spinnennetze und kleben dann im Gesicht oder an den Sachen (was weniger schoen ist). Als mich meine Gasteltern abgeholt haben, sind wir erstmal Soba (japanische Nudeln) essen gegangen. Okaasan ist Ernaerungsspezialistin, dem entsprechend ist auch das Essen! An Wochenenden gehen wir immer auswaerts Mittag essen. Samstag abend gab es....tja was gab es? Den Namen weiss ich nicht, nur, dass es lecker war und Salat, Kartoffeln und mehr drin hatte. Morgens macht Otousan immer das Essen. Anders als bei den meisten Japanern gibt es hier kein warmes Fruehstueck. Es ist auch mehr westlich orientiert, das heisst es gibt Toast bzw. Brot, auf das man sich dann einfach Marmelade raufmacht oder so. Ausserdem gibt es jeden Morgen zwei Glaeser, die je mit Fruchtsaft und Gemuesesaft (der sogar gut schmeckt) gefuellt sind. Da ich kein Kaffee trinke, macht Otousan jetzt immer Kaffee-Latte fuer uns drei. Auch hier ist die Frau wieder niedriger gestellt: Okaasan hat immer etwas weniger zu trinken drin. Ob das nun japanische Tradition ist oder sie einfach weniger trinkt, weiss ich nicht. Gestern mittag sind wir dann in einem Kaufhaus Butadon essen gegangen. Das ist eine Spezialitaet aus Obihiro. Schweinefleisch in einer Sauce (bestimmt mit geheimer Mixtur) auf Reis. Das war bisher das leckerste was ich in Japan gegessen habe. Wahrscheinlich ist die Sauce das Geheimnis, aber Okaasan meinte, es ist recht einfach zu machen. Vielleicht bringt sie es mir ja bei! Abends hat Okaasan dann wieder gekocht. Sie hat 1,25 Stunden fuer das Essen gebraucht, was dann in 15 Minuten weggessen war. Das Essen war natuerlich unglaublich lecker. Roh sah es aus wie ein cremiger Gemuesesalat, der dann als Patties (wie Hamburger) auf eine Heizplatte gelegt wird. Ist das Patty unten braun, wird es gewendet. Dann wird es mit einer japanischen Sauce, eine Art getrocknetem Fisch, Nori (Seetang-Blaetter) und Majonaise belegt. Ist dann auch die Unterseite fertig, wir das Ganze gegessen. Es ist wirklich sehr lecker. Anschliessend gab es noch ein Dessert. Otousan richtete Vanille Eis her, garnierte dieses mit Waldfrucht-Sauce und Erdbeeren (Obst ist in Japan sehr teuer. Im Kaufhaus sah ich die Erdbeeren nur fuer 3 Euro aufwaerts pro Schale). Die Erdbeeren hat er nur in kaltem Wasser abgewaschen, warum auch immer. Tja, und vor etwa 1 1/2 Stunden gab es Fruehstueck, aehnlich dem gestrigen. Okaasan hat mir heute ein Obento (kaltes Mittagessen, was man auch in die Schule mitnimmt) gemacht. Gleiches auch fuer Otousan und sich selbst. Ich bin gespannt, was sie mir gemacht hat, werde aber erst nachher reingucken.
Einkaufcenter:
Wie oben schon erwaehnt waren wir gestern ein bisschen in Einkaufscentern rumschnuppern. Alles ist bunt und springt einen regelrecht an. Ausserdem laeuft, wie an den meisten oeffentlichen Plaetzen Japans, immer Musik, die an Froehlichkeit wohl kaum uebertroffen werden kann. Oft stehen Leute rum und geben einem Proben, die ich natuerlich gierig entgegen genommen habe. Wie schon erwaehnt ist Obst sehr teuer. Daher fand ich es lustig, dass man einmal Bananen mit braunen Flecken kaufen kann, die umgerechnet vielleicht 90 Cent kosten, und einmal normale Bananen, die umgerechnet dann ca. 3 Euro kosten, kaufen kann. Ausserdem waren wir noch in einem 100Yen-Store, in dem halt alles 100 Yen kostet (dem entsprechend sind auch die Artikel). Japanische Einkaufscenter sind fuer Auslaender wohl sehr lustig und koennen durchaus als Attraktion eingestuft werden!
