Montag, 30. März 2009

Wochenende

Nach wochenendlicher Abwesenheit nun wieder ein Blog-Eintrag! Es gibt viel neues vom Wochenende zu berichten, vom Gedankenlesen bis zum Pferderennen ist alles dabei. Aber schau selbst:

Ich fange erstmal mit dem Freitag an. Eigentlich wollte ich mich am Freitag mal wieder mit den anderen AFSern treffen, doch das ist organisatorisch ziemlich fehlgeschlagen. Da ich zu Hause nicht eingehen wollte, entschloss ich mich, mal wieder alleine durch Obihiro zu streifen, oder besser gesagt: Einkaufscenter unsicher machen. In meinem heiss geliebten Nagasakiya ging ich dann erstmal zu meinem zukuenftigen Suessigkeits-Stamm-Laden - ein Jonathan brauch so etwas nunmal. Diesmal ass ich einen leckeren Schokoladenkuchen. Kaum verliess ich "meinen" Laden wieder, begegnete mir Dan aus Neu Seeland. Das ist schon das dritte Mal, dass wir uns "zufaellig" begegnen (Stalker?!). Jedenfalls war Dan genau so langweilig wie mir und wir beschlossen, zusammen die Einkaufscenter unsicher zu machen. Wir gingen mal wieder ins Posufuuru und guckten einfach nur rum, bis wir die Purikura-Automaten entdeckten. Purikura sind diese sehr beruehmten kleinen Fotos, auf denen man meist selbst abgebildet ist und die man dann noch bunt bemalen kann. Dan war geschockt, dass ich sowas noch nicht gemacht habe. Bei ihm in Neu Seeland gibt es sone Automaten wohl en masse. Fuer 400 Yen konnten wir dann entscheiden, welche Groesse die Fotos haben sollen und haben uns prompt in komischen Posen fotografieren lassen. Anschliessend haben wir die Fotos bearbeitet, was mit Abstand den meisten Spass bringt. Ich denke, ich werde in diesen Automaten noch viel, sehr viel Zeit verbringen.

