Montag, 27. April 2009

Probleme

Und wieder ist eine Woche rum. Der Anfang der neuen Woche bringt natuerlich auch einen neuen Blogeintrag mit sich! Diesmal wird es hauptsaechlich um das gestrige AFS-Event und Probleme verschiedener Gastschueler gehen.

Gestern trafen sich alle Gastschueler aus der Region Tokachi. Das sind alle, die in Obihiro sind und Abi (Abigail) aus Malaysia, die eine gute Freundin von mir ist und in Ohotsuku wohnt. Auf dem Tagesplan stand: Kochen. Puenktlich wie wir Deutschen sind war ich am verabredeten Ort und traf auch schon Abi, die mich jubelnd ansprang und umarmte. Ihre Gastmutter schien davon nicht sehr angetan zu sein. Wir gingen dann zusammen in die Kueche, wo sich bereits alle anderen eingefunden hatten und die ersten Zutaten fuer das 21-Leute-Essen bereit legten. Dann gings auch schon los mit der Kocherei, weil wir ein Zeitlimit hatten. Ich wurde zum Salat schneiden verdonnert und quatschte nebenbei mit Nathalie.
Sie erwaehnte irgendwann meine Schule und meinte, dass Schueler von ihrer Schule gesagt haben, dass die coolsten Schueler in Obihiro auf die 三条高校 (Sanjokoko), also meine Schule, gehen. Generell habe ich gemerkt, dass wirklich jeder die 三条高校 kennt und immer erstaunt ist, wenn ich ihm erzaehle, dass ich dorthin gehe. Die Schulhymne meiner Schule, ich mag sie sehr, soll ausserdem eine der drei besten Japans sein. Noch dazu gehoert auch das Orchester zu den besten Hokkaidos und nimmt sehr oft an Wettkaempfen teil, ich bin also auf einer echten Elite-Schule.
Doch nun wieder zum Kochen. Mit dem Salat war ich schnell fertig und machte mich, nachdem ich ein paar Fotos geschossen hatte, ans Tisch decken. Nachdem ich die Flasche Calpis auf einem der Tische gesehen hatte, wusste ich, wo mein Platz sein wuerde. Nach einem sehr anstrengendem Tische ruecken, verteilte ich mit einer Japanerin, die ein Jahr in Kottbus verbracht hatte, noch sehr leckere selbstgemachte Kekse. Damit war meine Arbeit getan und ich verbrachte den Rest der Zeit damit, den anderen zuzugucken, wie sie das Essen zubereiteten. Als alles fertig war, stand folgendes auf den Tischen: Kekse, Reis, selbstgemachte Onigiri (gefuellte Reisbaellchen), Huehnchen, Yakisoba, Kartoffeln mit Kaese ueberbacken, Fruechte mit geschnitzten Mustern, Salat und und und.... Natuerlich habe ich mich bis zum Maximum vollgestopft, hauptsaechlich mit Keksen, wenn ich ehrlich bin. Ich habe aber alles probiert und muss sagen, dass es wirklich ein 1a Essen war!
Nach dem Essen wollten wir Austauschschueler natuerlich noch ein wenig Zeit gemeinsam verbringen, weil wir uns ja sehr selten, bzw. Abi nie sehen. Erst hiess es, wir duerfen nicht, doch nach vielen Redereien wurden wir dann doch befreit, natuerlich erst, nachdem alles abgewaschen war. Noch waehrend dem Abwaschen fragte mich eine japanische Dame, ob Abi irgendwas wegen einem Gastfamilienwechsel sagte. Ich verneinte, weil sie das nunmal nicht tat, gewundert hat es mich trotzdem. Dan und Abi wollten die ganze Zeit raus, so schnell wie moeglich. Nathalie hatte leider ein Meeting und musste nach dem Essen sofort weg, deshalb nahmen alle Japaner mich als Ansprechpartner, was wir denn jetzt machen, wie lange das dauert und so weiter und so fort. Im Endeffekt haben sie uns 1 1/2 Stunden Zeit gegeben, was nun wirklich nicht viel ist!
Unser Ziel war das nahegelegene Nagasakiya, natuerlich um Purikura zu machen. Ich redete viel mit Abi, unser einziges Thema war eigentlich ihre Gastmutter. Abi meint, dass ihre Gastmutter sie viel zu viel kontrolliert, private Dinge an Freunde und Nachbarn freigibt und ihr generell viel zu wenig Freiraum laesst. Was sie mir erzaehlt hat, war zum Teil sehr erschreckend. Im Moment wuerde sie auf jeden Fall wieder nach Malaysia zurueckfliegen, sie tut das nur nicht, weil ihre Eltern verdammt viel Geld fuer das Ganze bezahlt haben. Am Samstag hatte Abi wohl einen grossen Streit mit ihrer Gastmutter, weil Abi nur sehr wenig Zeit bekommt, alleine etwas zu tun und ihr dann auch das verboten wurde. Ihr Weg mit Aerger umzugehen ist Schweigen. Sie schweigt dann einfach und sagt lange nichts. Das hat die Gastmutter auf die Palme gebracht und Abi hatte dann irgendwann eine Panikattacke und konnte kaum atmen. Schon als ich das hoerte hat es mich aus den Socken gehauen. Genau als sie weinend vor ihrer Gastmutter kniete und wirklich nach jedem Stueckchen Luft rang, kam ihr LP ins Haus. Dieser war natuerlich geschockt und hat Abi erstmal mitgenommen. Einerseits damit sie ihre Freizeit hat, andereseits um ein klaerendes Gespraech zu fuehren. Ihr LP meinte, wenn irgendeine Kleinigkeit passiert, soll sie ihn sofort anrufen und sie verlaesst die Familie. Abi fragte auch mich, was sie tun solle. Nachdem was ich alles gehoert hatte lag fuer mich eigentlich auf der Hand, dass sie definitiv die Gastfamilie wechseln sollte, weil sie so nicht ihr Austauschjahr verbringen kann. Sie tut sich schwer mit der Idee, weil sie schon Freunde gefunden hat und entschied sich dazu, der Gastmutter noch eine Chance zugeben, mit wenig Verstaendnis meinerseits. Ausserdem hat Abis Schule eine Ausgangssperre nach 20 Uhr und wenn man die nicht einhaelt, muss man sich in der Zeitung oeffentlich entschuldigen. Im Laufe unseres Gespraechs erfuhr ich auch von Dan, dass er sich viel zu kontrolliert fuehlt, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum er gestern immer Truebsal geblasen hatte. Nathalie hat auch Probleme, weil ihre Gastfamilie wohl eine unglaublich schreckliche Ernaehrung haben soll und es fast nie Gemuese oder Obst gibt. Jedenfalls war es schoen, Abi gluecklich zu sehen, weil sie es mit Abstand am schwersten von uns hat und deswegen habe ich sie auch zu einer Runde Purikura zu zweit eingeladen, mit den Worten "Just look at the Purikura when you're sad.". Ich bezweifle nicht, dass sie das machen wird....