Sonstiges:
Eine der schlimmsten Sachen, die passieren konnten, ist eingetreten. Okaasan und Otousan wollen offenbar nicht, dass ich Volleyball spiele. Jedenfalls haben sie das mit "Dann musst du aber immer ganz schnell nach Hause fahren, wenn du noch puenktlich zum Essen kommen willst." und "Man trainiert dort aber auch in den Ferien und am Wochenende." angedeutet. Schrecklich, schrecklich! Ich stehe vor meiner ersten Krise. Ich werde den Schuldirektor fragen, ob ich vielleicht nur innerhalb der Woche trainieren kann, obwohl das vermutlich nicht gehen wird. 1 Jahr ohne Volleyball? Das waere ja ein Desaster!
Eine weitere schlechte Nachricht: Der Vater von Okaasan ist im Januar gestorben und in Japan ist es wohl Traditon, dass man nach 49 Tagen der Person beisetzt. Das waere dann am Donnerstag! Ich habe gefragt, ob ich dann mitkommen soll und das wurde bejaht. Das hat natuerlich auch eine gute Seite, ich werde eine traditionell japanische Beerdigung sehen. Ich werde davon natuerlich ausfuehrlicher berichten, soweit ich weiss findet eine Leichenverbrennung statt.

Risu. Der Name eines Tieres, was in Obihiro in grosser Anzahl (auch wenn ich noch keins gesehen habe) und grosser Groesse vorhanden sein soll. Doch um was handelt es sich? Manche kennen es als schlechte Zeichnung meinerseits, viele als Eichhoernchen, doch die meisten kennen es als Thomas. Ja, die Gattung Thomas ist hier weit verbreitet und man findet viele Warnschilder, auf denen ein schwarzes Eichhoernchen auf gelbem Grund zu sehen ist. Wenn ich endlich meine Kamera haben sollte, werde ich auf jeden Fall ein Foto davon machen!
Das wars erstmal mit dem bisher laengsten Blog-Eintrag,
Dein Jonathan
P.S.: Eichhoernchen/Thomas gibt es nur auf Hokkaido!
Sonstiges:
Eine der schlimmsten Sachen, die passieren konnten, ist eingetreten. Okaasan und Otousan wollen offenbar nicht, dass ich Volleyball spiele. Jedenfalls haben sie das mit "Dann musst du aber immer ganz schnell nach Hause fahren, wenn du noch puenktlich zum Essen kommen willst." und "Man trainiert dort aber auch in den Ferien und am Wochenende." angedeutet. Schrecklich, schrecklich! Ich stehe vor meiner ersten Krise. Ich werde den Schuldirektor fragen, ob ich vielleicht nur innerhalb der Woche trainieren kann, obwohl das vermutlich nicht gehen wird. 1 Jahr ohne Volleyball? Das waere ja ein Desaster!
Eine weitere schlechte Nachricht: Der Vater von Okaasan ist im Januar gestorben und in Japan ist es wohl Traditon, dass man nach 49 Tagen der Person beisetzt. Das waere dann am Donnerstag! Ich habe gefragt, ob ich dann mitkommen soll und das wurde bejaht. Das hat natuerlich auch eine gute Seite, ich werde eine traditionell japanische Beerdigung sehen. Ich werde davon natuerlich ausfuehrlicher berichten, soweit ich weiss findet eine Leichenverbrennung statt.