Puh, nur einen Stichpunkt fuer Freitag auf meinem Notizzettel und trotzdem so viel geschrieben! Von Samstag gibt es bedeutend mehr zu erzaehlen. Angefangen hat es damit, dass Okaasan mein Futon lueften wollte. Futon lueften? Ganz klar : Futon auf den Balkon stellen und zwei Stunden warten. Aber nein, nicht in Japan. Auch fuer das Futon lueften gibt es eine Maschine. Ein kleiner R2-D2, der mit einem Schlauch heisse Luft in eine Gummimatratze blaest, die auf dem Futon ausgebreitet ist. Die Decke wird noch drueber gelegt und man wartet eine Stunde - Voila! So lueftet man in Japan einen Futon.
Wie jedes Wochenende waren wir wieder joggen. Diesmal waren noch fuenf Freunde von Okaasan dabei, die alle aber viel juenger gewesen sein muessen. Nach gemeinsamen Dehnuebungen, die Okaasan geleitet hat, sind wir losgerannt. Otousan, Okaasan und ich laufen bevor wir uns treffen immer noch eine kleine Runde. Mit den anderen sind wir dann eine weitere kleine Runde gelaufen, ich war danach auch noch ziemlich fit. Oft wurden mir Fragen gestellt, die ich wegen mangelndem Japanisch nicht beantworten konnte. Verstanden hatte ich jedoch, dass wir uns am Sonntag nochmal mit einigen dieser Frauen zum Joggen treffen werden. Dieses Wochenende sind wir Pizza essen gegangen. Anders als bei uns ist die Pizza halb so gross und kostet doppelt so viel. Sie war zwar echt lecker, aber den Preis (fuenf Euro) nicht wert. Bevor man die Pizza bekommt, werden einem Scheren von "Zwilling J.A. Henckels" auf den Tisch gestellt. Wozu? fragte ich mich. Pizza schneiden hat hier eine andere Bedeutung, richtig, die Pizza wird mit der Schere geschnitten. Das geht schneller als mit dem Messer und ich finde, das koennte ruhig auch mal in anderen Laender eingefuehrt werden.
Nach dem leckeren Mittagessen sind wir dann in einen Sportladen gefahren. Gute Gelegenheit gleich mal nach neuen Outdoorschuhen zu gucken, dachte ich mir. Es schmerzte mich immer, meine schoenen Volleyball Asics beim Joggen im Sand leiden zu sehen. Okaasan und Otousan gingen dann auch mit mir zu den Schuhen. Auf einmal meinte Okaasan: "Joni, shoes are present from us. For jogging." Imaginaere Freudentraenen rannen an meinen Wangen runter und am liebsten haette ich die beiden umarmt, doch da das in Japan nicht ueblich ist, habe ich es lieber sein lassen. Sie meinten, sie werden mir nicht die teuersten Schuhe kaufen, was ich eigentlich auch nicht erwartet habe, aber da Asics eine japanische Firma ist, sind die Produkte hier generell viel billiger und sie haben umgerechnet 67 Euro fuer die Schuhe bezahlt. In Deutschland kostet dieses Modell (Gel 1140) 100 Euro. Und als ob das nicht genug waere, haben sie mir dann noch zwei Paar Asics Socken gekauft! Wie gern haette ich mich bei ihnen richtig bedankt, doch dafuer fehlen mir einfach noch die Worte. Ich denke, sie konnten mir auch ansehen, dass ich uebergluecklich bin.
Mit den neuen Schuhen im Kofferraum fuhren wir Richtung Supermarkt. Dort angekommen ist mir erst aufgefallen, wie teuer japanische Lebensmittel eigentlich sind. Dadurch, dass hier alles in Yen angezeigt wird, wirkt es auf mich preiswerter, aber wenn man dann mal die Preise umrechnet, ist es wirklich schrecklich, was Japaner fuers Essen bezahlen muessen. Zum Beispiel eine Mini-Pizza. Zwei Stueck fuer vier Euro. Bei uns gibt es drei grosse Pizzen fuer unter zwei Euro. Generell ist hier vieles halb so gross, aber doppelt so teuer. Umso mehr weiss ich es zu schaetzen, dass es hier zu jeder Mahlzeit einen Salat oder nochmal teureres Obst gibt. Mit einem vollen Einkaufswagen sind wir dann zur Kasse gefahren. Dort bemerkte ich eine weitere Kuriositaet: In diesem Supermarkt musste von den Kassierern immer der Preis der durchgescannten Ware angesagt werden. Das scheint aber nur bei dieser Supermarktkette der Fall zu sein.
Wenn man in den Ferien durch eine japanische Grossstadt laeuft, zeigt sich ein weiteres interessantes Spektakel. Da es in den Schulen verboten ist, sich aufzustylen, muessen das die Maedchen wohl immer nachholen. Sie laufen dann bei 3 Grad in Hotpants rum, das Gesicht ist ein einziger Farbtopf und dann stoeckeln sie mit 20cm hohen Absaetzen davon. Es ist wirklich schrecklich, vielleicht kann ich mal ein Foto davon machen.
Vom Einkauf zurueckgekommen gab ich Okaasan zu bedeuten, dass ich gerne meine Hallenschuhe putzen wuerde, da die festgetretenen kleinen Steinchen meine Sohle nach und nach kaputt machen wuerden und die Sohle ausserdem noch ziemlich dreckig war von dem vielen Sand. Aber anstatt mir Wassereimer und Buerste in die Hand zu druecken, putzte Okaasan meine Schuhe! Ich habe mir schnell den linken Schuh geschnappt, nicht das sie noch auf die Idee kommt, noch mehr Arbeit fuer mich zu verrichten. Waehrend ich mit dem Zahnstocher Steinchen entfernt habe, putzte sie die Sohle. Sie putzte dann auch noch die Sohle des anderen Schuhs, ich hatte keine Wahl. Okaasan und Otousan wissen zum Glueck, wie man mit Sportequipment umgeht. Sie meinten auch, dass sie totale Asics Fans sind (zu meinem Glueck). Meine Hallenschuhe stehen also wieder sauber zu neuen Einsaetzen mit dem Volleyball bereit.