Schulisch laeuft alles gut. Waehrend die Maedchen dahinschmelzen, wenn sie erfahren, dass ich Single bin und die Jungs (ausser die vom Volleyballclub) mich immer cooler finden, werde ich endlich naechste Woche einen gemeinsamen Tag mit Fujisaki und Keisuke verbringen. Geplant ist ein Gamecenter. Mein Hauptziel werden natuerlich die Purikura-Automaten sein!

Dein Jonathan

P.S.: Es ist nur noch eine Tafel von meinen Milka Mitbringseln uebrig! Wenn du mir das Kanji-Lernen leichter machen willst, kannst du mir einfach ein paar Tafeln von Lindt oder Milka (ja, ich bin dreisterweise auch noch waehlerisch) per Post schicken. Ist das nicht mal 'n Vorschlag? Adresse auf Anfrage!

8 Kommentare:

  1. jo, hast ja bald Geburtstag und hier liegen noch jede Menge Tafeln auf deinem Schrank.
    Schoen dass du soviel Glueck mit Gasteltern und Schule hast und das mit dem Volleyball bekommst du auch noch hin.

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  2. gib mir deine adresse! :D
    <3

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  3. Ich würd deinen Austauschfreunden gern was geben..
    Die armen Dinger
    Dich hats tatsächlich am besten getroffen xp

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  4. voll sozial von dir sie so aufzu muntern :)
    jaaha die adresse hätt ich auch gern.
    deine gasteltern sind einfachmal die geilsten !

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  5. findest du es nicht ein bisschen fehl am platze hier die probleme von abi reinzuschreiben wenn sie genau das an ihrer gastfamiie stört?

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  6. Ich schilder nur Probleme, die ein Austauschschueler haben kann.

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  7. was ja egal sein kann, weil ihr sie sowieso nie treffen werdet, haette sie auch karotte nennen koennen, waer aufs gleiche rausgekommen

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