Risu. Der Name eines Tieres, was in Obihiro in grosser Anzahl (auch wenn ich noch keins gesehen habe) und grosser Groesse vorhanden sein soll. Doch um was handelt es sich? Manche kennen es als schlechte Zeichnung meinerseits, viele als Eichhoernchen, doch die meisten kennen es als Thomas. Ja, die Gattung Thomas ist hier weit verbreitet und man findet viele Warnschilder, auf denen ein schwarzes Eichhoernchen auf gelbem Grund zu sehen ist. Wenn ich endlich meine Kamera haben sollte, werde ich auf jeden Fall ein Foto davon machen!
Das wars erstmal mit dem bisher laengsten Blog-Eintrag,
Dein Jonathan
P.S.: Eichhoernchen/Thomas gibt es nur auf Hokkaido!
Samstag, 21. März 2009
Geschafft
Sorry fuer meine Abwesenheit, aber in meiner zweiten Herberge in Tokyo hatte ich kein Internet.
Jaja, endlich ist es so weit..Ich bin daaaaaaaa. Es gibt sooo viel zu erzaehlen, aber ich will nicht unhoeflich erscheinen und werde mich daher kurz halten mit dem Blog. Ich bin da, mein Zimmer besteht praktisch nur aus einem Bett, das Auto ist purer Luxus und das Beste: Ich habe meine Schuluniform! Sie sieht aus wie in einem Anime, einfach nur dunkelblau mit goldenen Knoepfen, aber sie ist soooooooo toll! Vielleicht ergibt sich ja eine Gelegenheit mal ein Foto hochzuladen.
Wie von meinem Vorgaenger hier angekuendigt, habe ich eine Liste bekommen. Auf den ersten Blick habe ich erstmal einen Schreck bekommen, ich muss meine Waesche selbst waschen und relativ viel putzen.
Den Blog werde ich wahrscheinlich nur in der Woche fortfuehren koennen, weil Otousan (Vater) das nicht so gerne sieht, wenn der Laptop am Wochenende benutzt wird. Tja, und was waere der japanische Haushalt ohne ein weiteres.... Hightech Klo! Auch hier ist das Hinternabwischen out, was ich natuerlich nicht unbedingt schlecht finde.
Ausserdem liegt hier noch viel Schnee bei 5 Grad. Im Moment ist gerade alles toll, nach der Orientation in Tokyo habe ich auch viele neue Freunde gewonnen, aus Malaysia, Australien, Norwegen und mehr (Es waren uebrigens 35 Laender vertreten).
Ich mach jetzt mal Schluss und werde mich wahrscheinlich wieder am Montag melden.
Dein Jonathan
Jaja, endlich ist es so weit..Ich bin daaaaaaaa. Es gibt sooo viel zu erzaehlen, aber ich will nicht unhoeflich erscheinen und werde mich daher kurz halten mit dem Blog. Ich bin da, mein Zimmer besteht praktisch nur aus einem Bett, das Auto ist purer Luxus und das Beste: Ich habe meine Schuluniform! Sie sieht aus wie in einem Anime, einfach nur dunkelblau mit goldenen Knoepfen, aber sie ist soooooooo toll! Vielleicht ergibt sich ja eine Gelegenheit mal ein Foto hochzuladen.
Wie von meinem Vorgaenger hier angekuendigt, habe ich eine Liste bekommen. Auf den ersten Blick habe ich erstmal einen Schreck bekommen, ich muss meine Waesche selbst waschen und relativ viel putzen.
Den Blog werde ich wahrscheinlich nur in der Woche fortfuehren koennen, weil Otousan (Vater) das nicht so gerne sieht, wenn der Laptop am Wochenende benutzt wird. Tja, und was waere der japanische Haushalt ohne ein weiteres.... Hightech Klo! Auch hier ist das Hinternabwischen out, was ich natuerlich nicht unbedingt schlecht finde.
Ausserdem liegt hier noch viel Schnee bei 5 Grad. Im Moment ist gerade alles toll, nach der Orientation in Tokyo habe ich auch viele neue Freunde gewonnen, aus Malaysia, Australien, Norwegen und mehr (Es waren uebrigens 35 Laender vertreten).
Ich mach jetzt mal Schluss und werde mich wahrscheinlich wieder am Montag melden.