Letztendlich der Sonntag. Begonnen hat der Tag nach dem Fruehstueck wieder mit dem Joggen. Diesmal waren wir insgesamt etwas weniger, aber es war auch eine neue Dame dabei. Wir joggten also los, ich sollte nach vorne gehen, weil dort die schnellsten Frauen laufen. Es ist jetzt nicht so schnell wie es sich anhoert, eher ein angenehmes Tempo. Wir liefen und liefen, als wir dann die kleine Runde absolviert haben liefen wir auf einmal weiter. Und weiter. Und weiter. Irgendwann dachte ich: Ok, wir laufen die ganze Zeit geradeaus, meine Beine sind schon schwer wie Stein und wir muessen den ganzen Weg auch noch zurueck laufen! Erleichterung machte sich in meinem Gemuet breit, als Otousan mir bedeutete, dass wir jetzt abbiegen. Mein Tempo habe ich nicht gemindert, an Aufgeben war nicht zu denken, das kann ich mir beim Marathon, der noch laenger ist, auch nicht leisten (Uebrigens nehmen wir nicht am Tokyo Marathon sondern am Hokkaido Marathon teil.). Als wir dann noch gut einen Kilometer vor uns hatten, fragte ich Otousan, ob ich schneller laufen darf. Er bejahte und ich bin einfach losgerannt. Meine Beine waren nicht mehr schwer, sondern taub, eine gute Gelegenheit zum Rennen also. Ich ueberholte dann auch eine der Frauen, die sich 15 Minuten vor mir entschlossen hatte, schneller zu laufen. Ehrlich gesagt war es ziemlich angenehm mal wieder Gas zu geben und einfach den letzten Rest Energie zu benutzen. Hechelnd legte ich mich auf den Boden beim Ziel und wartete auf die anderen. Nachdem alle angekommen waren, joggten wir wieder nach Hause, wo ich mich endlich richtig hinsetzen konnte. Meine Beine taten jedesmal weh, wenn ich mich hinsetzen wollte. Geschaetzt sind wir 15km gelaufen. Marathon ich komme!
Zum Mittagessen gab es diesmal selbstgemachte Spaghetti und ich war vor Otousan mit dem Essen fertig. Danach sind wir zur Pferderennbahn gefahren, die sehr beruehmt ist. Die Pferde hier muessen ihren Reiter samt schweren Metallschlitten 200 Meter weit ziehen. Die Atmosphaere war sehr lustig, weil sobald ein Pferd vorne lag, alle Japaner anfingen irgendwas zu rufen und es dann sehr laut wird. Nach dem ersten Rennen sind wir dann Mochi essen gegangen. Dieses Mochi war jedoch besonders, weil der Reis von Hand zerstampft wurde, sogar noch warm war, und dann erst mit Anko oder Kinako gefuellt wurde. Das war sogar kostenlos und wer nicht puenktlich genug kam, musste dann auch 20 Minuten dafuer anstehen. Anko ist hier generell in fast jeder Suessigkeit, es ist aber auch echt lecker. Wir schauten uns dann noch ein Rennen an und fuhren wieder nach Hause.

Jetzt noch eine Sache, die schon etwas laenger her ist, ich aber damals nicht niedergeschrieben habe. Vorletztes Wochenende ging ich mit Otousan in einen Elektronik-Laden, als mich auch schon diese kleine japanische Lady anspringt und mich bittet, ein Los zu ziehen. Hoeflich wie ich bin, tat ich dies auch so fort, oeffnete es und siehe da: ein Preis. Voller Spannung gingen wir zum Schalter an dem es die Preise gab. Dann war es soweit, ich nahm meinen Preis entgegen. Ab diesem Tag war ich Besitzer von japanischen Feuchttuechern! Diese werden hier jetzt fast jeden Tag eingesetzt, um den Tisch zu reinigen, denn zu etwas anderem sind sie auch nicht zu gebrauchen.