Dein Jonathan
Mittwoch, 18. März 2009
Der erste Tag
Da bin ich wieder. Ich musste heute um 6.00 Uhr aufstehen, weil hier schon die ersten in ihre Stadt losfahren. Ich hab noch ein bisschen Zeit, in zirka einer Stunde gibts fuer mich erst Fruehstueck.
Gestern hatte ich viel Freizeit. Das Wetter war genial, denn es gab keine Wolken und einen strahlend blauen Himmel, bei geschaetzten 18 Grad. Dazu wehte eine frische Brise, die das Ganze so angenehm machte.
Ich hatte dann erstmal den halben Tag (bzw. den ganzen) frei und habe die Zeit mit ein paar Deutschen im Garten verbracht. Gegen Abend (das Abendessen war hervorragend) sind wir dann wieder in den Garten, diesmal aber nur zu dritt, und haben ein bisschen Auslaender angequatscht. Schaetzungsweise sind hier 20 Nationen bei 244 Austauschschuelern vertreten, was einfach toll ist. Nachdem wir einen Smalltalk mit Australiern hatten, setzten wir uns zu Malayen, mit denen ich dann eigentlich auch den Rest des Abends verbracht habe.
Japan ist bekannt fuer seine modernen Toiletten. Da ich ja hier praktisch in einem 4 Sterne Hotel sitze, ist so eines natuerlich auch eingebaut. Tja Leute, hier in Japan muss man sich nicht mehr den Arsch abwischen, das macht alles ein Wasserstrahl. Es fuehlt sich genau so merkwuerdig an, wie es klingt, aber das sollte man am besten mal selbst ausprobieren....
Meine Zeit fuer das Inet ist leider kurz vorm Ablaufen. Ich fahre nachher mit meiner Tokyo-Vorbereitungsgruppe 2 1\2 Stunden durch Tokyo und bin auf meine dortige Location gespannt.

Dein Jonathan
Gestern hatte ich viel Freizeit. Das Wetter war genial, denn es gab keine Wolken und einen strahlend blauen Himmel, bei geschaetzten 18 Grad. Dazu wehte eine frische Brise, die das Ganze so angenehm machte.
Ich hatte dann erstmal den halben Tag (bzw. den ganzen) frei und habe die Zeit mit ein paar Deutschen im Garten verbracht. Gegen Abend (das Abendessen war hervorragend) sind wir dann wieder in den Garten, diesmal aber nur zu dritt, und haben ein bisschen Auslaender angequatscht. Schaetzungsweise sind hier 20 Nationen bei 244 Austauschschuelern vertreten, was einfach toll ist. Nachdem wir einen Smalltalk mit Australiern hatten, setzten wir uns zu Malayen, mit denen ich dann eigentlich auch den Rest des Abends verbracht habe.
Japan ist bekannt fuer seine modernen Toiletten. Da ich ja hier praktisch in einem 4 Sterne Hotel sitze, ist so eines natuerlich auch eingebaut. Tja Leute, hier in Japan muss man sich nicht mehr den Arsch abwischen, das macht alles ein Wasserstrahl. Es fuehlt sich genau so merkwuerdig an, wie es klingt, aber das sollte man am besten mal selbst ausprobieren....
Meine Zeit fuer das Inet ist leider kurz vorm Ablaufen. Ich fahre nachher mit meiner Tokyo-Vorbereitungsgruppe 2 1\2 Stunden durch Tokyo und bin auf meine dortige Location gespannt.
Dein Jonathan
Flug und Ankunft
Geschafft! Geschafft!
Gerade sitze ich in einem Hotel, welches in Deutschland vielleicht als 4 Sterne Hotel durchgehen wuerde. Mir geht es hier also sehr gut. Der Flug war der angenehmste den ich je hatte: Kaum spuerbarer Druck auf den Ohren und ausnahmsweise mal gutes Catering. Neben mir sass ein nettes aelteres japanisches Paerchen, mit dem ich auch diverse Smalltalks hatte, was letztendlich darauf hinaus lief, dass ich nun deren Adresse habe, um ihnen mal einen Brief zu schreiben. Viel mehr kann ich nicht schreiben, Zeit ist bald abgelaufen, aber ihr sollt wissen, dass ich lebe und in Japan bin.
Bis zum naechsten Eintrag
Dein Jonathan
Gerade sitze ich in einem Hotel, welches in Deutschland vielleicht als 4 Sterne Hotel durchgehen wuerde. Mir geht es hier also sehr gut. Der Flug war der angenehmste den ich je hatte: Kaum spuerbarer Druck auf den Ohren und ausnahmsweise mal gutes Catering. Neben mir sass ein nettes aelteres japanisches Paerchen, mit dem ich auch diverse Smalltalks hatte, was letztendlich darauf hinaus lief, dass ich nun deren Adresse habe, um ihnen mal einen Brief zu schreiben. Viel mehr kann ich nicht schreiben, Zeit ist bald abgelaufen, aber ihr sollt wissen, dass ich lebe und in Japan bin.
Bis zum naechsten Eintrag
Dein Jonathan
Dienstag, 17. März 2009
Tag der Abreise
Einen (wunderkomischen) guten Morgen,
in 45 Minuten ist die Abreise, schick bin ich auch schon gemacht und in meinem Magen werden bereits die letzten Reste von Nutella und Lachs abgebaut. Außerdem genieß ich natürlich die letzten Minuten mit meinem ach so geliebten Soundsystem, das mir immer zur Seite stand, wenn ich es brauchte.
In weniger als 3 Stunden geht mein Flug nach Frankfurt, ich kann es jetzt schon kaum erwarten.....nicht (der war für Jonas). Fliegen ist nicht gerade eine Leidenschaft - Nein, ich habe keine Flugangst, ich finde dieses Druck-auf-den-Ohren-Gefühl bloß leicht eklig. Jedenfalls muss ich mich mental dann langsam darauf einstellen, meine Freunde erst in ca. 11 Monaten (zumindest betreffend dem Gegenüberstehen) wiederzusehen. Wie fühlt man sich da? Nun ja, ich wurde grob geschätzt 40-mal gefragt, ob ich denn schon aufgeregt sei und immer lautete meine Antwort "Nein." Na gut, später lautete sie auch "Nein!" oder vielleicht auch mal "NEIN!" oder sogar "Thomaaas Neiiiiiiin!!!!!!" (so ähnlich). Mittlerweile kann ich es immernoch nicht so richtig behaupten oder vielleicht auch doch, ich merke auf jeden Fall irgendetwas, also alle Aufgeregt-Frager dieser Welt, hiermit habt ihr eure begehrte Antwort. Die Zeit rennt, Lizbeth und Anne müssten auch gleich kommen, Zähne putzen muss ich auch noch...kurz gesagt: ich muss mich wieder verabschieden.
Dein Jonathan
in 45 Minuten ist die Abreise, schick bin ich auch schon gemacht und in meinem Magen werden bereits die letzten Reste von Nutella und Lachs abgebaut. Außerdem genieß ich natürlich die letzten Minuten mit meinem ach so geliebten Soundsystem, das mir immer zur Seite stand, wenn ich es brauchte.
In weniger als 3 Stunden geht mein Flug nach Frankfurt, ich kann es jetzt schon kaum erwarten.....nicht (der war für Jonas). Fliegen ist nicht gerade eine Leidenschaft - Nein, ich habe keine Flugangst, ich finde dieses Druck-auf-den-Ohren-Gefühl bloß leicht eklig. Jedenfalls muss ich mich mental dann langsam darauf einstellen, meine Freunde erst in ca. 11 Monaten (zumindest betreffend dem Gegenüberstehen) wiederzusehen. Wie fühlt man sich da? Nun ja, ich wurde grob geschätzt 40-mal gefragt, ob ich denn schon aufgeregt sei und immer lautete meine Antwort "Nein." Na gut, später lautete sie auch "Nein!" oder vielleicht auch mal "NEIN!" oder sogar "Thomaaas Neiiiiiiin!!!!!!" (so ähnlich). Mittlerweile kann ich es immernoch nicht so richtig behaupten oder vielleicht auch doch, ich merke auf jeden Fall irgendetwas, also alle Aufgeregt-Frager dieser Welt, hiermit habt ihr eure begehrte Antwort. Die Zeit rennt, Lizbeth und Anne müssten auch gleich kommen, Zähne putzen muss ich auch noch...kurz gesagt: ich muss mich wieder verabschieden.