Dein Jonathan

16 Kommentare:

  1. japanische feuchttücher??? geil xD

    ich msus mcih beeiln mit dem eintrag. jonas macht sein compi schon an xd
    der hat ja schon ab diese woche ferien -.-
    während ich noch physik mit fr hoppe schreibe-.-

    na ok
    dir also mal wieder viel spaß un grüße
    leer
    ^^

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  2. -.- schön wie sie hier immer als erst schreibt und sich dafür nen wecker stellt oO
    schön lange blogeintrag wenn das so weitergeht lass ich mir am ende ein buch binden mit deine einträgen und verkauf es dann^^
    von dem geld kauf ich mir auch schöne asics *neid*

    Jones

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  3. deine eintraege sind echt druckreif und ich habe immer was zum Schmunzeln - Japanische Feuchttuecher!! Alle Achtung vor deiner sportlichen Ausdauer, dann ist ja bei Rueckkehr der Berlin-Marathon faellig ....

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  4. om wie groß ist denn der süßigkeitenladen?
    gibts da ne große auswahl?
    so gleich das wichtigste gefragt

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  5. Ich will auch japanischen Schokoladenkuchen! Die Feuchttücher interessieren mich nicht so sehr, wobei die Vorstellung einer dich anspringenden Japanerin mich schon ein bisschen zum Schmunzeln bringt. :D
    Deine Gasteltern scheinen sehr nett zu sein! Dass die dir einfach mal Schuhe kaufen - echt nett! Aber ich glaube mit dieser Rollenverteilung Mann/Frau hätte ich voll das Problem >_<
    Wann hast du eigentlich Schule?
    <3
    Anne

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  6. krasse sache o.o
    wie lange warstn du dann unterwegs, war ja bestimmt ne ewigkeit ^^

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  7. toll, wie du immer hier was reinschreibst ^^
    wissen deine gasteltern eigentlich davon? XD
    ich wünsche dir noch viel spaß beim joggen, essen und sonstigen sachen ^^
    Tina

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  8. Ist doch egal, wer ich bin

    Jedenfalls schneiden ganz viele asiatische Laender Pizzen mit Scheren xD
    Erzaehl doch mal von deinem obento,
    wenn du das liest ^.^

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  9. Hallo Jonathan,
    ich wollte einfach mal Danke sagen für deine Brichte aus dem kalten Norden Japans. Macht Spaß hier mitzulesen. Erinnert mich an Danas Japanjahr.

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  10. MasterOfPuppets (Pierre?): Der ist nicht sehr gross, aber sehr bonzig. da gibts nur teure suessigkeiten, die aber auch ziemlich geil schmecken und noch geiler aussehen^^

    Anne: Schule beginnt leider erst am 8. April, also naechste Woche Mittwoch.

    Tina: Nein, meine Gasteltern wissen nicht davon XD Erklaer mal auf Japanisch, dass du einen Blog schreibst. Tztz.

    Fr.Berndt und alle anderen: Ich danke auch fuers fleissige Mitlesen, macht ja auch Spass den Blog zu schreiben!

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  11. Ja ich bin pierre ^^
    war doch klar die frage konnte nur von mir kommen xD
    sagmal was hören deine hostparents für musik? oder generell die japaner. wär lustig wenns viele japanische metal fans geben würde.
    ich bin enttäuscht das du keine aloutette hast*neneneeee* XD
    lalala xD

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  12. Sowohl Gastvater als auch Gatsmutter hoeren gerne Jazz oder Klassik, womit ich kein Problem habe (solange sie nicht Hip Hop "hoeren", ne?).

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  13. PF CX jazz haut rein ja und klassik ab und zu is auch angenehm.
    oh man hoffentlich hörst du wie zuhause immer schön musik XD

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