Dein Jonathan
Montag, 16. März 2009
Abreise
Hallo,
da bin ich also gelandet: an einem Blog. Wenn es mir meine Kondition in Japan erlaubt, werde ich dir hier täglich mit frischen und mutmaßlich auch mal sehr komischen, wenn nicht sogar witzigen Situationen aus dem Alltag eines Deutschen in Japan die Zeit vertreiben.
Der Tag der großen Abreise ist so gut wie gekommen. Morgen werde ich um 10.20 erstmal von Tegel nach Frankfurt fliegen und anschließend von Frankfurt nach Tokyo. Grob geschätzt ein 12-Stunden-Flug, der mir voraussichtlich sowohl Schlaf als auch alles was an Nerven vorhanden ist rauben wird. Dazu doch dann näheres sollte ich angekommen sein.
Informationen über meine Gastfamilie sind bereits vorhanden: ein sympathisch aussehendes, älteres Pärchen, das in (relativ) hohem Alter noch öfter an Marathons teilnimmt und viel Wert auf gesunde Ernährung legt (kein Wunder bei einer Ernährungsspezialistin). Mein Zielort heißt Obihiro, eine bekannte Stadt im Norden Japans auf der Hauptinsel Hokkaido. Sehr landwirtschaftlich orientiert birgt sie doch Entspannungsmöglichkeiten wie Thermalquellen oder einfach nur schöne, große Parks. Auch dazu genaueres, wenn ich erstmal dazu gekommen bin, die Stadt zu inspizieren bzw. einen ersten Blick raufzuwerfen.
Mit diesen Worten verabschiede ich mich erstmal und warte halb gelassen, halb zappelig auf den Tag der großen Abreise.
Dein Jonathan
da bin ich also gelandet: an einem Blog. Wenn es mir meine Kondition in Japan erlaubt, werde ich dir hier täglich mit frischen und mutmaßlich auch mal sehr komischen, wenn nicht sogar witzigen Situationen aus dem Alltag eines Deutschen in Japan die Zeit vertreiben.
Der Tag der großen Abreise ist so gut wie gekommen. Morgen werde ich um 10.20 erstmal von Tegel nach Frankfurt fliegen und anschließend von Frankfurt nach Tokyo. Grob geschätzt ein 12-Stunden-Flug, der mir voraussichtlich sowohl Schlaf als auch alles was an Nerven vorhanden ist rauben wird. Dazu doch dann näheres sollte ich angekommen sein.
Informationen über meine Gastfamilie sind bereits vorhanden: ein sympathisch aussehendes, älteres Pärchen, das in (relativ) hohem Alter noch öfter an Marathons teilnimmt und viel Wert auf gesunde Ernährung legt (kein Wunder bei einer Ernährungsspezialistin). Mein Zielort heißt Obihiro, eine bekannte Stadt im Norden Japans auf der Hauptinsel Hokkaido. Sehr landwirtschaftlich orientiert birgt sie doch Entspannungsmöglichkeiten wie Thermalquellen oder einfach nur schöne, große Parks. Auch dazu genaueres, wenn ich erstmal dazu gekommen bin, die Stadt zu inspizieren bzw. einen ersten Blick raufzuwerfen.
Mit diesen Worten verabschiede ich mich erstmal und warte halb gelassen, halb zappelig auf den Tag der großen Abreise.
Dein Jonathan
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